Frank Plasberg versammelt zum Start ins Wahljahr die Polit-Prominenz in seiner Talk-Sendung. Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry wettert drastisch gegen die nicht anwesende Kanzlerin Angela Merkel, FDP-Chef Christian Lindner mischt die Runde auf. Es wird teils hysterisch.

Patrick Mayer
Eine Kritik
von Patrick Mayer

Es ist Wahlkampf. Die Bundestagswahl 2017 wirft ihre Schatten voraus, das wird auch beim Polit-Talk "Hart aber fair" am Montagabend klar. Unter dem Thema "Sicherheit, Steuern, Rente – der Wahlcheck 2017!" hat ARD-Moderator Frank Plasberg "vier Fraktionsvorsitzende aus dem Bundestag und zwei Parteivorsitzende" geladen, wie er selbst stolz zu Beginn verkündet.


Rasch wird klar, welche Wählerklientel offenbar alle mit ihren Argumenten gewinnen wollen: die politische Mitte. Die Themen sollen Steuern, Rente und innere Sicherheit sein. Plasberg möchte die Parteien auf ihre Positionen abklopfen, vergisst das Thema Rente quasi aber völlig. Es ist nicht der einzige Makel an diesem Abend. Drastisch wird es, als es um eben besagte innere Sicherheit geht.

Frauke Petry schießt gegen Angela Merkel, CDU und Medien

AfD-Frontfrau Frauke Petry wirft Kanzlerin Angela Merkel, nicht anwesend, eine "Mitverantwortung an den Toten in Berlin" vor. Gemeint ist der terroristische Anschlag am Breitscheidplatz.

Plasberg hatte Petry mit einem Tweet ihres Landessprechers in Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell, konfrontiert, der von "Merkels Toten" geschrieben hatte. 73 Minuten habe es nach dem Attentat in Berlin bis zu diesem Tweet gedauert, erklärt Plasberg.


Petry versucht auszuweichen, schießt gegen die deutschen Medien. In ausländischen Medien seien da schon Fakten zu lesen gewesen, als die deutschen Medien noch hinterherhinkten, meint sie.

Volker Kauder (CDU), Fraktionsvorsitzender der Union im Bundestag, reagiert angegriffen, geht die AfD-Politikerin an: "Ich finde sie unerträglich. Journalisten auszusperren und hier große Reden zu schwingen."

Petry antwortet hysterisch: "Mir tut es weh, dass die Politik ihrer Regierung zu solchen Zuständen in Deutschland geführt hat."

Frank Plasberg verliert die Absicht der Sendung

Zu diesem Zeitpunkt hat Plasberg nicht den Faden, aber die eigentliche Absicht dieser Sendung verloren, denn grundsätzlich sollte es auch mal um andere Themen gehen als nur um Terror und den mutmaßlichen Zusammenhang zu Flüchtlingen. Quantitativ gelingt ihm dieser Ansatz an Redezeit zum Thema Steuern, aber nicht qualitativ.

Was vor allem an den Aussagen der Gäste liegt, die sich offenbar selber noch für den Wahlkampf feinjustieren.

So diskutieren neben Petry und Kauder die Fraktionsvorsitzende von DIE LINKE, Sahra Wagenknecht, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann und der Bundevorsitzende der FDP, Christian Lindner, munter über Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer, Grunderwerbssteuer und vor allem mögliche Steuersenkungen, da Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schließlich einen Haushaltsüberschuss von 6,2 Milliarden Euro habe, wie Plasberg einwirft.

Christian Lindner erinnert mit Aussage an Donald Trump

Vor allem Lindner mischt die Runde auf. Man merkt dem NRW-Landesvorsitzenden der Liberalen an, dass seine Partei zurück in den Bundestag will. So erinnert er zum Beispiel nachdrücklich daran, dass bis 2019 eigentlich der Solidaritätszuschlag abgeschafft werden sollte.

Und er bringt eine Idee in den Raum, die, mit Verlaub, etwas an die Vereinigten Staaten und deren künftigen Präsidenten Donald Trump erinnert: "Wir müssen die Apples, Starbucks und Ikeas dazu bringen, dass sie hier in Deutschland einen Beitrag für das Gemeinwohl leisten", meint der 38-Jährige.

Prompt fragt Plasberg, ob er ausländischen Konzernen die Steuerkette anlegen wolle. Lindner diskutiert eifrig mit Göring-Eckardt – und umgekehrt. "Sie vermissen uns ja richtig im Bundestag, so wie sie sich auf mich einschießen", sagt Lindner.


Göring-Eckardt entgegnet: "Wenn ich was nicht vermisse, sind es Sie im Bundestag." Lindner: "Joschka Fischer hat Steine auf Polizisten geworfen. Ich kann auch so, Frau Göring-Eckardt." Soweit das Scharmützel.

Grünen-Fraktionsvorsitzende bestätigt schwaches Bild ihrer Partei

Ansonsten bestätigt die Grünen-Politikerin das schwache Bild ihrer Partei der vergangenen Monate, zumindest auf Bundesebene. Sie schlingert in ihrer Argumentation und will sich kaum auf eindeutige Antworten festlegen. Da tickt Wagenknecht schon anders, erst recht, als sie mit dem polarisierenden Vergleich von CDU-Generalsekretär Peter Tauber konfrontiert wird.

Tauber hatte Wagenknecht und Petry in einem Interview mit der "Bild am Sonntag" "das doppelte Lottchen des Populismus" genannt. Kauder findet den Vergleich von Parteifreund Tauber auf eine Frage Plasbergs hin witzig, Wagenknecht das aber umso weniger. Wagenknecht: "Das ist eine Ungeheuerlichkeit, eine Unverschämtheit, mich in eine solche Ecke zu stellen."

Als Plasberg sie auf die Verneinung der Abschiebehaft durch die Rot-Rot-Grüne-Koalition in Berlin anspricht, ist sie schließlich richtig bedient. Der Zuseher auch. Denn: Bis auf Eitelkeiten und unterschiedlichste zusammengerührte Themen bekommt dieser viele schwammige Ideen präsentiert, aber kaum greifbare Lösungsvorschläge - von allen nicht.