Drei Tage vor dem Verfassungsreferendum in der Türkei hat Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan Europa erneut eine faschistische und islamfeindliche Haltung vorgeworfen.

"Das Make-Up im Gesicht Europas zerfließt", sagte Erdogan am Donnerstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Schwarzmeerstadt Giresun.

"Das darunterliegende faschistische, rassistische, fremdenfeindliche und islamfeindliche Gesicht hat angefangen, sich zu zeigen. Sie haben nun angefangen zu zeigen, dass sie islamfeindlich sind. Sie können Muslime nicht ertragen."

Europa ist aus Sicht Erdogans allerdings trotz dieser von ihm unterstellten Haltung auf die dort lebenden Türken angewiesen. "Was sie auch tun, es ist umsonst. Die Zukunft Europas werden unsere fünf Millionen Brüder formen, die sich aus der Türkei dort angesiedelt haben", sagte der Staatschef.

"Für Europa, dessen Bevölkerung altert, dessen Wirtschaft erlahmt und dessen Kraft versiegt, gibt es keinen anderen Ausweg."

"Sie greifen euren Bruder an"

In der Türkei wird an diesem Sonntag in einem Referendum über die Einführung eines Präsidialsystems abgestimmt, das Erdogan deutlich mehr Macht verleihen würde.

Erdogan warf Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz, Belgien, Österreich "und vielen weiteren europäischen Ländern" vor, sich an die Seite der Gegner seines Präsidialsystems gestellt zu haben.

"Seht, heute greifen sie in allen europäischen Zeitschriften und Zeitungen diesen Euren Bruder an. Was habe ich ihnen denn getan? Was haben sie gegen mich?"

Erdogan hatte im Wahlkampf zum Referendum besonders Deutschland und den Niederlanden "Nazi-Methoden" vorgeworfen und damit scharfe Kritik in beiden Ländern ausgelöst.

Unabhängige Wahlbeobachter stellen der Türkei wenige Tage vor dem Referendum über die Einführung des Präsidialsystems ein schlechtes Zeugnis aus: Das Nein-Lager, sprich die Gegner von Präsident Erdogan, würden im Wahlkampf massiv behindert. 


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