Über 500 Banken weltweit haben die Dienste der Kanzlei Mossack Fonseca genutzt. Darunter auch mindestens 28 Kreditinstitute aus Deutschland. So reagieren nationale Medien auf die Enthüllung der massenhafte Einrichtung von Briefkastenfirmen.

"Süddeutsche Zeitung": "Das öffentliche Interesse ist hier klar: Die Geheimnisse der 'Panama Papers' müssen ans Licht. Dieses Interesse ist kein voyeuristisches. Aber wenn ein Staat - wie im Fall USA/Snowden - sich mit fortwährendem Rechtsbruch Informationen verschafft oder eine Staatengemeinschaft - wie jetzt im Falle Offshore - nichts oder nicht genug dagegen unternimmt, dass Verbrecher durch Verstöße gegen UN-Sanktionen Kriege finanzieren, dann darf dies nicht verborgen bleiben. "

Die "Panama Papers" der Kanzlei Mossack Fonseca sind eines der größten Datenlecks, das die Finanzwelt bisher gesehen hat. Sie könnten Auslöser für zahlreiche Strafverfahren, Politikerrücktritte und Steuerreformen sein. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

"Tagesspiegel": "Gewiss, schon seit vielen Jahren handeln die OECD-Staaten und die von ihnen abhängigen Steuerfluchtländer immer neue Verträge für Transparenz und Informationsaustausch aus. Doch deren Einhaltung ist nicht mit wirksamen Sanktionen bewehrt, darum ändert sich wenig.

Was zu tun wäre, demonstrierte dagegen unfreiwillig die Deutsche Bank. Es sei ja nicht per se gesetzeswidrig, solche Geschäfte zu betreiben, erklärten die Banker, als herauskam, dass auch sie in Panama beteiligt sind. Wollten die EU-Regierungen tatsächlich gegen Steuerflucht vorgehen, könnten sie genau hier ansetzen.

Sie müssten nur 'Finanzeinlagen zugunsten solcher Unternehmen und Personen bei Strafe verbieten, die rechtlich in Steuer- und Aufsichtsoasen registriert sind', schon wäre der Spuk vorbei. Der Vorschlag kam übrigens von Helmut Schmidt. Auch er wurde nicht erhört."

Viele international bekannte Politiker und Promis rücken durch die Enthüllungen der "Panama Papers" ins Zwielicht. Mit welchen Konsequenzen ist jetzt zu rechnen? Führen Spuren auch nach Deutschland? NDR-Journalist Jan Lukas Strozyk war an den Recherchen beteiligt und sprach mit unserer Redaktion.

"Bild": "Geahnt hat man es, sprachlos macht es trotzdem: Potentaten und Prominente haben sich ihre eigene Welt aus Geld gebaut, aber nicht nur sie. In dieser Welt zählt kaum ein Gesetz und Moral schon gar nicht. Alle ehrlichen Steuerzahler sind dabei die Dummen, auch die deutschen. Möglich machen es Kleinstaaten wie Panama, die von ihre Verschwiegenheit und Wegsehen leben.

Andere Staaten oder Organisationen können dagegen nicht viel ausrichten, es fehl der Hebel. Jetzt ist die Aufregung groß. Viel Heuchelei ist auch dabei. Denn gerade die Europäer müssten nur im eigene Hof kehren, -zig Milliarden könnten zusammenkommen: Tricks zur Vermeidung von Steuern bis an die Grenze des Legalen und darüber hinaus - das ist nicht allein die Erfindung irgendwelcher Inseln hinter dem Wind.

In den Niederlanden, Luxemburg oder Irland geht es nicht selten ähnlich zu. Das zu ändern, liegt viel näher als Panama. Dass immer noch nicht viel geschehen ist, bleibt der größte Skandal."

Es ist das größte Datenleck der Geschichte: Die "Panama Papers" offenbaren die Eigentümer von 200.000 Briefkastenfirmen. Unter ihnen finden sich viele sehr prominente Namen. Einige der  Betroffenen reagieren nervös und gereizt - besonders Wladimir Putin.

