Franziska Giffey windet sich, Bernhard Vogel will einen Hauch von Wien in Thüringen und Norbert Röttgen hat die Haare schön: In der Talkshow von Sandra Maischberger geht es am Mittwochabend unterhaltsam zu.

Fabian Busch
Eine Kritik
von Fabian Busch

Die Stärke Sandra Maischbergers besteht eigentlich darin, in ruhigen, konzentrierten Einzelgesprächen aus ihren Gästen Neues und Ungewohntes herauszukitzeln. In letzter Zeit scheint sie sich aber eher mit harten Interviews profilieren zu wollen.

Das bekam in der vergangenen Woche schon der ehemalige thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow zu spüren. Dieses Mal ist Franziska Giffey an der Reihe, als Maischberger mit ihren Gästen die Themen der Woche bespricht.

Wer sind die Gäste bei "Maischberger - die Woche"?

Franziska Giffey: Die Bundesfamilienministerin kritisiert scharf, dass CDU und FDP gemeinsam mit der AfD in Thüringen einen FDP-Politiker zum Ministerpräsidenten gewählt haben. Sie will aber auch kein weiteres Öl ins Feuer gießen. "Es ist wichtig, dass sich die Demokraten in dieser Situation nicht auseinanderdividieren lassen."

Bernhard Vogel: "Am Ende müssen Neuwahlen stehen", sagt der frühere CDU-Ministerpräsident über die vertrackte Lage in Thüringen. Da seiner Partei nach aktuellen Umfragewerten allerdings eine herbe Schlappe drohen würde, sagt er auch: "Aber bitte erst, wenn die Wellen sich ein bisschen geglättet haben."

Jan Fleischhauer: Der konservative Kolumnist ist Mitglied der Chefredaktion des "Focus" – und ein Freund der Provokation. Er findet, dass sich manche Sätze des linken Studentenführers Rudi Dutschke in den 60er Jahren angehört haben wie heute Verlautbarungen der AfD. Umsturzfantasien seine "keine Spezialität der Rechten".

Melanie Amann: Für die Leiterin des Hauptstadtbüros des "Spiegel" ist Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet der Verlierer der Woche. Der wäre vielleicht gerne CDU-Vorsitzender – wie drei weitere Herren aus seinem Bundesland. "Er scheint es irgendwie geschafft zu haben, dass aus seinem eigenen Landesverband drei andere Leute denken: Ich kann den Spitzenjob in der Partei besser machen als mein Landeschef."

Eva Schulz: Die Moderatorin des Jugendprogramms "funk" bezweifelt, dass die Bundesregierung ihr Ziel erreichen wird, Hass-Kriminalität im Internet zu bekämpfen. Zumindest gelinge das kaum mit der an diesem Tag verabschiedeten Regel, dass soziale Netzwerke gefährliche Hassbotschaften künftig melden müssen. "Es wird unheimlich schwer, das überhaupt durchzusetzen", glaubt Schulz.

Unangenehme Themen für Franziska Giffey

Ob Franziska Giffey es im Nachhinein eine gute Idee fand, in die Sendung zu kommen? Die Markenzeichen der Bundesfamilienministerin sind unverstellte Sprache und Bürgernähe. Im Einzelinterview mit Sandra Maischberger wirkt sie aber ziemlich angespannt. Wohl auch weil die Moderatorin ein unangenehmes Thema nach dem anderen auftischt. Dabei hätte Giffey wahrscheinlich am liebsten nur über die Grundrente gesprochen, die das Bundeskabinett am Vormittag auf den Weg gebracht hat.

Stattdessen geht es erst um die inzwischen weitgehend entkräfteten Plagiatsvorwürfe gegen ihre Doktorarbeit. Dann muss sich die Ministerin, die gerne Berliner SPD-Chefin werden würde, für eine fragwürdige Äußerung ihres Mitbewerbers Raed Saleh rechtfertigen.

