Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch warnt vor Wladimir Putin. Russland verstehe den Krieg besser als der Westen - und erklärt im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" warum.

Die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch, die kommenden Donnerstag in Stockholm mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wird, kritisiert im Gespräch mit dem Nachrichten-Magazin "Der Spiegel" den russischen Präsidenten: Wladimir Putin habe in der Ukraine einen Bürgerkrieg entfacht. Im postsowjetischen Russland liege "Hass in der Luft".

Die Autorin sieht die Welt in einer Ära des Kräftemessens mit Russland. Damit begebe man sich in "die Welt des Krieges, in der sich Putin so gut auskennt. Der russische Soldat weiß, wie man stirbt. Sein Tod war schon immer billig in Kauf zu nehmen". Putins "großes Russland" sei ein Land, das auf einer militaristischen Mentalität aufbaue.

In der Welt des russischen Präsidenten sei jeder Mensch ein Soldat. Alexijewitsch ist sicher, wir "erleben gerade eine Wiedergeburt der militärischen Tugenden".

Wichtige Stimme der Perestroika

Alexijewtisch, die für ihre vielstimmigen Romane ausgezeichnet wird und die eine wichtige Stimme der Perestroika war, glaubt heute, dass ihre Generation damals naiv gewesen sei: "Wir haben uns das Volk ausgedacht." Eine wirkliche Demokratisierung werde mehrere Generationen brauchen.

Die 67-jährige Autorin arbeitet seit fast vierzig Jahren an einer Serie von Büchern, die sie eine "Chronik der roten Seele" nennt, eine Geschichte des sowjetischen Menschen - und was von ihm übrig geblieben ist. Zuletzt erschien "Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus". (far)