Pastor, DDR-Kritiker, Bundespräsident: Die Stationen im Leben von Joachim Gauck

Er ist Theologe, ehemaliger Regime-Kritiker und parteiloser Politiker: Joachim Gauck kann auf viele bedeutsame Stationen in seinem Leben zurückblicken. Seine wohl wichtigste war die als elfter Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland von 2012 bis 2017. Am Freitag wird Gauck 80 Jahre alt. © spot on news

Geboren wurde Joachim Gauck am 24. Januar 1940 in Rostock. Sein Vater Wilhelm war Kapitän der Handelsmarine und Oberleutnant zur See der Reserve. Er war zu Kriegszeiten häufig für das Aufspüren von Minen zuständig. Die Mutter Olga war gelernte Bürofachfrau. Gauck wuchs mit drei Geschwistern, Marianne, Sabine und Eckart, auf. Sein Vater kam zum Ende des Zweiten Weltkriegs in britische Kriegsgefangenschaft. Das Bild zeigt Joachim Gauck im Jahr 1992.
Gaucks kritische Haltung zum DDR-Regime geht weit zurück: Im Jahr 1951 wurde sein aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrter Vater unter einem Vorwand von einer Familienfeier abgeholt und war fortan verschwunden. Erst im Herbst 1953 erfuhr die Familie, dass Wilhelm sich in einem sibirischen Arbeitslager befand. 1955 kehrte er extrem geschwächt aus dem Gulag zur Familie zurück. Das Foto zeigt Joachim Gauck 1991.
Nach dem Abitur 1958 begann Gauck ein Theologie-Studium. Seinen eigentlichen Berufswunsch des Journalisten gab er zuvor auf, da er ihn nicht unter DDR-Bedingungen verfolgen wollte. Vor dem Bau der Berliner Mauer reiste Gauck mehrmals in den Westen, besuchte unter anderem Paris und radelte durch Schleswig-Holstein. Das Foto zeigt ihn im Jahr 1992.
1959 heiratete der Student seine Schulfreundin Gerhild Radtke, in den Folgejahren brachte sie vier Kinder zur Welt. Ab 1967 arbeite Gauck als Pastor in Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern. Ab 1974 beobachteten Stasi-Mitarbeiter seine Aktivitäten, da sich Gauck einem inoffiziellen Stasi-Mitarbeiter gegenüber sowie in Predigten regimekritisch geäußert hatte. Foto: Joachim Gauck im Jahr 1991.
Die Bezeichnung Joachim Gaucks als "Bürgerrechtler" ist umstritten. Gegner behaupten, er sei in der Opposition und Friedensbewegung nicht stark genug in Erscheinung getreten, Befürworter argumentieren, alle Widerständler gegen das SED-Regime seien Bürgerrechtler gewesen. Bei der letzten Wahl zur Volkskammer 1990 wurde Gauck im Bezirk Rostock für das Neue Forum (NF) gewählt. Das Foto zeigt ihn bei der Arbeit mit Wolfgang Ullmann in Ost-Berlin 1990.
Bereits als Abgeordneter beschäftigte er sich vorrangig mit der Rolle des Staatssicherheitsdienstes in der DDR und wurde Sonderbeauftragter für die personenbezogenen Unterlagen der Stasi. Seine Arbeit führte Gauck auch nach der Wiedervereinigung bis ins Jahr 2000 fort. Kritisiert wurde die Entscheidung der "Gauck-Behörde", ehemalige Stasi-Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. Das Foto zeigt Gauck 1996 im behördlichen Archiv.
Nach seiner zweiten Amtszeit als Sonderbeauftragter der Bundesregierung widmete Gauck sich zuerst journalistischen Tätigkeiten. 2001 moderierte er seine eigene Talk-Show in der ARD (Foto: mit Angela Merkel). Außerdem trat er als Redner und Diskussionsteilnehmer auf und wurde Mitglied und Vorsitzender unterschiedlicher Vereine, die sich mehrheitlich mit der Aufarbeitung von Geschichte beschäftigen.
2009 stellte Joachim Gauck seine Biografie "Winter im Sommer / Frühling im Herbst" auf der Frankfurter Buchmesse vor (Foto). Privat lebte er bereits seit 1991 von seiner Frau getrennt, die Ehe wurde allerdings nie geschieden. Von 1990 bis 1998 war Gauck mit der "Zeit"-Journalistin Helga Hirsch liiert, seit dem Jahrtausendwechsel ist Daniela Schadt die Frau an seiner Seite, ebenfalls eine Journalistin.
Nachdem er bei der Wahl zum Bundespräsidenten im Jahr 2010 (Foto) seinem Konkurrenten Christian Wulff unterlag, rückte Joachim Gauck zwei Jahre später nach dessen Rücktritt erneut ins Zentrum des politischen Geschehens. SPD und Bündnis 90/Grüne sowie FDP und später auch die CDU/CSU einigten sich auf ihn als gemeinsamen Kandidaten. Am 18. März 2012 wurde er offiziell zum elften Bundespräsidenten gewählt.
Bundespräsident Gauck im Oktober 2014 während der Festlichkeiten zum 25. Jubiläum der Massenproteste, die den Zerfall des kommunistischen Regimes in der DDR zur Folge hatten. Auf dem Foto zu sehen (von links): Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger, der frühere deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Gauck und Ex-US-Außenminister James Baker.
Im März 2017 wurde Gauck mit einem Großen Zapfenstreichs in Berlin als Bundespräsident verabschiedet. Knapp ein Jahr zuvor hatte er angekündigt, nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Das Bild zeigt ihn mit der ehemaligen Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (l.) und General Volker Wieker (r.) bei seiner Verabschiedung im Park von Schloss Bellevue.
Nach dem Ende seiner Amtszeit kam es mehrmals zu Kontroversen. So berichtete der "Spiegel" 2017 von ausufernden Kosten für Personal und Möblierung, die Joachim Gauck als Altbundespräsident verursache. Außerdem sorgte seine Forderung nach einer "erweiterten Toleranz in Richtung rechts" in einem "Spiegel"-Interview 2019 für Furore. Das Foto zeigt ihn im April 2017, als er und Daniela Schadt in der Bahnhofsmission am Berliner Bahnhof Zoo aushalfen.
Als Altbundespräsident nimmt Joachim Gauck weiterhin an öffentlichen Veranstaltungen von bundesweitem Interesse teil, hier am ökumenischen Gottesdienst anlässlich des Tags der Deutschen Einheit im Berliner Dom im Oktober 2018. Das Bild zeigt ihn mit der Holocaustüberlebenden Margot Friedlander.
Auf der Frankfurter Buchmesse 2019 stellte Gauck sein aktuelles Buch "Toleranz: einfach schwer" vor (Foto). Im November desselben Jahres erhielt er zudem den Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises für sein Lebenswerk, das laut der vergebenden Stiftung mit den "Werten der Demokratie, der Toleranz und sozialer Nachhaltigkeit" verbunden ist.