Die alljährliche Generaldebatte der Vereinten Nationen bot Raum für einen ausgiebigen Schlagabtausch zum Atomkonflikt mit Nordkorea. Die wichtigsten Akteure äußerten sich dazu - die Bandbreite reichte von "total zerstören" bis "noch Hoffnung auf Frieden". Fragt sich nur: Kann noch jemand vermitteln zwischen den USA und Nordkorea?

Der Atomkonflikt mit Nordkorea war wie erwartet eines der dominierenden Themen der Generaldebatte der UN-Vollversammlung.

Nordkoreas Raketen- und Atomtests seit Januar 2016.

Die Debatte läuft noch bis Montag, doch die wichtigsten Redner sprachen bereits - und haben weiter an der Eskalationsspirale gedreht.

Gibt es noch jemanden, der die USA und Nordkorea aufhalten kann?

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Trump hielt eine scharfe Rede, brandmarkte das isolierte Regime und drohte ihm mit völliger Zerstörung.

"Wenn (die USA) gezwungen sind, sich selbst oder ihre Verbündeten zu verteidigen, dann haben wir keine Wahl, als Nordkorea total zu zerstören."

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un bezeichnete er als "Raketenmann auf einer Selbstmordmission". Das Atomprogramm des Landes stelle eine Gefahr für die ganze Welt dar.

"Keine Nation der Welt hat ein Interesse daran, dabei zuzusehen, wie diese Bande von Kriminellen sich mit Raketen und Nuklearwaffen ausrüstet", erklärte Trump.

Am Donnerstag haben die USA dann neue Sanktionen gegen Nordkorea beschlossen, am Freitag folgte eine Twitter-Tirade von Trump. "Kim Jong Un, der offensichtlich ein Verrückter ist und dem es nichts ausmacht, seine eigenen Leute verhungern zu lassen, wird geprüft wie niemals zuvor!", schrieb Trump.

Kim Jong-Un reagiert heftig

Staatschef Kim Jong Un blieb der UN-Generaldebatte wie im vergangenen Jahr fern.

Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, gegen Trump zu giften: "Ich werde den geisteskranken, dementen US-Greis gewiss und auf jeden Fall mit Feuer bändigen", zitierte ihn die nordkoreanische Staatsagentur KCNA.

Die Rede des nordkoreanischen Außenminister Ri Yong Ho vor dem UN-Plenum ist für Samstag geplant.

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Er kommentierte die Ansprache von Trump jedoch schon, nannte sie "Hundegebell" und sagte, Trumps Berater täten ihm leid. "Wenn er wirklich dachte, er könne uns mit dem Geräusch von Hundegebell Angst einjagen, ist das der Traum eines Hundes", sagte Ri laut CNN.

Die Wendung "Traum eines Hundes" bedeutet auf Koreanisch etwas Absurdes, das wenig Sinn ergibt.

Später drohte Ri mit einem nie dagewesenen Atom-Test. Beim nächsten Test könne es die "stärkste Explosion einer Wasserstoffbombe" im Pazifischen Ozean geben, wurde er von der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap am Freitag zitiert.

Und was machen die anderen Akteure?

Japan mit ähnlicher Position wie die USA

Wie die USA sieht auch Japan "alle Optionen auf dem Tisch". Der Konflikt sei eine "ernste Bedrohung ohne Beispiel", sagte Ministerpräsident Shinzo Abe.

Nordkorea sei derzeit dabei, "mit einem süffisanten Lächeln" alle Abrüstungsbemühungen der vergangenen Jahre vom Tisch zu wischen. "Es ist eine Krise mit einer komplett neuen Dimension."

Nordkorea müsse dazu gebracht werden, sein Nuklear- und Raketenprogramm komplett und überprüfbar aufzugeben. "Was gebraucht wird, ist nicht Dialog, sondern Druck."

Südkorea will Frieden und könnte vermitteln

Nach den Worten von Präsident Moon Jae In strebt Südkorea ein friedliches Nebeneinander mit seinem Nachbar Nordkorea an. "Wir wünschen keinen Kollaps Nordkoreas."

Südkorea strebe auch keine Wiedervereinigung mit dem kommunistisch regierten Staat durch "künstliche Mittel" oder durch "Verschlucken" an. Seoul und die Weltgemeinschaft unternähmen alles nur mögliche, um den Atomkonflikt mit Pjöngjang friedlich beizulegen.

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Moon rief Nordkorea zu einem Ende der Provokationen auf, um "auf der richtigen Seite der Geschichte" zu stehen. Das Land müsse "sofort aufhören, leichtsinnige Entscheidungen zu treffen, die zur eigenen Isolation und zum Untergang führen könnten."

Die Welt müsse "stark und entschlossen" antworten, bis Nordkorea sein Atomprogramm aufgebe. Moon dankte dem UN-Sicherheitsrat für die jüngste Verschärfung der Sanktionen gegen Pjöngjang. Dies sei ein Zeichen, dass die Weltgemeinschaft "kollektiv empört" sei.

Zwischen beiden Ländern gilt seit Ende des Korea-Krieges (1950-1953) ein Waffenstillstand. Ein Friedensvertrag wurde bis zum heutigen Tag nicht geschlossen.

Auch für China ist Krieg die schlechteste Option

Auch China will Frieden auf der koreanischen Halbinsel, wie Außenminister Wang Yi sagte - und dafür gebe es "noch Hoffnung".

Er forderte Nordkorea allerdings auf, "nicht weiter in die eingeschlagene gefährliche Richtung zu gehen".

China setze sich weiter für eine entnuklearisierte koreanische Halbinsel ein und fordere alle Beteiligten auf, dazu konstruktiv beizutragen. Der einzige Weg zu diesem Ziel sei politischer Dialog.


© dpa