Nach der Pleite für die CDU bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern geht es bei Maybrit Illner um den Rückhalt von Kanzlerin Angela Merkel - mit überraschend deutlicher Tendenz.

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Angela Merkel ist das Thema

Umfragen so schlecht wie 2011 nicht. Die AfD-Wähler glaubten fest daran, Angela Merkel müsse weg. Jetzt zweifle auch mancher in der Union. Moderatorin Maybrit Illner schildert, wie viel die Kanzlerin momentan ertragen muss.

"Ihre Partei hat jetzt mitbekommen, wie deprimierend es ist, wenn man von der AfD nur noch die Rücklichter sieht", meint sie und verweist auf die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Und ihr Koalitionspartner, die SPD, suche schon Fluchtwege. Illner will wissen: "Wer folgt noch Angela Merkel?"

Wer sind Illners Gäste?

Manuela Schwesig, stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende und Bundesfamilienministerin. Zur eingangs gestellten Frage hat das Mitglied des Bundeskabinetts quasi nichts zu sagen. Sie wirkt wie im Wahlkampf, redet am Thema vorbei. "Wir haben viel zu lange diskutiert, wie es geht. Ich war selber dabei", sagt sie und argumentiert damit nicht gerade glücklich. Und wieder Wahlkampf: "Wir sorgen mit einem sozialen Wohnungsprogramm dafür, dass unsere einheimische Bevölkerung endlich wieder bezahlbar wohnen kann." Vergebene Liebesmüh.

Thomas Strobl, CDU, Innenminister und Migrationsminister in Baden-Württemberg. Im Verteidigungsmodus für die Regierungschefin und im Angriffsmodus gegen die AfD. "Seit Angela Merkel dieses Land regiert, geht es Deutschland besser. Herr Gauland (Alexander Gauland, AfD-Vize, Anm. d. Red.) hat mal gesagt, die AfD lebt von der Krise", meint der Schwabe. "Wir wollen nicht in der Krise leben, sondern Lösungen präsentieren."

Er ist selbstkritisch: Man sei im vergangenen Jahr während der Flüchtlingszuzüge nicht immer Herr der Lage gewesen. "Aber wir haben unsere Lektion gelernt." Strobl lässt keinen Zweifel an der Kanzlerin aufkommen. "Indem wir die Probleme lösen, sind wir auf einem guten Weg", sagt er.

Gabor Steingart, Journalist und Herausgeber des "Handelsblatt". Er geht eine Kompromisshaltung ein: Zum einen kritisiert der Journalist die Kanzlerin scharf, zum anderen argumentiert er sie ins Unersetzliche.

"Sie hat sich verrannt und einen Standpunkt vertreten, der nicht dem Land entspricht", sagt er. "Wir leben in einer Demokratie und da ist die Kanzlerin immer noch erste Angestellte."

Dann schwenkt er um: Man müsse unterscheiden zwischen der Politik der Kanzlerin und der Person Angela Merkel. "Ich glaube, dass die Leute noch immer die pragmatische Kanzlerin Merkel wollen, die über alle Weltprobleme hinweg gestapft ist. Sie würde jede Abstimmung gegen eine Frauke Petry oder andere Politiker haushoch gewinnen."

Nachvollziehbar erklärt er für den Zuseher die Rolle der CSU. "Herr Seehofer spielt das Spiel seines Lebens. Ohne die Zustimmung der CSU keine gemeinsame Kanzlerkandidatin der Union", schildert er. "Er schreibt das nur quer, wenn er seine Forderungen erfüllt sieht." Nachhilfe im politischen Geflecht der Bundespolitik.

Matthias Manthei, Landessprecher AfD Mecklenburg-Vorpommern. Sehr gemäßigt für einen AfD-Politiker, Haudrauf ist offenbar nicht seins. Die Attacke auf die etablierten Parteien beherrscht aber auch er: "Die CDU ist gleichgeschaltet mit der SPD, sie ist komplett sozialdemokratisiert. In vielen Punkten unterscheiden sie sich nicht mehr." Ansonsten gibt es die üblichen AfD-Parolen: "Wir müssen wieder die Kontrolle über unsere Grenzen erlangen." Merkel wirft er Ignoranz vor: "Wir werden dieses Jahr einen neuen Rekord an Flüchtlingszahlen erleben."

Albrecht von Lucke, Publizist und Politologe. "Die CDU und die CSU haben sich regelrecht ineinander verbissen", meint der Wissenschaftler zur Eingangsfrage. Dabei sei das unnötig: Denn Merkel habe mit ihrer Politik längst kenntlich gemacht, "dass es eine andere Politik als letztes Jahr ist". Er zielt auf CSU-Chef Horst Seehofer ab, Merkels mutmaßlich größten Kritiker in den eigenen Reihen. "Er hat nie gesagt, was er will. Will er selber Spitzenkandidat werden?", fragt er. "Will er starker zweiter Mann in einem Kabinett Merkel werden?"

Was war das Rede-Duell des Abends?

Strobl gegen Manthei. "Das sind ja all diese Unwahrheiten", wettert der CDU-Politiker gegen den AfD-Mann, als dieser ihm Merkels Satz, "Wir schaffen das", vorhält. "Es war eine Lage, in der man befürchten musste, dass es Verletzte oder Tote gibt", meint er. "Da finde ich das einfach schäbig, wenn Sie das in dieser Art als eine Einladung für alle Flüchtlinge umdeuten."

Die AfD bezeichnet er als anti-europäische und anti-christliche Partei. Strobl: "Das sind nicht die Bewahrer des christlichen Abendlandes, sondern Verräter des christlichen Abendlandes." Manthei wehrt sich: "Ich bin auch ein gläubiger Mensch. Das möchte ich mir verbitten." Er wirft Strobl eine schwammige Rechtfertigung für den angeblichen Rechtsbruch der Bundesregierung im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise vor.

Was war der Moment des Abends?

Von Lucke redet Klartext, und zwar mit einer viel positiveren Botschaft, als mancher Zuschauer es wohl erwartet hätte. "Das Land ist auf dem Wege, das alles zu bewältigen", sagt der Politikwissenschaftler - wohlgemerkt ein neutraler Beobachter, kein Parteipolitiker.

Wie hat sich Illner geschlagen?

Sehr souverän. Am Anfang weist sie zwar Schwesig der CDU zu. Aber danach kommt sie richtig in Form. "Wir sind trotzdem auf dieses Thema fixiert."; "Es ist nicht der Sinn, wenn dieses Ping-Pong weitergeht." Vor allem Schwesig muss sich ihr erwehren. "Damit drücken Sie sich davor, eine Obergrenze zu definieren. Ist das Heldenmut nach Ladenschluss?", fragt Illner erfrischend offensiv.

Was ist das Ergebnis?

Die Kanzlerin hält Stand. Strobl, Steingart, von Lucke – alle sind sie überzeugt davon, dass es ohne Merkel nicht geht. Und damit ein Parteifreund, ein Journalist und ein Wissenschaftler. Alle führen greifbare Umfragewerte und Vergleiche auf, warum das so ist. Und: SPD-Politikerin Schwesig traut sich nicht in den Angriffsmodus. Merkel wird nicht angezählt, allen Wahlschlappen zum Trotz.