Wie gefährlich ist das iranische Atomprogramm? Derzeit verhandeln die fünf Uno-Vetomächte und Deutschland (P5+1) mit dem Iran über dessen Ende. Im Interview mit der "Bild"-Zeitung zeigt sich Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dennoch besorgt, sieht sogar deutsche Städte durch iranische Atomwaffen bedroht - und warnt Angela Merkel vor einem "schlechten Geschäft" mit dem Ajatollah-Regime in Teheran.

Israels Ministerpräsident Benjamin befürchtet im Interview mit der "Bild"-Zeitung, dass iranische Atomwaffen auch Deutschland bedrohen könnten. "Iran baut Interkontinentalraketen, die nicht Israel, sondern Europa und die USA treffen sollen", sagt Netanjahu. "Sie wollen diese Raketen nicht mit Sprengstoff füllen, sondern mit Atomsprengköpfen bestücken. Und wenn man ihnen die Fähigkeit dazu nicht wegnimmt, werden Sie eines Tages aufwachen, und iranische Atomraketen werden auf deutsche Städte gerichtet sein."

Netanjahu warnt vor einem "schlechten Geschäft"

Am Mittwoch findet in Genf die nächste Verhandlungsrunde zwischen der P5+1-Gruppe und dem Iran über das iranische Atomprogramm statt. Die Verhandlungen waren am 10. November trotz Fortschritten ohne Einigung vertagt worden.

Netanjahu warnt die Verhandlungspartner erneut davor, dem Regime in Teheran allzu weit entgegenzukommen: "Sie würden all ihre Zentrifugen zur Uran-Anreicherung behalten dürfen, Tausende. Der Iran müsste bloß geringfügige Zugeständnisse machen, die sie innerhalb von Wochen umkehren könnten. Und dafür würden die P5+1 Sanktionen lockern, was schnell zum kompletten Zusammenbruch der Sanktionen führen kann. Der Iran gibt so gut wie nichts, die P5+1 geben eine Menge – das ist ein schlechtes Geschäft!"

US-Außenminister Kerry versucht Israel zu beruhigen

Demgegenüber fordert der israelische Ministerpräsident den vollständigen Verzicht des Iran, Uran anzureichern: "Der Iran muss seine Zentrifugen und seinen Plutonium-Reaktor abbauen. Wenn sie sich weigern, müssen die Sanktionen verschärft werden", sagt er in der "Bild". Zuletzt hatte Netanjahu massive Kritik am Vorgehen der Weltmächte geäußert und eine diplomatische Offensive gegen einen "schlechten Handel" im Atomstreit mit dem Iran angekündigt.

US-Außenminister John Kerry reagierte am Montag und versuchte Israel zu beruhigen. Die Gespräche in Genf würden für "Israel keinerlei zusätzliche Risiken" bedeuten. Zugleich räumte Kerry ein, er respektiere die Sorge Israels. Jetzt komme es darauf an, mit Teheran einen "nachprüfbaren, sicheren, absolut zuverlässigen Prozess" einzuleiten, der garantiere, dass Iran keine Atomwaffen erlangt. (cai)