US-Präsident Donald Trump hat mit weitreichenden Einreisestopp im Anti-Terror-Kampf international Aufsehen erregt. An etlichen Flughäfen wurden am Wochenende Passagiere aus muslimischen Ländern aufgehalten, gar in Gewahrsam genommen - die Welle der Empörung ist riesig. Die Reaktionen der internationalen Presse.

  • "Spiegel Online": "Gefährlich und unamerikanisch"

"Die vergangenen Monate haben in den USA zahlreiche Momente gebracht, in denen der Irrsinn des Donald Trump nicht mehr zu steigern schien. Aber die Entscheidung, Menschen aus sieben muslimischen Staaten die Einreise in die USA zu verwehren, ist nicht nur eine weitere Spinnerei des neuen US-Präsidenten. Sie ist unamerikanisch, weil sie das Selbstverständnis des Einwanderungslandes infrage stellt. Und sie ist gefährlich wie keine andere Tat seit seiner Amtseinführung. [...] Das Einreiseverbot ist ein Geschenk für die Terrormiliz IS, die in Syrien und dem Irak Territorien verliert und ihren Anhängern neue Gründe liefern muss, warum es sich lohnt, in den heiligen Krieg gegen den Westen zu ziehen. [...] Donald Trump hat einigen anfälligen Personen an diesem Wochenende womöglich ein paar neue Gründe geliefert." (Zum Artikel)

  • "Zeit Online": "Trump bedient nur den Hass seiner Anhänger"

In amerikanischen Städten wächst Widerstand gegen Einreisestopp.

"Die USA sollen durch diesen Schritt sicherer werden, der Präsident sieht sein Dekret als geeignetes Mittel, um das Land vor Terroristen zu schützen. Dabei werden islamistische Extremisten nicht nur in den betroffenen Ländern diesen Schritt genüsslich in ihre Propaganda einfließen lassen: Seht her, wir haben es ja immer gesagt, Amerika führt einen Krieg gegen den Islam. [...] Was Trump angeordnet hat, ist also nicht nur kaum versteckter Rassismus und auch verfassungsrechtlich äußerst fragwürdig. Es ist auch noch wenig effektiv, geht an den eigentlichen Problemen vorbei oder verschärft sie noch – und hat erst einmal nur ein unglaubliches Chaos zur Folge." (Zum Artikel)

  • "Süddeutsche Zeitung": "Ein Verrat an der Geschichte"

"Es widerspricht der amerikanischen Verfassung, Menschen aufgrund von Religion zu diskriminieren (Christen werden bevorzugt) und es untergräbt alles, wofür die USA stehen wollen und weshalb sie für sich in Anspruch nehmen, "außergewöhnlich" zu sein. Es ist ein Verrat an der Geschichte eines Einwanderungslandes, das seit Jahrhunderten Menschen aus aller Welt eine Chance gibt, ihr persönliches Glück zu erreichen. [...] Trump ist erst eine Woche im Amt und er hat dem Ansehen der ältesten Demokratie schweren Schaden zugefügt." (Zum Artikel)

  • "Financial Times": "Trumps Einreiseverbot fehlt Glaubwürdigkeit"

"Wer meint, dass diese Anordnung in Einklang steht mit Amerikas besten Werten oder jenen der liberalen Demokratie im Allgemeinen, wird seine Ansicht wohl nicht wegen eines kritischen Kommentars ändern. Diese Anordnung ist deutlich und wer sie liest, kann eine klare Einschätzung dazu abgeben. Diese Zeitung kann nur darauf hinweisen, dass die USA lange Zeit die stärkste Stimme in der Welt für Glaubensfreiheit und menschliche Würde waren - und zugleich mit Beunruhigung und Bedauern feststellen, dass Trump gewaltig von dieser Tradition abgerückt ist. [...] Keiner der Angreifer vom 11. September 2001, von Orlando, San Bernardino oder Boston kam aus einem der jetzt für das Einreiseverbot ausgewählten Länder. Sollte Trump wirklich besorgt sein über Staaten, aus den Bürger kamen, die jüngst in Gräueltaten verwickelt waren, dann wäre die Abwesenheit von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Pakistan auf seiner Liste schwer zu erklären. Dass der Präsident Geschäftsinteressen in mehreren Ländern hat, die ausgelassen wurden und in keinem einzigen der Länder, die auf der Liste stehen, trägt keineswegs zu seiner Glaubwürdigkeit bei."

