Der Republikaner Roy Moore soll ein Mädchen sexuell belästigt haben. Der dementiert, die heute 53 Jahre alte Frau vor Jahrzehnten genötigt zu haben. Während sich führende Republikaner von ihm distanzieren, springt ihm ein Parteifreund zur Seite und verharmlost den Missbrauch mithilfe der Bibel.

Im Zuge der Missbrauchsvorwürfe gegen namhafte Filmproduzenten, Schauspieler und Moderatoren haben Anschuldigungen unlängst auch die amerikanische Politik ereilt. Nach Meldungen über sexuelle Belästigungen im Kongress trifft es jetzt Roy Moore.

Der Republikaner aus Alabama befindet sich derzeit im Wahlkampf, er kandidiert für den amerikanischen Senat. Moore gilt als ultra-konservativ. Er soll einem Bericht der "Washington Post" zufolge als 32-Jähriger ein 14 Jahre altes Mädchen sexuell belästigt haben.

Mädchen entkleidet

Die heute 53-Jährige Leigh C. schilderte der Zeitung Einzelheiten. Moore habe den Kontakt zu ihr gesucht, nach ihrer Telefonnummer gefragt. Tage später habe er sie mit zu sich nach Hause genommen. Moore soll ihr gesagt haben, wie hübsch sie sei und sie geküsst haben. Danach habe er sie bis auf BH und Slip entkleidet, sie betatscht und ihre Hand an seine Genitalien geführt.

Der Bitte, sie nach Hause zu bringen, sei Moore dann nachgekommen.

Moore soll es auch auf andere junge Mädchen abgesehen haben, als er Anfang 30 gewesen sei. Damals war er stellvertretender Bezirksstaatsanwalt. Als Beweis führt die "Washington Post" drei weitere Frauen an, denen Moore Avancen gemacht hat. Damals seien sie erst zwischen 16 und 18 Jahre alt gewesen.

Leigh C. sei die jüngste gewesen und das einzige Mädchen mit sexuellem Kontakt.

Moore steht im US-Bundesstaat Alabama zur Wahl. Dort ist Sex mit Minderjährigen eine Straftat.

Moore spricht von "Fake News"

Der Republikaner dementiert die Vorwürfe. "Diese Anschuldigungen sind komplett falsch”, sagte der 70-Jährige. Es handele sich um eine gemeine politische Attacke der Demokraten und der "Washington Post". Sein Wahlkampf-Team sprach von "Fake News".

Besonders verstörend sind die Rechtfertigungen von Moores Parteifreund Jim Zeigler. Der oberste Rechnungsprüfer in Alabama verwies auf die Bibel: "Nehmen Sie Maria und Joseph: Maria war eine Jugendliche und Josef war ein erwachsener Zimmermann. Sie wurden die Eltern von Jesus", sagte Zeigler der konservativen Tageszeitung "Washington Examiner". Daran sei überhaupt nichts "Unmoralisches oder Illegales". Das Ganze sei "höchstens ein bisschen ungewöhnlich."

Trump-Fan Sean Hannity von Fox News bezog sich ebenfalls in einem wirren Vergleich auf die Bibel und verteidigte Moores sexuelle Belästigungen von minderjährigen Mädchen mit dem Argument, König David habe immerhin auch 500 Konkubinen gehabt.

Republikaner distanzieren sich

Andere führende Republikaner distanzieren sich dagegen von Moore. Senator John McCain sagte: "Er sollte sofort abtreten und dem Volk von Alabama die Möglichkeit geben, einen Kandidaten zu wählen, auf den sie stolz sein können."

Mitch McConnell, Fraktionschef der Republikaner im Senat, erklärte, Moore müsse seine Kandidatur zurückziehen, sollten die Vorwürfe stimmen. Dem schlossen sich etwa ein Dutzend weitere Republikaner an.

(fab)

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