• Mindestens 150.000 Menschen sind am Rosenmontag in Köln auf die Straße gegangen, um bei einem Rosenmontagszug der etwas anderen Art für Frieden und Demokratie zu demonstrieren.
  • Die Polizei hatte trotz der Menschenmassen keinerlei Zwischenfälle zu vermelden.

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Zehntausende Menschen haben am Rosenmontag in Köln für Frieden und Demokratie demonstriert. "Es ist beeindruckend, wie viele Menschen in Köln auf der Straße sind", sagte ein Polizeisprecher. Nach Angaben des Festkomitees Kölner Karneval waren es mindestens 150.000 Teilnehmer mit am Mittag noch stark steigender Tendenz. "Das ist, glaube ich, der wichtigste Rosenmontagszug, seit ich auf der Welt bin", sagte der Musiker Peter Brings (57) im WDR-Fernsehen.

In Reden solidarisierten sich Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn und Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) sowohl mit der Ukraine als auch mit den Antikriegs-Demonstranten in Russland. "Herr Putin, stoppen Sie den Wahnsinn! Stoppen Sie den Krieg!", rief Kuckelkorn. Reker betonte: "Ich empfinde grenzenlose Bewunderung für all die mutigen Russinnen und Russen, die bereits seit Freitag auf die Straßen ihres Landes gehen." Minutenlanger donnernder Applaus der Zuhörerinnen und Zuhörer war die Reaktion darauf.

Klare Statements gegen Russland

Kostümierte und Nichtkostümierte marschierten gemeinsam durch die Straßen. Viele trugen Transparente mit Aufschriften wie "Putin Go Home" und "Dear Russian people, be Russians not Putinians" ("Liebes russisches Volk, seid Russen, keine Putinianer"). Dazu wurden Lieder gespielt wie "Alle Menschen werden Brüder" und "Mir sin alle nur Mensche" (Wir sind alle nur Menschen) von Brings. Vor dem Start des Marsches ließ das Festkomitee Kölner Karneval weiße Friedenstauben aufsteigen.

Trotz der Menschenmassen registrierte die Polizei bis zum Mittag keinerlei Zwischenfälle. Teilnehmer beschrieben eine gedämpfte, überwiegend ernsthafte Atmosphäre. Die Kölner Karnevalisten hatten sich am Tag des Kriegsbeginns entschieden, eine Friedensdemo zu veranstalten. Der normale Rosenmontagszug durch die Stadt war zuvor schon wegen Corona abgesagt worden. Als Ersatz sollte der Zug durchs Fußballstadion rollen, doch das wurde nun ebenfalls gecancelt.

Der Zugleiter des Kölner Rosenmontagszugs, Holger Kirsch, sagte, die Demo werde von der gesamten Stadtgesellschaft mitgetragen. Allen gehe es darum, ein Zeichen zu setzen: "Ein Zeichen für die Solidarität der Menschen in der Ukraine und ein Zeichen gegen Krieg in Europa." Der Zug wurde angeführt von einem Karnevalswagen, der eine von einer russischen Flagge aufgespießte Friedenstaube zeigte.

Der eigentliche Rosenmontagszug wegen Corona auf Mai verschoben

"Da bin ich sehr stolz auf meine Stadt", sagte BAP-Sänger Wolfgang Niedecken im WDR Fernsehen. Der "höchste Kölner Feiertag", der Rosenmontag, sei zu einer Solidaritätskundgebung für Frieden und Demokratie umfunktioniert worden. Alle Teilnehmer verhielten sich verantwortlich: "Ich sehe keinen einzigen ohne Maske."

Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst ging in der Demo mit. "Das ist heute die beste Art, auf den Beinen zu sein, nämlich für Frieden und Freiheit in Europa zu demonstrieren", sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

In Düsseldorf war der Rosenmontagszug schon vor Wochen wegen Corona auf Ende Mai verlegt worden. Allerdings rollte dort ein einzelner Wagen von Jacques Tilly zum Ukraine-Krieg durch die Stadt. Die überlebensgroße Karikatur aus Drahtgeflecht und Pappmaché zeigte Wladimir Putin, der sich die Ukraine in den Rachen steckt, und den Spruch "Erstick dran!!!". (dpa/ncs)  © dpa

Teaserbild: © dpa / Henning Kaiser/dpa