  • "New York Times": "Donald Trumps Muslim-Bann ist feige und gefährlich"

"Dass der Erlass, atemberaubend im Umfang und aufrührerisch im Ton, am Holocaust-Gedenktag unterzeichnet wurde, spricht für die Herzlosigkeit des Präsidenten und Gleichgültigkeit zur Geschichte, zu Amerikas tiefsten Lehrstunden über seine eigenen Werte. [...] Dem Erlass fehlt jede Logik. [...] Die Sprache des Erlasses macht deutlich, dass der Fremdenhass und der Islamhass, der Trumps Wahlkampf prägte, auch seine Präsidentschaft beschmutzen wird." (Zum Artikel)

  • "Der Standard": "Ein Geschenk für Terroristen"

Die USA vor islamistischem Terror zu schützen, das wird ihm damit allerdings nicht gelingen, im Gegenteil: Die USA können viel mehr von Glück reden, wenn Trump die Lage nicht selbst noch unsicherer gemacht hat. Muslimen die Einreise die USA zu verwehren ist nicht nur widerwärtig, möglicherweise illegal und zutiefst unamerikanisch, sondern birgt darüber hinaus neue Gefahren. [...] Für islamistische Terroristen ist Trumps Einreisebeschränkung für Muslime und Flüchtlinge das größte Geschenk. Immerhin liefert er ihnen Futter für ihre Predigten, um ihre Anhänger in den Krieg gegen den Westen zu ziehen." (Zum Artikel)

  • "De Standaard": "Trump schürt Spannungen in der Welt"

"Es macht kaum Sinn, wegen des Beschlusses von Präsident Trump, Menschen aus sieben muslimischen Ländern die Einreise in die USA zu verweigern, viel Tinte zu verwenden. Denn dieses Einreiseverbot ist derartig unredlich, kurzsichtig und verletzend, dass Worte nicht ausreichen. [...] Die Zwietracht, die Trump damit sät, wird noch jahrelang nachwirken. Diese Anordnung wird weltweite Rückwirkungen haben. Sieben Milliarden Erdenbürger sind gegen ihren Willen vom widerspenstigen Stimmverhalten von 63 Millionen amerikanischen Wählern betroffen. Denn es besteht kein Zweifel darüber, dass die impulsiven Beschlüsse von Donald Trump die Weltordnung mitbestimmen. Muslime, wo immer auf der Welt sie leben, sehen sich einmal mehr in der Auffassung bestärkt, dass der Westen ein tiefsitzendes Misstrauen gegen ihre Religion hegt. Damit werden die Spannungen auf der Welt erneut geschürt."

  • "Politiken": "Trump steuert USA in einen amerikanischen Albtraum"

"Donald Trumps ersten zehn Tagen im Weißen Haus nach zu urteilen wird der amerikanische Star in den nächsten vier Jahren nicht für den Westen leuchten. Er hat am Freitag eine Entscheidung getroffen, die Menschen aus sieben muslimischen Ländern daran hindert, in die USA einzureisen. Menschen, die seit Jahren in Amerika arbeiten, konnten von einem Familienbesuch oder einer Geschäftsreise nicht nach Hause kommen. Syrische Flüchtlinge sind auf unbestimmte Zeit ausgeschlossen.

Man kann sich kein unamerikanischeres Stück Papier vorstellen. Die USA haben auch schon vor Trump im Krieg gegen den Terror gezeigt, dass die Amerikaner bereit sind, auf der Suche nach Schutz in Bezug auf sich selbst Kompromisse einzugehen. Aber man bekämpft weder Terroristen noch schafft man Sicherheit, indem man ganze Bevölkerungsgruppen zu Feinden erklärt."

Zusammengestellt von jwo