Mit Annegret Kramp-Karrenbauer hat es wieder eine Frau an die Spitze der CDU geschafft. Der männlichen Dominanz in der Partei tut das jedoch keine Abbruch. Zudem werden die Mitglieder im Durchschnitt immer älter - und weniger obendrein. Doch mit diesem Problem kämpft die CDU nicht alleine.

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Die CDU-Spitze will ihre Parteiarbeit modernisieren und so den Trend zu Überalterung und männlicher Dominanz brechen.

"Wir müssen mehr auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf achten, damit die Parteiarbeit attraktiver für weibliche Mitglieder wird", sagte der CDU-Mitgliederbeauftragte Henning Otte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Die CDU müsse verstärkt auch auf ihre Formate schauen: "Ein ansprechendes Umfeld mit einem vielfältigen Themenkatalog wird bei Frauen positiver aufgenommen als eine Frontal-Veranstaltung mit politischen Berichten, ohne die Möglichkeit, kommunikativ zu arbeiten."

CDU kämpft mit sinkenden Mitgliederzahlen

Die CDU kämpft mit sinkenden Mitgliederzahlen, einem steigenden Durchschnittsalter und einer - gemessen an der Bevölkerung - geringen Frauenquote. So war die Mitgliederzahl von knapp 426.000 im Jahr 2017 auf rund 415.000 im vergangenen Jahr geschrumpft.

Dies ist auch der Stand im Januar 2019. Der Frauenanteil beträgt aktuell 26,4 Prozent. Das Durchschnittsalter liegt seit 2015 kontinuierlich bei mehr als 60 Jahren - aktuell beträgt es 60,35 Jahre. Das ist laut Otte eine "Herausforderung, vor der andere Parteien jedoch auch stehen".

Situation in anderen Parteien kaum besser

Dies bestätigt eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den Zentralen der anderen Bundestagsparteien. Allerdings gibt es von Partei zu Partei deutliche Unterschiede.

SPD: Das Durchschnittsalter der 437.754 Mitglieder (Stand: 31. Dezember 2018) beträgt nach Angaben eines SPD-Sprechers 60 Jahre. Nur 13 Prozent der Mitglieder sind demnach jünger als 35 Jahre, 56 Prozent aber sind 60 Jahre und älter. Wie die CDU verzeichnet auch die SPD einen steigenden Frauenanteil - Ende 2018 lag er bei 32,6 Prozent.

FDP: Die Liberalen zählen derzeit (Stand: 31. März 2019) 64.804 Mitglieder. Das Durchschnittsalter liegt nach Parteiangaben bei 52,28 Jahren, die Ü-60-Generation macht ziemlich genau 35 Prozent aus. Mit 21,6 Prozent ist der Frauenanteil besonders klein.

GRÜNE: Die Grünen vermeldeten Ende März 2019 einen Rekord von 77.777 Mitgliedern. Und es treten nach Angaben der Parteiführung täglich weiter Menschen ein. Ende 2018 lag der Altersdurchschnitt bei 49,0 Jahren, der Frauenanteil bei 40,5 Prozent. Im vergangenen Jahr wurde die Partei jünger und weiblicher: Die Neueintritte waren zu 43,2 Prozent Frauen und im Schnitt 41,0 Jahre alt.

LINKE: Die Linke zählt derzeit (Stand: 31. März 2019) 61.566 Anhänger in ihren Reihen. Das Durchschnittsalter liegt nach Parteiangaben bei 55,02 Jahren, der Frauenanteil beträgt 36,4 Prozent. Der Anteil der unter 40-jährigen Mitglieder macht 30 Prozent aus, der Anteil der 60- bis 75-Jährigen 25 Prozent.

AFD: Einen Mitgliederzuwachs verzeichnete im vergangenen Jahr auch die AfD. Es kamen nach Angaben eines Sprechers rund 6.000 Menschen neu in die Partei, die damit aktuell auf rund 34.200 Mitglieder kommt. Von ihnen sind 14 Prozent bis 35 Jahre alt, 64 Prozent bis 65 und 22 Prozent über 65 Jahre alt. Einen Altersdurchschnitt nannte die Partei nicht, aber den Frauenanteil: Dieser ist mit 17,4 Prozent extrem niedrig.

CSU: Die CSU verzeichnet in diesem Jahr nach eigenen Angaben schon mehr als 1.000 Eintritte - und zählt momentan rund 139.000 Mitglieder. Nur 21 Prozent sind Frauen. Zum Altersdurchschnitt macht die Partei keine Angaben.

Mehr Frauen ja - aber keine Quote

Auf die Frage, was er von einer verpflichtenden Frauenquote halte, zeigte sich der CDU-Mitgliederbeauftragte Otte zurückhaltend. Die CDU sei "geprägt vom freiwilligen Engagement. Wir überprüfen uns jedoch, ob diese Methoden auch wirksam sind".

Nach einem Parteitagsbeschluss gilt ein Frauenquorum. Demnach sollen Frauen an Parteiämtern und an öffentlichen Mandaten mindestens zu einem Drittel beteiligt sein. So soll bei Kandidatenaufstellungen für Parlamentswahlen mindestens ein Drittel der zu wählenden Kandidaten Frauen sein.

Gerade Frauen stünden "vor größeren Herausforderungen mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf", sagte Otte. Aber gerade die CDU könne hier sehr gute Beispiele vorweisen, ob mit Kanzlerin Angela Merkel, der neuen Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer oder Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

"Wir haben den Anspruch, noch mehr Frauen in die Führungsetagen zu bringen. Das muss wachsen. Aber die Trendwende ist längst da."

Trotz bisher vergeblicher Bemühungen, den bei ihr ebenfalls niedrigen Frauenanteil zu erhöhen, lehnt auch die FDP eine feste Quote ab. Um für Frauen attraktiver zu werden, müsse die Parteiarbeit modernisiert werden, sagt die Vorsitzende der Jungen Liberalen, Ria Schröder.

Es sollte mehr Möglichkeiten geben, sich online zu beteiligen. Und es müsse auch nicht immer der "typische Stammtisch jeden Mittwochabend um 20 Uhr in der Kneipe um die Ecke" sein. Für einen Brunch am Wochenende hätten vielleicht auch Mütter Zeit.

Der Politische Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, stellt zufrieden fest: "Obwohl vergleichsweise wenige junge Leute in Parteien eintreten, haben wir Grünen einen starken Zuwachs." Viele träten ein, weil ihnen Klimaschutz und eine weltoffene Gesellschaft wichtig seien, sagte Kellner der dpa.

Für CSU-Generalsekretär Markus Blume steht fest: "Die CSU muss jünger, offener, dynamischer und auch weiblicher werden." Man wolle die Menschen wieder neu begeistern. "Dafür werden wir die Partei kräftig durchlüften."

Eine Reformkommission solle bis zum Parteitag im Herbst ein Konzept zur Neuaufstellung vorlegen. (dpa/jwo)  © dpa

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