Der Ex-Botschafter der Ukraine, Andrij Melnyk, ist wütend. Seiner Meinung nach setzt sich sein Nachfolger Oleksii Makeiev zu wenig für die Ukraine in Deutschland ein.

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Der ehemalige ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat seinen Nachfolger Oleksii Makeiev scharf angegriffen. "Er sollte sein Gesäß hochkriegen, bei überlebenswichtigen Themen wie deutschen Kampfjets und Kriegsschiffen sowie einem Nato-Beitritt endlich lautstark werden und Ergebnisse liefern", sagte der jetzige ukrainische Vize-Außenminister Melnyk dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Dienstag.

"Indem er alles zertrampelt, was sein Vorgänger mit Schweiß und Blut geschaffen hat, hat Herr Makeiev auch mir einen Fehdehandschuh ins Gesicht geschleudert", sagte Melnyk. "Dass Herr Makeiev eine langjährige Bitte an den Bundestag, ein Mahnmal für Millionen ukrainische Opfer der Nazi-Terrorherrschaft in Berlin zu errichten – wie für unsere polnischen Schwestern und Brüder –, in den Mülleimer geworfen hat, ist ein Schlag ins Gesicht unserer Vorfahren." Als "unverzeihlichen Fehler" kritisierte Melnyk auch, dass Makeiev auf die traditionelle Kranzniederlegung am Ehrenmal im Tiergarten am 8. Mai verzichtete.

Andrij Melnyk bemängelt auch die mangelnde Würdigung der ukrainischen Opfer im Zweiten Weltkrieg

Melnyk hat Deutschland zum 78. Jahrestag der Kapitulation der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg eine ungenügende Würdigung ukrainischer Opfer vorgeworfen. "In den Schullehrbüchern in Deutschland über diese Kriegsjahre taucht das Wort Ukraine kaum auf", sagte Melnyk am Montag im ukrainischen Fernsehen. Im Zweiten Weltkrieg seien zehn Millionen Ukrainer ums Leben gekommen, doch in Deutschland wisse "beinahe niemand" von diesen Opfern, fügte er hinzu. Der 47-Jährige forderte einen gesonderten Gedenkkomplex für ukrainische Opfer im Berliner Stadtzentrum.

In der Ukraine wird immer wieder beklagt, dass in Bezug auf die sowjetischen Opfer des Zweiten Weltkriegs der Fokus oft auf Russland liege. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach zuletzt von acht Millionen ukrainischen Toten in den Jahren 1939 bis 1945.

Bereits Ende April hatte Melnyk seinen Nachfolger scharf kritisiert. Der "Zeit" sagte er damals, zuvor hätten die Ukrainer die Debatte um Waffenlieferungen in Berlin "kräftig mitbestimmen und sogar steuern" können. "Jetzt schwimmen wir nur noch mit dem Strom, lassen uns treiben. Wir wurden zurückgeworfen, lächeln und winken." Statt weiter zu trommeln, bedanke sich Makeiev "mantraartig" bei Deutschland für die gelieferten Waffen.

Oleksii Makeiev schlägt zurück

Makeiev hat die Kritik zurückgewiesen. Dem "Spiegel" sagte er in der vergangenen Woche: "Der Botschafter der Ukraine in Berlin bin jetzt ich. Und die Ergebnisse bei den Waffenlieferungen können sich sehen lassen." Zudem verwies er auf die Reaktionen auf "diese unglücklichen Angriffe meines Vorgängers". "Höchst unprofessionell" habe eine der Bewertungen gelautet. Anders als Melnyk stehe ihm jede Tür offen, er habe bereits mehrfach mit dem Kanzler, dem Bundespräsidenten, der Außenministerin und dem Verteidigungsminister gesprochen. (dpa/the)

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