Wirklich schmallippig wird die schlagfertige Politikerin aber, als Maischberger sie auf ihren Ehemann anspricht. Der hat seinen Beamten-Job gerade wegen Betrugsvorwürfen verloren. Was Giffey dazu sage? Ihr Privatleben habe sie nie mit der Politik verbunden, als Ministerin erteile sie keine Auskünfte über Familienangehörige, antwortet sie. "Und dabei bleibe ich auch."

Giffey muss dann noch ein paar Satzanfänge vervollständigen. Über die Grundrente aber dürfen an ihrer Stelle später die Journalisten diskutieren.

Bernhard Vogel kennt einen Ausweg für Thüringen

Natürlich dürfen auch die Thüringen-Turbulenzen nicht fehlen. Bernhard Vogel ist dazu im Studio, er hat den Freistaat 1992 bis 2003 noch zum Teil mit absoluten CDU-Mehrheiten regiert. Jetzt erscheint die christdemokratische 21,7-Prozent-Fraktion plan- und orientierungslos.

Vogel findet es richtig, dass seine Parteifreunde nicht auf den Vorschlag der Linken eingegangen sind, die CDU-Politikerin Christine Lieberknecht zur Übergangsministerpräsidentin zu wählen. Er schlägt stattdessen das "Wiener Modell" vor – also eine Expertenregierung, die im vergangenen Jahr auch für einige Monate Österreich regiert hat: "Man muss sich nach Männern und Frauen umsehen, die fachlich anerkannt sind, aber keiner Partei angehören." Diese Idee ist allerdings auch nicht mehr ganz neu – und hat sich bisher auch nicht als mehrheitsfähig erwiesen.

Auf die Gretchenfrage der Thüringer-CDU – sollen die Christdemokraten mit den Linken angesichts der schwierigen Mehrheitsverhältnisse nun zusammenarbeiten oder nicht – antwortet Vogel mit einem wackeligen Jein, das eher zum Nein tendiert: Die Linken sind für ihn noch die Erben der SED, eine Koalition könne die CDU mit ihnen deshalb nicht eingehen. Einen gemeinsamen Haushalt könne man aber schon aufstellen. Wenn man dem 87-Jährigen so zuhört, stellt sich das Gefühl ein: Die Hängepartie in Thüringen wird wohl noch eine ganze Weile weitergehen.

Und dann wäre da noch Norbert Röttgen

Welchen Bundesvorsitzenden er sich als Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer wünscht? Das verrät Bernhard Vogel nicht. Eine Forderung stellt er jedoch auf: Es müsse jemand werden, der Wahlkampferfahrung habe – und einen Wahlkampf auch schon einmal gewonnen habe. Das ist eine klare Spitze gegen Überraschungsbewerber Norbert Röttgen, der seine Kandidatur am Montag verkündet und für die CDU 2012 die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen vergeigt hat.

Ansonsten kann der abwesende Röttgen sich aber über Komplimente freuen. Journalist Jan Fleischhauer hat durchaus Gefallen an dem wortgewandten Außenpolitiker gefunden – aus einem ungewöhnlichen Grund: "Er sieht so aus, wie die Leute sich einen Kanzler vorstellen." Zum Beispiel mit einem Haarschnitt, der an Helmut Schmidt erinnere. Armin Laschet dagegen habe ein "sehr weiches, verwaschenes Gesicht".

"Spiegel"-Journalistin Melanie Amann allerdings glaubt nicht, dass das reichen wird – und erinnert ebenfalls noch einmal an Röttgens Wahlschlappe: "Er wollte der Kennedy vom Rhein werden mit seinem zugegebenermaßen wirklich schönen Haar. Aber das hat nicht geklappt."

Im Ernst? Werden Journalisten jetzt also ins Studio eingeladen, um über Äußerlichkeiten zu urteilen? Allerdings ist es auch ganz angenehm, dass der Ernst in dieser Sendung mal für ein paar Momente zur Seite gelegt wird. Schließlich ist die allgemeine politische Lage derzeit schon ernst genug.

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