• In der Talkrunde von Frank Plasberg dominieren Erschöpfung und Perspektivlosigkeit.
  • An Bundesarbeitsminister Hubertus Heil ergeht stellvertrend für die Politik der Vorwurf, die Corona-Maßnahmen schlecht zu kommunizieren.
  • Schriftsteller Jan Weiler kritisiert, dass Hass-Botschaften in der Sendung ein zu großes Publikum erhalten - und eine Ärztin muss sich für ihre akkurate Frisur rechtfertigen.
Fabian Busch.
Eine Kritik
von Fabian Busch

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Deutschland ist Corona-müde. Das ist nichts Neues, doch am Montagabend hat diese Müdigkeit in besonderem Maße auch Frank Plasbergs Talkrunde bei "Hart aber fair" erfasst.

Gefühlt ist es Sendung Nummer 2.351, die sich mit dem Coronavirus und seinen Folgen befasst. Eine muntere Psychologie-Professorin versucht zwar, auf die positiven Entwicklungen der vergangenen Wochen hinzuweisen. Doch es überwiegen: Erschöpfung, Ratlosigkeit, Perspektivlosigkeit.

Das sind die Gäste bei "Hart aber fair"

  • Carola Holzner: Sie habe sich am Anfang dieser Pandemie nicht vorstellen können, was auf uns zukommt sagt die Bloggerin und Notfallmedizinerin. Jetzt müsse jeder bei der Bekämpfung mithelfen: "Das Zaubermittel haben wir nicht. Es ist umso wichtiger zu sagen: Haltet euch an die Maßnahmen und steckt euch nicht an!"
  • Monika Sieverding: Die Gesundheitspsychologin der Universität Heidelberg ärgert sich über die nächtliche Ausgangssperre, die derzeit in Baden-Württemberg. Dabei will sie doch eigentlich für eine optimistische Sicht auf die Dinge sorgen - zum Beispiel, dass in Rekordzeit eine Impfung entwickelt wurde. "Man konzentriert sich leider in den Medien immer noch stark auf die negativen Meldungen."
  • Kirstin Vietze: Sie schlafe "jetzt doch immer schlechter", sagt die Friseurin aus Berlin, deren Betrieb schon seit 108 Jahren in Familienbesitz ist. "Wenn man in der Friseurbranche 30 Prozent weniger Umsatz hat, ist man eigentlich schon tot." Für die Planbarkeit müsse sie jetzt dringend wissen, wie es weitergeht.
  • Jan Weiler: Der Schriftsteller zeigt Sympathie für den Vorschlag, das öffentliche Leben inklusive Kitas, Büros und öffentlichem Nahverkehr konsequent komplett für ein paar Wochen herunterzufahren, statt den Teil-Lockdown immer weiter fortzusetzen. "Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich sagen: Wir machen den Laden dicht für zwei, drei Wochen – und alles gilt für alle, völlig unterschiedslos. Und dann sehen wir weiter."
  • Hubertus Heil: Der Bundesminister für Arbeit und Soziales (SPD) spricht sich gegen diese No-COVID-Strategie aus: Ohne Notbetrieb in Kitas etwa seien das Gesundheitssystem, aber auch Supermärkte und öffentliche Verwaltung nicht aufrecht zu erhalten. "Vielleicht sorgen wir erstmal dafür, dass bestehende Einschränkungen auch ausgeschöpft werden."

Das ist das Rededuell des Abends

Zum Streiten kann sich niemand so richtig aufraffen. Doch Holzner versucht doch einen Frontalangriff auf die Politik: "Was ich feststelle: Die Leute sind nicht informiert. Keiner weiß mehr, wie viele Leute dürfen sich wann mit wem treffen, warum ist das zu, warum ist das auf?" Ihr fehle in diesem ganzen Management die Kommunikation. "Jedes Bundesland macht es anders."

Die Antwort von Heil, der an diesem Abend praktisch die gesamte politische Klasse vertritt, kommt mit Verspätung: Jeder gebe sein Bestes, die Politik sei aber auch immer auf den Rat von Experten angewiesen, sagt er. Und die sind sich bekanntlich auch nicht immer einig. "Ich will ein bisschen dafür werben, dass es auch für die politischen Entscheidungsträger, die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, keinen Bauplan, keine absolute Gewissheit gibt."

Das ist der Moment des Abends

Weiler hält sich in dieser Sendung eher vornehm zurück. Im späteren Verlauf landet er dann aber einen Treffer – ausgerechnet gegen die Gastgeber. Im Einspielfilm wurden gerade Hass-Nachrichten vorgelesen, die Holzner in den sozialen Medien erhalten hat.

Sie wurde darin unter anderem als "Stück Sch…" beschimpft – und Weiler stellt die berechtigte Frage, warum solche Äußerungen auch noch im Fernsehen ein Millionenpublikum bekommen. "Ich finde, dass man solche Leute in Sendungen wie hier gar nicht zitieren sollte. Die haben in einem vernünftigen, zivilisierten Gespräch zu diesem Thema überhaupt nichts verloren."

Da kommt selbst der schlagfertige Plasberg ins Stocken und erklärt, man wolle sich ja keine Zensur vorwerfen lassen. "Ha ja, es gibt aber auch Leute, die glauben, dass Elvis noch lebt", kontert Weiler und bleibt dabei: "Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür."

Das ist das Ergebnis

Der Corona-Blues hat wie erwähnt auch den Fernsehtalk erreicht: Für ein bisschen Humor ist an diesem Abend ebenso wenig Platz für die Suche nach konstruktiven Wegen aus der Krise.

Stattdessen bekommen wir die üblichen Floskeln zu hören ("Corona ist wie ein Brennglas") und stellen mal wieder fest, dass wir mit dieser Situation wohl noch leben müssen - wie lange auch immer. "Das Virus ist total ungerecht", stellt Heil klar.

Hoch anzurechnen ist den Gästen allerdings, dass sie sehr duldsam mit dem Moderator umgehen: Plasberg hat an diesem Abend offenbar besondere Lust daran, die Leute zu unterbrechen, wenn sie gerade einen Gedanken formulieren wollen. Das kann einem durchaus auf die Nerven gehen.

Da das Wort "Frust" im Wörterbuch nicht allzu weit von "Frisur" entfernt ist, geht es am Ende auch noch um Haare. Zahlreiche Fußball-Profis müssen sich derzeit fragen lassen, wer ihnen eigentlich die Schläfen so schön kurzrasiert - schließlich dürfen Friseure derzeit ja nicht ihrer Arbeit nachgehen.

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Und da die Stimmung gerade so aufgeladen ist, reicht Plasberg diese Unterstellung auch gleich noch an einen Gast weiter: Schließlich sieht die Frisur von Ärztin Holzner auch verdächtig akkurat aus. Hat sie sich etwas die Haare schneiden lassen?

Holzner muss daraufhin "Stein und Bein" schwören, dass sie nicht beim Friseur war. "Ich stehe tatsächlich selber mit der Schere da." Einen fernsehtauglichen Schnitt bekommt man also auch selbst hin. Das ist dann immerhin noch eine positive Nachricht - wenn auch nicht für die Friseure.