Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat zur internationalen Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt eines Palästinenserstaates aufgerufen.

Bei dem von ihm einberufenen Sondergipfel der Organisation für Islamische Kooperation (OIC) sagte Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch in Istanbul: "Von hier aus lade ich alle Länder, die für internationales Recht und Gerechtigkeit eintreten, dazu ein, Jerusalem als die besetzte Hauptstadt des palästinensischen Staates anzuerkennen." Dieser Schritt dulde keinen Aufschub.

Israel hatte den arabischen Ostteil Jerusalems 1967 im Sechs-Tage-Krieg erobert und beansprucht ganz Jerusalem als Hauptstadt.

Dies wird international nicht anerkannt. Die Palästinenser fordern Ost-Jerusalem als künftige Hauptstadt.

Erdogan nennt Israel "Terrorstaat"

Erdogan nannte Israel erneut einen "Besatzungsstaat" und einen "Terrorstaat". US-Präsident Donald Trump forderte er dazu auf, die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels umgehend rückgängig zu machen.

Dabei handele es sich um einen "äußerst falschen, provokativen und rechtswidrigen Schritt", sagte Erdogan. "Jerusalem ist unsere rote Linie."

Auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas betonte am Mittwoch, dass es ohne Jerusalem als Hauptstadt eines Staates Palästina keinen Frieden und keine Stabilität in Nahost geben werde.

Man werde die USA nicht mehr als Vermittler in Nahost akzeptieren, sagte Abbas weiter. Die ganze Welt stehe vereinigt gegen Trumps Entscheidung.

Der US-Präsident habe Israel "Jerusalem als Geschenk gegeben, als ob er eine Stadt in den USA anbieten würde".

Abbas: Nicht mehr an Friedensverträge gebunden

Die Palästinenser fühlten sich auch nicht mehr an die unterzeichneten Friedensverträge gebunden, solange Israel weiter gegen sie verstoße.

Er forderte auf dem OIC-Gipfel die internationale Gemeinschaft dazu auf, ihre Anerkennung des Staates Israel neu zu bewerten.

Die OIC ist ein Zusammenschluss von 57 Staaten und versteht sich als "kollektive Stimme der muslimischen Welt". Der türkische Staatspräsident Erdogan hat derzeit turnusgemäß den OIC-Vorsitz inne.

Staats- oder Regierungschefs von mindestens 20 Ländern sollen an dem eintägigen Treffen teilnehmen.

Hamas-Vertreter auch auf Gipfel erwartet

Darunter sind die Präsidenten des Irans, Indonesiens, Afghanistans und Somalias, die Emire Katars und Kuwaits sowie Jordaniens König Abdullah II.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gehört ebenfalls zu den Teilnehmern bei dem Sondergipfel, zu dem auch Vertreter der rivalisierenden radikalislamischen Hamas erwartet wurden.

Im Streit um die US-Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt hatte jüngst mit Ghassem Sulejmani ein Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) der radikalislamischen palästinensischen Hamas die Hilfe des Irans angeboten.

Alle bewaffneten Gruppen in der Region seien bereit, die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem zu verteidigen.

Sulejmani ist der Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden der schiitischen Revolutionsgarden.

Er hatte unter anderem die Kämpfe gegen die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Nordirak und in Syrien geleitet. Die Hamas wird von der Europäischen Union und den USA als Terrororganisation eingestuft.‎

Erdogan macht verbal mobil, der Iran militärisch

Der Iran hatte die Entscheidung der USA zur Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt hart kritisiert und mit Konsequenzen gedroht.

Für Präsident Hassan Ruhani ist Jerusalem nach eigener Aussage besonders wegen der Al-Aksa-Moschee "mehr als nur Politik".

Die Heiligtümer der Muslime weltweit stünden auf dem Spiel. Damit sollten die USA und Israel die Muslime nicht provozieren.

Bereits vor dem OIC-Treffen hatte der türkische Staatschef Erdogan angekündigt: "Auf diesem Gipfel werden wir die gesamte islamische Welt in Bewegung setzen."

Der Jerusalem-Streit geht weiter: Aufgebrachte Palästinenser liefern sich heftige Zusammenstöße mit israelischen Sicherheitskräften. In Jerusalem kommt es erstmals seit Beginn der Krise zu einem Anschlag. Die US-Regierung wiegelt ab.


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