Ein Pakt mit Berlusconi, 15.000 Kilometer durch Italien und viele scharfe Sprüche: So hat Matteo Salvini es geschafft, einer kleinen Partei aus dem reichen Norden landesweit Bedeutung zu verschaffen. Er ist einer der Gewinner der Parlamentswahl in Italien.

Es ist erst ein paar Jahre her, da machte sich Matteo Salvini alle naselang Feinde im italienischen Süden. Der Mailänder schimpfte über den "Gestank" der Neapolitaner, sagte, die Mentalität der Süditaliener sei Lichtjahre von der der Norditaliener entfernt.

Seit er mit seiner Partei Menschen im ganzen Land mobilisieren will, sind nicht mehr die Süditaliener, sondern die Migranten Ziel seiner verbalen Attacken.

Der 44-Jährige unterzog die Anfang der 90er Jahre gegründete Separatisten-Partei Lega Nord einem grundlegenden Wandel.

Nachdem der zweifache Familienvater 2013 Parteichef geworden war, nutzte er die aufkommende Flüchtlingskrise für seine politischen Ziele und wurde das Gesicht einer landesweiten rechten Bewegung.

Vor der Parlamentswahl strich er das identitätsstiftende "Nord" endgültig aus dem Namen der Partei. Es war Salvini, der die Partei von 4 Prozent (2013) auf rund 18 Prozent hievte.

Radikale Parolen auf Facebook, Twitter und der Piazza

Statt wie sein Verbündeter im Wahlkampf, Silvio Berlusconi, durch TV-Shows zu ziehen, stand Salvini lieber in Daunenjacke auf den Plätzen - den Piazze - des Landes: Nach eigener Aussage hielt er 3.000 Kundgebungen ab und legte 15.000 Kilometer zurück.

"Ich habe mich mehr angestrengt als alle anderen", sagt er am Tag nach der Wahl.

Dass er sich die Probleme der Leute angehört habe, habe den Unterschied gemacht. Seine Parteikollegen verpflichtet er zu Bodenständigkeit.

Facebook und Twitter sind seine Kanäle, auf denen Salvini seine spitzen Forderungen und radikalen Parolen verbreitet - der Presse traut er nicht, obwohl er nach dem Abbruch seines Geschichtsstudiums selbst als Journalist arbeitete.

Vor der Wahl verschaffte er sich Gehör mit Appellen wie "Invasion stoppen". Nach der Wahl verspricht er, "Arbeit und Normalität" nach Italien zu bringen und Europa rundzuerneuern.

Matteo Salvini nennt Viktor Orban als Vorbild

"Ich bin und bleibe Populist", sagt Salvini, und darauf sei er stolz. Der Blick auf Salvinis politische Freunde verrät, welchen Kurs er sich für Italien wünscht:

Er nennt Ungarns umstrittenen Ministerpräsidenten Viktor Orban sein Vorbild und freute sich als einer der ersten über den Wahlerfolg der AfD in Deutschland.

Migranten sind für ihn "Kriminelle", der Islam eine Gefahr. Roma-Angehörige wollte er "mit dem Bagger" aus ihren Siedlungen vertreiben.

Auf der politischen Bühne präsentiert er sich als einer, der durchgreift. Als katholischer Traditionalist, der auf die Bibel schwört, weil andere auf den Koran schwören. Als Bürgernaher, der die "Letzten in der Gesellschaft zu den Ersten" macht.  © dpa

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