"Westfälische Nachrichten": "Keine Frage: Die Masse von über elf Millionen Dokumenten auszuwerten, verdient Respekt. Ob sich der Aufwand gelohnt hat, wird sich zeigen. Denn neu ist das alles nicht. Dass der Geld-Adel dazu neigt, seine Steuerlast über Offshore-Konten zu drücken, ist seit Jahren bekannt; ebenso, dass Firmen aus Panama und auf den Britischen Jungferninseln an diesen Konstrukten beteiligt sind.

Die Krux: Eine Briefkastenfirma in einem Übersee-Steuerparadies zu besitzen ist allenfalls unethisch, ungesetzlich ist das nicht. Was fehlt, sind handfeste Nachweise, dass die dort geparkten Milliarden durch schmutzige Geschäfte verdient wurden oder sogar mit Blut befleckt sind."

"Mitteldeutsche Zeitung": "In der Veröffentlichung der 'Panama Papers' lässt sich vieles erkennen - ein Skandal ganz sicher nicht. Denn ein Skandal setzt die Enttäuschung eines allgemein erwarteten moralischen Verhaltens voraus.

Zwar erregte vor einigen Jahren die Nachricht Aufsehen, dass gegen einige hundert Verdächtige wegen Steuerflucht nach Liechtenstein ermittelt werde. Doch das wurde in der Bevölkerung eher als Bestätigung einer schon lange gehegten Vermutung aufgenommen: So machen es alle."

"Allgemeine Zeitung": "Beim Wettlauf um niedrigste Steuersätze und diskreteste Schlupflöcher machen alle mit, Ost wie West, Private wie Firmen. Otto Normalsteuerzahler, der nach diversen sogenannten Finanzkrisen eine Zukunft ohne auskömmliche Rente vor sich sieht, verfolgt dies ohnmächtig und zunehmend wütend. Die Akzeptanz für ein System, das derlei zulässt, schwindet. Auch das haben die jüngsten Wahlen gezeigt."

"Rhein-Neckar-Zeitung": "So provokant das angesichts der weltumspannenden Aufregung rund um die Panama-Papers klingen mag: Es gibt auch ein Recht darauf, Dinge falsch zu machen.

Der Staat soll seinen Bürgern das Verbrechen so schwer wie möglich machen - aber nicht um den Preis der Abschaffung aller Freiheitsrechte. Und zuguterletzt könnte dieser Staat sich auf das Steuermodell von Paul Kirchhoff besinnen: Ein moderater Steuersatz - dafür keine Ausnahmen mehr."

"Nürnberger Zeitung": "Dass sich die Banken - darunter auch die deutschen - an diesem Spiel munter beteiligen und sich dafür gut bezahlen lassen, ist nicht neu. Beunruhigen muss, dass die 'Hilfsangebote' der Finanzinstitute System haben, die kriminelle Energie also institutionalisiert ist.

Alternativen zu den Fluchtrouten der Milliarden sind wahrscheinlich längst ausgetüftelt. Bleibt nur zu hoffen, dass die Enthüllungen zu maximaler Verunsicherung bei den Geldverschiebern führen. Jetzt, da nicht einmal mehr Panama sicher ist."

"Neue Presse": "Auch wenn die Briefkastenfirmen-Besitzer es anders sehen mögen: Sie alle einigt etwas. Die Gier. Die Gier nach Geld, die Gier nach mehr Geld, der Geiz, etwas davon abzugeben, etwa an den heimischen Fiskus. Sprich, an den Staat, für Schulen, Kitas oder Polizistengehälter.

Asoziales Handeln als Geschäftsmodell - das ist es, was Panama Papers ans Tageslicht gebracht hat. Briefkastenfirmen mögen nicht immer und überall strafbar sein, aber sie bedeuten für Menschen ohne Moral mobiles Kapital.

Eigentum verpflichtet sie nicht. Von der Schweiz bis nach Australien, auf den Regierungsbänken in Panama, vor dem Parlamentsgebäude in Reykjavik und auch im französischen Élysée-Palast ist der Teufel los - Präsident Hollande verspricht knallharte Untersuchungen. Warum denn jetzt erst?"