"Impfen ist kein Hexenwerk", erklärt Eckart von Hirschhausen am Montagabend bei "Hart, aber fair" - meint damit aber leider nur den eigentlichen Impfvorgang. Denn auch wenn es nun einen Impfplan geben soll, zeigte die Runde bei Frank Plasberg: Der Teufel steckt nicht nur im Detail, sondern vor allem im großen Ganzen.

Der Impfgipfel am Montag sollte Klarheit bringen, wie es mit dem Impfen in Deutschland weitergeht und tatsächlich hält Kanzlerin Merkel daran fest, jedem ein Impfangebot bis Ende des Sommers machen zu können – wenn alles gut läuft.

Dass beim Impfen bisher etwas nicht gut gelaufen ist, dürfte alleine die Tatsache beweisen, dass es überhaupt einen solchen Impfgipfel geben musste. Deshalb fragte Frank Plasberg bei "Hart, aber fair" pünktlich zum Impfgipfel: "Zu wenig, zu langsam, zu kompliziert: Scheitert Deutschland am Impfen?"

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Mit diesen Gästen diskutierte Frank Plasberg:

  • Karl-Josef Laumann (CDU), Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen
  • Eckart von Hirschhausen, Arzt und TV-Unterhalter
  • Franz Müntefering (SPD), Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO)
  • Lisa Federle, Pandemiebeauftragte in Tübingen
  • Anette Dowideit, Ressortleiterin "Investigativteam 'Welt am Sonntag'"
  • Han Steutel, Präsident des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa), (zugeschaltet)

Darüber diskutierte die Runde bei "Hart, aber fair":

Dass die Frage, wie der Impfstart gelaufen ist, auch ein bisschen Ansichtssache ist, zeigten die ersten Statements von Plasbergs Gästen. So lässt Lisa Federle an der bisherigen Organisation kein gutes Haar: "Bei uns ist es schon ein ziemliches Desaster", erklärt Federle und bemängelt vor allem den fehlenden Impfstoff.

Anette Dowideit stößt in ein ähnliches Horn und sagt: "Es gibt einige Länder, bei denen wir uns was abgucken können." Unter anderem die deutsche Bürokratie habe zu "chaotischen Zuständen" geführt.

Eine minimal positivere Sicht hat Eckart von Hirschhausen. Der Arzt freut sich erst einmal über die Geschwindigkeit, in der Impfstoffen gefunden wurden, hat aber gleichzeitig mahnende Worte: "Es ist erst vorbei, wenn 75 Prozent der Weltbevölkerung geimpft sind."

Karl-Josef Laumann ärgert sich ebenfalls über die Terminvergabe, gerade bei Älteren. Gleichzeitig habe man in NRW aber weit über eine halbe Million Termine vergeben.

Die Erkenntnis des Abends:

Frank Plasberg und seine Gäste hatten ganze Kataloge an Beispielen, wo die Impfkampagne in der Praxis knarzt. Bei der Konzentration auf die digitale Vergabe, die ältere Menschen vor Probleme stellt, beim Transport zu Impfzentren, bei Menschen, die zu Hause pflegen, und so weiter. Vor allem den Sommer habe man für eine bessere Vorbereitung verschlafen.

Franz Müntefering ärgert sich ebenfalls über den holprigen Start: "Wie man das Impfen so in den Sand setzen kann, ist mir schleierhaft." Gleichzeitig müsse man nun aber die Aufarbeitung auf danach verschieben und sich darauf konzentrieren, die Geschwindigkeit drastisch zu erhöhen, damit man das Jahr 2021 zum "Jahr der Impfung" machen könne.

Es war also eine Mischung aus Frust, sachlicher Analyse und der Begründung, warum manches in Deutschland so abläuft, wie es abläuft. Ein Blick auf die Details, aus dem man lernen kann. Gleichzeitig brachte Franz Müntefering das Kernproblem auf den Punkt: "Wir haben das Kuriosum: Die Impfzentren stehen alle, die Leute sind alle da. Es müsste nur das Zeug kommen."

Die Prognose des Abends:

Han Steutel bekam an diesem Abend die Rolle des Buhmanns und des Hoffnungsträgers zugewiesen. Steutel, der beim Gipfel dabei war, rechtfertigte sich, "dass es doch nicht auf Knopfdruck geht". Gleichzeitig konnte Plasberg dem vfa-Präsidenten eine Prognose abringen.

"Unsere Annahme ist, dass wir die Produktion weiter hochfahren können bei den zugelassenen (Impfstoffen) und dass die neuen dazukommen und dann sollten wir am Ende des zweiten Quartals sehr gut bevorratet sein."

"Hart, aber fair": Die unbeantwortete Frage des Abends:

"Wie kann man's besser machen?", fragte Frank Plasberg rhetorisch in Bezug auf die Terminvergabe und brachte die automatische Einladung zur Brustkrebsvorsorge inklusive konkretem Terminvorschlag auf den Tisch, die bereits in Deutschland Anwendung findet. "Warum machen wir es nicht so?", fragt Plasberg die Runde.

"Toller Vorschlag", erklärt von Hirschhausen und Laumann antwortet: "Die Frage stelle ich mir seit einer Woche auch: Warum haben wir die Termine nicht zugewiesen? (…) Wahrscheinlich wäre der Ärger nicht größer."

So schlug sich Frank Plasberg:

Frank Plasberg ist kein Freund davon, wenn seine Gäste zu sehr ins Detail gehen und von seinem Themenplan abweichen – zumindest nicht, wenn er nicht sein Okay dazu gegeben hat. Und so fuhr der Moderator dann auch höflich dazwischen, als Anette Dowideit sich in Einzelfällen zu verlieren drohte.

An anderer Stelle wiederum ließ Plasberg einfach laufen und tat vermutlich gut daran, denn so kam am Ende ein gutes Bild heraus, woran es aktuell hapert – im Großen und im Kleinen.

Das Fazit:

Es war eine sehr detaillierte Diskussion, die den Finger in die Wunde legte, dass nicht genügend Impfstoff vorhanden ist, sich aber auch die Zeit nahm, die Impf-Probleme aus der Praxis unter die Lupe zu nehmen.

Insbesondere der genauere Blick nach Israel, das immer als gutes Beispiel für schnelles Impfen hochgehalten wird, lohnte sich für die Erkenntnis, dass alles seinen Preis hat – auch in einer Pandemie.

Israel, so zeigt es ein Einspieler, habe zwar eine höhere Impfgeschwindigkeit, dafür habe das Land aber auch einen höheren Preis gezahlt, gebe anonymisierte Patientendaten an den Hersteller Biontec/Pfizer weiter und habe die Produkthaftung übernommen. Informationen, die zum ständigen Vergleich dazugehören. Es wäre interessant gewesen, wenn man diese Diskussion in der EU offen geführt hätte.