• Mit einem Spezialeinsatzkommando nimmt die Polizei einen Soldaten fest, der mit seinem Vater und seinem Bruder Waffen und Munition hortete.
  • In einer Sporttasche fand sich nach SPIEGEL-Informationen ein beunruhigendes Dokument.

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Angefangen hat alles offenbar mit einem Streit. In der Nacht auf Samstag soll ein Bundeswehrsoldat aus dem Taunus seine frühere Freundin angegangen sein. Die Auseinandersetzung muss heftig gewesen sein, die Frau rief jedenfalls die Polizei – und gab den Beamten einen brisanten Hinweis.

Ihr Ex-Partner horte zusammen mit seinem Bruder und seinem Vater scharfe Schusswaffen, behauptete sie. Er laufe auch bewaffnet durch die Gegend und habe sich mehrfach rassistisch zu Ausländern geäußert. Sogar über Anschläge habe er mal gesprochen. In einer Sporttasche, die er bei der Frau liegen gelassen hatte, befand sich nach SPIEGEL-Informationen eine Art Manifest: "Wie man die Macht in Deutschland übernehmen könnte".

Noch am Samstag nahmen Spezialkräfte der hessischen Polizei den 21-jährigen Soldaten Tim F. fest. Sein Vater wurde ebenfalls festgenommen, der Bruder stellte sich am Sonntagabend freiwillig den Beamten. Alle drei sitzen in Untersuchungshaft.

Die Ermittler wurden bei der Razzia vom Wochenende offenkundig fündig. Sie stellten bei der Familie mehrere Pistolen und Gewehre sicher, dazu Granaten, Plastiksprengstoff, Zünder und allerlei Munition, das meiste soll aus Ex-Jugoslawien oder dem Zweiten Weltkrieg stammen.

Bei der Durchsuchung fand die Polizei unter anderem scharfe Schusswaffen, diverse Munition, Spreng- und Explosivstoff.

Generalbundesanwalt prüft, ob sie Fall übernimmt

Den Männern aus dem Hochtaunuskreis wird vorgeworfen, "illegal Waffen und Munition gehortet und sich in rechtsextremer Weise geäußert zu haben", teilten das Landeskriminalamt Hessen und die Staatsanwaltschaft Hanau mit.

Nach SPIEGEL-Informationen soll Tim F. versucht haben, aus Munition Sprengstoff für Rohrbomben zu gewinnen, knapp 30 Gramm soll er bereits zusammengetragen haben. In seiner Stube bei der Bundeswehr fanden sich rechte Flyer und Bücher, auf dem Messenger-Dienst Telegram soll er Mitglied einer nationalistischen Gruppe gewesen sein.

Zeugen berichten, dass er angeblich mal davon gesprochen habe, dass Flüchtlinge erschossen gehörten, auch die Bundesregierung müsse ausgelöscht werden. Das von ihm verfasste Manifest soll teils wirr gewesen sein, enthielt aber offenbar auch Hinweise auf mögliche gewaltsame Aktionen.

Nicht erhärtet hat sich offenbar ein Hinweis auf einen vermeintlichen Bunker, in dem der Soldat weitere Munition gehortet haben soll. Bei einer Durchsuchung eines Gartengrundstücks wurden die Ermittler dem Vernehmen nach nicht fündig.

Der Generalbundesanwalt in Karlsruhe prüft, ob er den Fall übernimmt. Bislang reichten die Indizien allerdings nicht für ein Terrorismusverfahren.

Der Soldat war den Behörden nicht als extremistisch aufgefallen

Tim F. ist seit November 2019 bei der Bundeswehr, er verpflichtete sich freiwillig als Wehrdienstleistender für 22 Monate. Bislang war er den Behörden nicht als extremistisch aufgefallen, weder der Militärgeheimdienst MAD noch der Verfassungsschutz führten ihn in ihren Datenbanken.

Eingesetzt war er im Ausbildungszentrum für Spezielle Operationen im baden-württembergischen Pfullendorf, allerdings nicht im sicherheitsempfindlichen Bereich, sondern in der Verwaltung. Die Bundeswehr hat nun ein Disziplinarverfahren eingeleitet – und will ihn so schnell wie möglich aus der Truppe entlassen.  © DER SPIEGEL