Der bevorstehende Militärschlag gegen Syriens Diktator Baschar al-Assad wird das beherrschende Thema beim G20-Gipfel in St. Petersburg sein. Bislang hatten China und Russland im US-Sicherheitsrat jegliche Maßnahmen gegen das syrische Regime blockiert. Doch jetzt bewegt sich Russlands Machthaber Wladimir Putin: Bei einer klaren Beweislage werde Russland "angemessen reagieren". Zeichnet sich ein Ende der Eiszeit zwischen den USA und Russland ab?

Zwar hat der Kremlchef erneut Beweise für einen mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz in Syrien gefordert - doch Andeutungen legen nahe, dass Russland seine Blockade im Sicherheitsrat möglicherweise aufgeben könnte: "Wenn objektive Angaben darüber vorliegen, wer diese Verbrechen begangen hat, werden wir reagieren. Aber es wäre unkorrekt zu sagen, wir werden dann dies oder jenes tun", sagte Putin in einem Interview. Nur der Weltsicherheitsrat könne Gewalt gegen einen souveränen Staat genehmigen, unterstrich der Präsident.

Will Putin die Eiszeit zwischen den USA und Russland beenden, indem er die syrische Karte spielt? Es ist gut zweieinhalb Monate her, seit Wladimir Putin und Barack Obama eine denkwürdige Pressekonferenz gaben: Die Präsidenten Russlands und der USA saßen beim G8-Gipfel in Nordirland Mitte Juni beisammen, und aus beinahe jeder Geste, jedem Gesichtszug der beiden sprach Widerwille, in einem Raum zu sein. Nun reist Obama nach Russland zum Gipfel der führenden Volkswirtschaften (G20) in St. Petersburg.

Syrien: Wenn nicht am Konferenztisch, dann in den Hinterzimmern

Nichts ist inzwischen besser geworden im Verhältnis zueinander. Doch für Gastgeber Wladimir Putin geht es dieses Mal um mehr, als seinem chronischen Unmut über die USA Luft zu machen. Diplomatie ist nun gefragt, wenn der Kremlchef die Staats- und Regierungschefs am Donnerstag und Freitag im prachtvollen Konstantinpalast erwartet.

Auch wenn Putin sich sträubt, wird die Lage in Syrien nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff der Truppen von Präsident Baschar al-Assad auf Zivilisten zur Sprache kommen. Wenn nicht am großen Konferenztisch, dann doch in Hinterzimmern und in kleiner Runde. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will versuchen, zwischen den Großmächten zu vermitteln. Auch China blockiert bisher eine gemeinsame Linie im Weltsicherheitsrat.

Die Gespräche könnten davon profitieren, dass die Drohung Obamas, Assad mit einem militärischen Schlag zu bestrafen, zumindest für den Moment vom Tisch ist. Putin kann sein Gesicht wahren und wäre in der Lage, auf Grundlage einer abgeschlossenen UN-Untersuchung einem Militärschlag gegen Assad im Sicherheitsrat doch noch zuzustimmen. Es könnte sich zumindest kurzfristig Tauwetter zwischen den beiden Atommächten einstellen. (jfi/dpa)