Für die Koreaner geht 2017 ein turbulentes Jahr zu Ende. Vor allem wachsen die Sorgen, dass sich der Atomstreit mit Nordkorea weiter verschärft. Die Aussichten für 2018 sehen nicht gut aus. Es gibt dennoch die Hoffnung auf einen Dialog.

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Bringt 2018 eine Entspannung oder eine weitere Eskalation? Angesichts des verschärften Streits um das nordkoreanische Atomprogramm stellen die Koreaner selbst die Frage nach Krieg und Frieden mittlerweile ganz offen.

Neue Raketen- und Atomtests, neue Sanktionen gegen Pjöngjang und weitere Provokationen: Ein gefährliches Wechselspiel setzte sich 2017 auf der Halbinsel fort. Zudem hat der rhetorische Schlagabtausch zwischen US-Präsident Donald Trump und der Führung in Pjöngjang die Sorgen befeuert.

Die Befürchtung ist groß, der Krieg der Worte könne zu folgenschweren Missverständnissen führen. In die Krisenstimmung mischt sich aber auch die Hoffnung auf einen Dialog.

Winterspiele im Schatten des Atomstreits

Der Atomstreit ist einer der gefährlichsten Konflikte, der die Menschen weltweit in Schrecken versetzt. "Die Gefahr ist real, es kann außer Kontrolle geraten", warnte der Asien-Pazifik-Direktor der mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichneten Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN), Tim Wright, in Südkorea. Dort nahm Wright an einer Friedensinitiative für die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang teil.

Denn der Konflikt wirft auch einen Schatten über die Spiele, die im Februar in der grenznahen südkoreanischen Provinz Gangwon stattfinden. Die Vorbereitungen laufen weiter auf Hochtouren, doch Südkoreas Präsident Moon Jae In ließ nach dem Test einer weiteren nordkoreanischen Interkontinentalrakete (ICBM) Ende November prüfen, ob er sich auf die Spiele auswirken könne.

Getrieben von wachsender Sorge wegen der Spiele ließ Moon zuletzt beim Bündnispartner USA sogar anfragen, ob die gemeinsamen Frühjahrsmilitärmanöver verschoben werden könnten. Nordkorea müsse aber auf weitere Provokationen verzichten.

Die zweimonatigen Übungen rufen regelmäßig heftige Reaktionen bei Nordkorea aus, das sich dadurch bedroht fühlt - obwohl Seoul und Washington den Vorwurf bestreiten, einen Angriff vorzubereiten.

Atomwaffen als Überlebensstrategie

Doch die Positionen zwischen Pjöngjang und Washington sind verhärtet. Die USA verlangen von Nordkorea eine unumkehrbare und überprüfbare Beseitigung seiner Atomwaffen. Doch Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un will unbedingt, dass sein Land als Atommacht anerkannt wird, um mit dem Erzfeind USA "auf Augenhöhe" sein. Experten rechnen im neuen Jahr mit weiteren Raketentests.

Nach seinem jüngsten Interkontinentalraketen-Test - dem dritten in diesem Jahr - erklärte Pjöngjang, die Entwicklung zur Atomstreitmacht sei abgeschlossen. Das wurde in Südkorea vor allem als politische Erklärung verstanden, mit der sich Kim angesichts der Versorgungsprobleme auch Rückhalt in der eigenen Bevölkerung für seinen Kurs verschaffen wolle.

Politisch gelten die Atomwaffen als Überlebensgarantie für die diplomatisch isolierte Führung. Als unbestritten gilt aber, dass Nordkorea seine Nuklear- und Raketenfähigkeiten durch seine zahlreichen Tests in diesem Jahr einschließlich eines weiteren Atomtests im September weiter vorangebracht hat. Ziel des Landes ist es, Interkontinentalraketen stationieren zu können, die einen Atomsprengkopf bis in die USA tragen können.

Nordkorea sieht sich mittlerweile imstande, das gesamte Festland der USA angreifen zu können. Doch nach Ansicht von Experten muss das Land noch wichtige technologische Hürden überwinden.

Dazu müsse es etwa noch den Nachweis erbringen, dass seine Atomsprengköpfe nach dem Flug ins All den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre unbeschadet überstehen. "Zahlreiche weitere Tests sind nötig, um die Leistung und die Zuverlässigkeit der Raketen zu bestätigen", sagte etwa der Raketenfachmann Michael Elleman auf dem Twitter-Account "38 North" des US-Korea-Instituts.

Schlechte Alternativen zu einem Dialog

Regierungsvertreter der USA bekräftigen immer wieder, dass sie eine diplomatische Lösung der Krise bevorzugen. Doch engste Berater von Trump einschließlich seines nationalen Sicherheitsberaters Herbert Raymond McMaster deuteten an, dass die USA auch militärische Aktionen in Betracht ziehen.

"McMaster schloss Abschreckung aus und wies das erreichbare Ziel für die Diplomatie zurück", schrieb der Vorsitzende des privaten US-Instituts Council on Foreign Relations, Richard Haass, auf Twitter schon im Oktober. "Die Chancen für einen Konflikt stünden "höher als allgemein angenommen wird".


Noch setzen die USA auf China. Pekings politischer Einfluss auf seinen einstigen Bündnispartner Nordkorea gilt allerdings unter politischen Beobachtern als überschätzt. Doch der größte Teil des nordkoreanischen Außenhandels geht über China.

Zwei Tage vor Heiligabend beschloss der UN-Sicherheitsrat erneut mit den Stimmen der Vetomächte China und Russland, die die USA und Nordkorea regelmäßig zu einem Dialog aufrufen, neue Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Pjöngjang.

Die bisherigen Sanktionen zeigten bisher allerdings keine Wirkung. Südkorea geht davon aus, dass sie sich im nächsten Jahr stärker spürbar machen. Der Druck wirke, allerdings nicht schnell genug, sagte ein Diplomat im Sicherheitsrat der dpa.

Wenn es eine Chance auf Fortschritt im nächsten Jahr gebe, dann aufgrund eines Dialogs zwischen den USA und Nordkorea. Die Alternativen sind laut dem Diplomaten nicht gut: "Man kann durchaus sagen, dass es einen Krieg geben wird, oder dass wir ein Nordkorea mit Atomwaffen akzeptieren."

Nach dem Vorwurf des US-Präsidenten Donald Trump, will China verschärft gegen den Ölhandel mit Nordkorea vorgehen. Die Darstellung des US-Staatsoberhauptes, China treibe trotz Sanktionen mit dem Kim-Regime Handel, lies man allerdings unkommentiert.


© dpa