Beim Besuch der Ausbildung ukrainischer Truppen in Sachsen-Anhalt sicherte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius der Ukraine langfristige Hilfe zu.

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Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat gemeinsam mit seinem dänischen Amtskollegen Troels Lund Poulsen die Ausbildung ukrainischer Soldaten besucht und dauerhafte Unterstützung zugesagt. "Ich bleibe dabei und sage es immer wieder aus tiefster Überzeugung: Wir werden die Ukraine unterstützen, mit allem, was möglich ist – as long as it takes", sagte Pistorius am Freitag bei dem Besuch im Norden Sachsen-Anhalts. Dänen und Deutsche bilden dort ukrainische Soldaten an Leopard 1 A5 Kampfpanzern aus.

Diese lernen, das Waffensystem zu benutzen und im Feld instand zu setzen. Pistorius sagte, die Ausbildung geschehe mit Leidenschaft und Herzblut – "für etwas, was für unsere Lebenswirklichkeit bislang sehr fremd war, nämlich einen unmittelbaren Einsatz, mit dem, was sie hier lernen, auf dem Schlachtfeld". Das beeinflusse sehr wohl auch das Denken der Kameradinnen und Kameraden. Die Ausbildung sei ein Beispiel für Unterstützung im multinationalen Rahmen und auch für die Zusammenarbeit von Streitkräften und der Industrie.

Pistorius und Poulsen besuchen Ausbildungsstätte ukrainischer Soldaten

"Gemeinsam mit Dänemark und den Niederlanden finanziert Deutschland die Instandsetzung von rund 100 Leopard 1 A5 aus den Beständen der Industrie", sagte der Minister. Experten des Heeres zufolge bedeute das eine beachtliche Kampfkraft. Es sei ein weiteres Signal der Geschlossenheit in der Unterstützung für die Ukraine gegen den russischen Aggressor. "Dabei wird und muss es auch in Zukunft bleiben", so Pistorius weiter. Der dänische Verteidigungsminister Lund Poulsen sagte, er hoffe in weiteren Bereichen auf gemeinsame Unterstützung für die Ukraine.

An weiteren Ausbildungsgängen würden sich auch die Niederlande beteiligen, sagte der Minister. Im Norden Sachsen-Anhalts werde dann auch die Ausbildung am Schützenpanzer Marder folgen. Geplant seien auch Ausbildungen, etwa für den Häuserkampf und die Pionierausbildung.

Der Ausbildungshub Nord ist die zentrale Drehscheibe der von Brüssel geführten europäischen Mission zur Ausbildung ukrainischer Soldaten (EUMAM UA) in Deutschland. Hier konzentriert sich ein Großteil der Trainings. Bislang wurden den Angaben zufolge mehr als 3.000 ukrainische Soldatinnen und Soldaten ausgebildet. Bis Ende des Jahres soll die Zahl der Ausgebildeten auf bis zu 9.000 anwachsen.

Bei einem Besuch von Medienvertretern bei der Ausbildung trugen die Soldaten Schlauchschals, um nicht erkennbar zu sein. Sie übten etwa, die Ketten und Kettenräder vom Panzer zu lösen, reinigten die Panzerrohre samt Optik. Sie sollen sich bei Problemen mit den Kampfpanzern im Feld schnell selbst helfen können.

Ukrainischer Soldat fühlt sich wohl in Deutschland

Ein ukrainischer Soldat, der eigenen Angaben zufolge seit 24. Februar vergangenen Jahres im Einsatz ist, sagte: "Es ist für uns sehr ungewöhnlich, diese Ruhe hier, diese Stille. Wir waren am Anfang auch ein bisschen nervös. Aber dank dem guten und netten Umgang mit uns funktioniert hier alles gut und wir fühlen uns wohl", sagte er laut Übersetzung.

An welchen Frontabschnitt er nach der mehrwöchigen Ausbildung in Deutschland gehen werde, wisse er noch nicht. "Wir sind bereit, überall zu arbeiten, um unser Land zu verteidigen." Er habe Kiew verteidigt und in Bachmut gekämpft. Er glaube, dass die Kampfpanzer einen Unterschied machten an der Front. Er mache hier seine ersten Erfahrungen mit den westlichen Panzern. Als Vorteil des Leopard 1 A5 hob der Soldat die hohe Mobilität und die Zielgenauigkeit der Waffe hervor.

Zudem verfügten die Kampfpanzer über Nachtsichtgeräte, betonte der Kommandeur der Deutschen Anteile am Multinationalen Korps, Generalleutnant Andreas Marlow. Diese Wärmebildkameras seien etwas, "wo die Russen schwach sind". Die Leopard-Panzer seien zwar alt, aber "absolut hinreichend" angesichts der Bedingungen in der Ukraine. Ein Landmaschinenschlosser könne mit ihnen etwas anfangen, bei moderneren Panzern seien Ingenieure nötig. (dpa/the)

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