Der Fall hatte für große Anteilnahme und Aufsehen gesorgt: Im Dezember hatte in Kandel ein junger Flüchtling aus Afghanistan seine Exfreundin niedergestochen. Vor allem das Alter des Mannes hatte für große Diskussionen gesorgt. Schnell kamen Zweifel auf, dass er tatsächlich 15 Jahre alt sei. Ein Gutachten schätzte ihn daraufhin auf "wahrscheinlich 20 Jahre" - doch das Gericht behandelt ihn nun als "nicht volljährig".

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Das Landgericht Landau will den Angeklagten im Mordfall Kandel als Jugendlichen behandeln. Dies teilte das Gericht am Freitag nach einer vorläufigen Bewertung bei der Zulassung der Anklage zur Hauptverhandlung mit.

Ein mutmaßlich aus Afghanistan stammender Mann wird beschuldigt, seine 15-jährige Exfreundin Ende Dezember 2017 in einem Drogeriemarkt heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen erstochen zu haben. Der Fall hatte deutschlandweit für Aufsehen gesorgt.

Vor allem das Alter des Flüchtlings hatte für Diskussionen gesorgt. Der junge Mann, dessen Asylantrag nach Angaben der Ermittler im Februar 2017 abgelehnt worden war, war nach eigenen Angaben zum Tatzeitpunkt 15 Jahre alt.

Auch der Kreis Germersheim, bei dem das zuständige Jugendamt angesiedelt ist, schloss eine Volljährigkeit "von allen Beteiligten" aus. Demnach war das Alter 2016 in Frankfurt nach einer "Inaugenscheinnahme" und einem ärztlichen Erstscreening festgestellt worden.

Diskussion um Alter des Tatverdächtigen

Ein Sachverständiger stellte später beim Tatverdächtigen ein absolutes Mindestalter von 17 Jahren und sechs Monaten fest.

Wahrscheinlich sei der afghanische Flüchtling aber etwa 20 Jahre alt, hatte die Staatsanwaltschaft Landau mitgeteilt. Bei der Untersuchung seien auch Röntgenaufnahmen von Hand, Gebiss und Schlüsselbeinen angefertigt worden.

Das Landgericht Landau will den Angeklagten strafrechtlich nicht als Erwachsenen behandeln.

"Nach vorläufiger Bewertung der bisherigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zur Altersbestimmung des Angeklagten geht die Kammer [...] in Anwendung des Zweifelsgrundsatzes (in dubio pro reo) davon aus, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte", erklärte nun ein Sprecher.

Die als Jugendkammer fungierende 2. Strafkammer führe dazu allerdings noch weitere Ermittlungen durch.

Eine nach Jugendstrafrecht geführte Hauptverhandlung ist nicht öffentlich. Termine sind laut dem Gericht derzeit noch nicht festgelegt. (dh/dpa)