Am und um den 11. November feiern Kinder im ganzen Bundesgebiet das Fest des heiligen Martin. Das könnte sich künftig ändern, denn die Linke in Nordrhein-Westfalen möchte – aus Rücksicht auf Muslime – daraus ein konfessionsneutrales "Sonne-Mond-und-Sterne-Fest" machen. Wir beleuchten die Diskussion um political correctness in der Sprache.

Der heilige Martin war römischer Soldat und lebte im vierten Jahrhundert in Frankreich. Laut Legende teilte er seinen Soldatenmantel mit einem frierenden Bettler und wurde so zum Inbegriff für Barmherzigkeit und Mitgefühl. Sein Namenstag wird seit Generationen in Deutschland und teilweise auch deutschsprachigen Gebieten etwa Österreich, Schweiz und auch Südtirol mit einem Laternenumzug der Kinder gefeiert.

Dem Landesvorsitzenden der Linken in Nordrhein-Westfalen, Rüdiger Sagel, ist die Tradition offenbar zu christlich. Gegenüber der "Rheinischen Post" schlug er eine Umbenennung in "Sonne-Mond-und-Sterne-Fest" vor. "In vielen NRW-Kitas gibt es einen hohen Anteil von muslimischen Kindern. Ihnen sollte man die christliche Tradition nicht aufdrängen", begründete er.

Dem folgte vor allem aus kirchlichen Kreisen eine heftige Diskussion, woraufhin Sagel in einer Pressemitteilung zurückruderte. "Einige meiner Aussagen sind offensichtlich oder absichtlich missinterpretiert worden", schrieb er. Wenn sich davon jemand betroffen fühlen sollte, tue ihm dies leid. "Die Botschaft des katholischen Heiligen Martin, den Mantel zu teilen und den Armen zu helfen, ist auch ein zentraler Bestandteil unserer Politik", stellte Sagel klar.

Wenn Kinderbücher politisch inkorrekt sind

Das Thema hat eine neue Diskussion über political correctness in der Sprache entfacht. Erster großer Auslöser der Debatte waren Anfang des Jahres Sprachkorrekturen in Kinderbüchern. Auf Betreiben des Verlags verschwanden in "Der kleinen Hexe" von Ottfried Preußler die Begriffe Türke, Chinesenmädchen und Neger, der "Negerkönig" in Pippi Langstrumpf verwandelte sich in einen "Südseekönig".

Im August meldete dann die "Hannoversche Neue Presse", dass das örtliche "Forum für Sinti und Roma" in einem Brief an die Hersteller die Abschaffung der "Zigeunersoße" verlangte. Was prompt darin gipfelte, dass in der Rathauskantine und im Congress-Centrum der niedersächsischen Landeshauptstadt nun auch kein "Zigeunerschnitzel" mehr auf der Speisekarte zu finden ist. Ebenso auf der Liste der bedrohten Begriffe steht folglich der "Negerkuss" oder "Mohrenkopf" (politisch korrekt Schaumkuss) und auch der Mohr an sich in Heinrich Hoffmanns "Struwwelpeter". Und aus dem "Eskimo" (wörtlich übersetzt "Rohfleischesser") soll nach Ansicht vieler Zeitgenossen ein "Inuk" werden.

"Worte können nicht beleidigen"

Der Geschäftsführer des Vereins Deutsche Sprache Holger Klatte bewertet die aktuellen Debatten als "etwas übereifrig". Er erinnert daran, dass Namen und Worte innerhalb einer Sprache geprägt sind von Traditionen, die sich über einen langen Zeitraum entwickelt haben. "Worte selber können nicht beleidigen und wir schaffen Rassismus nicht ab, indem wir sie verbieten", unterstreicht der Sprachwissenschaftler auf Anfrage unseres Portals.

Der Begriff "Mohrenkopf" leite sich etwa ab vom griechischen mauros ("dunkel"), wonach auch die Insel Mauritius benannt sei. "Wenn wir da ganz politisch korrekt rangehen würden, bekämen wir große Probleme", gibt er zu bedenken. Speziell die Kritik am Zigeunerschnitzel hält er für überzogen: "Ich glaube nicht, dass jemand, der ein Zigeunerschnitzel bestellt, damit im Kopf die Volksgruppe der Sinti und Roma hat. Der denkt eher an sein Mittagessen." Man dürfe mit diesem Begriff nicht automatisch Rassismus verbinden. "Das ist ein großer Fehler und auch eine große Gefahr dabei", fügt er an. Sicherlich werde der Begriff auch im nächsten Duden noch auftauchen, allerdings möglicherweise mit dem Hinweis, dass der Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch teilweise als beleidigend empfunden wird.

Laut dem Experten sind die Deutschen mit der Suche nach der politisch korrekten Sprache übrigens keinesfalls alleine. Ähnliche Entwicklungen gebe es abgesehen vom Ursprung der political correctness in den USA etwa auch in Frankreich.

Der Kabarettist Dieter Nuhr wirft im Zusammenhang mit der Diskussion um St. Martin in einem Twitter-Beitrag übrigens gleich die nächste Frage politischer Korrektheit auf: "St. Martin abschaffen wg. unserer Muslime. Wird Weihnachten jetzt Tag der Arbeit? Jesus war Handwerker!"