Die "Zeitenwende" und die Aggressionen Russlands bedeuten für den Militärgeheimdienst MAD ein "Zurück zu den Wurzeln". Dringlicher als je zuvor seinen nun die Stärkung der Spionageabwehr und eine Bekämpfung von Spionage und Sabotage. Zwei Staaten sind besonders im Blick.

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Der Militärische Abschirmdienst (MAD) warnt vor verstärkter Ausspähung der Bundeswehr aus Russland und China. Die Nachrichtendienste beider Staaten seien als "aktivste Akteure der Spionage" festgestellt worden, schreibt der Militärgeheimdienst in seinem Jahresbericht.

"Seit Beginn des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 hat sich Deutschland durch Lieferungen von Waffen, Munition und Ausrüstung sowie die Ausbildung von Angehörigen der ukrainischen Streitkräfte in Deutschland positioniert und wird durch die russischen Dienste noch intensiver aufgeklärt", heißt es in dem Report, der der Deutschen Presse-Agentur vorlag.

"War in den letzten Jahren der Kampf gegen extremistische Bestrebungen, deren Erkennung und Verhinderung bestimmendes Thema insbesondere der Nachrichtendienste, so rücken mit der russischen Offensive und den damit verbundenen Folgen die Themen Spionage- und Cyberabwehr deutlich in den Vordergrund", stellt MAD-Präsidentin Martina Rosenberg in dem Bericht fest, der auch die Jahre 2021 und 2022 umfasst. Das Interesse ausländischer Dienste an Tätigkeiten, Absichten und Maßnahmen der Bundeswehr habe sich "erheblich verstärkt".

MAD spricht von "hoher Anzahl hier eingesetzter russischer Nachrichtendienstmitarbeiter"

Russland strebe nach einem starken Staat und einem Informationsvorsprung gegenüber dem Westen und der Nato. "Die hohe Anzahl hier eingesetzter russischer Nachrichtendienstmitarbeiter bestätigte die herausgehobene Wertigkeit Deutschlands", so der MAD. Dass die Bundesregierung im vergangenen Jahr 40 russische Diplomaten zu "unerwünschten Personen" im erklärt habe, stelle zunächst eine besondere Herausforderung für die russischen Dienste dar.

"Die vormals gut funktionierenden und eingespielten Spionageaktivitäten, welche durch die in Deutschland akkreditierten russischen Diplomaten bestand, ist durch die Ausweisung zwar geschwächt worden, eine nachhaltige Beeinträchtigung werden russische Nachrichtendienste jedoch nahezu sicher durch andere Methoden der Informationsbeschaffung auszugleichen versuchen."

Die Absicht und die Fähigkeiten, kritische Infrastrukturen von Nato-Staaten aufzuklären und gegebenenfalls zu sabotieren, sei "eine ernstzunehmende Bedrohung". Zusätzlich konnten in den Jahren 2021 und 2022 "hybride Maßnahmen zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung erkannt werden", heißt es in dem Bericht. Dabei sei nicht nur die öffentliche Meinung in Deutschland, sondern auch die Bevölkerung in den Einsatzländern der Bundeswehr - etwa in den baltischen Staaten - Ziel russischer Einflussmaßnahmen.

China setze laut MAD auf Cyberspionage und klassische Spionageoperationen

Der MAD nennt auch Desinformationskampagnen und nachrichtendienstlich gesteuerte Einflussoperationen gegen die an der Nato-Ostflanke eingesetzten deutschen Kontingente. "Seit dem Beginn des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges am 24. Februar 2022 erhöhte sich die Anzahl der gezielt gestreuten Falschinformationen", stellt der MAD fest. Diese sollten das Vertrauen der Bevölkerung in die Nato-Kontingente nachhaltig schädigen und negativ beeinflussen.

China wolle sich bis zum Jahr 2049 einen Platz als Weltmacht sichern und verfolge dazu strategische Planungen wie "Made in China 2025" und die "Neue Seidenstraßen Initiative". Zur Erreichung dieses Ziels werde "auf Maßnahmen der Cyberspionage, hybride Maßnahmen sowie auf klassische Spionageoperationen zurückgegriffen", warnt der MAD.

Für die chinesischen Nachrichtendienste seien dabei gemeinsame Vorhaben mit der Bundeswehr von besonderer Bedeutung: militärische Ausbildungshilfe, gemeinsame Übungsvorhaben und Delegationsbesuche. "Im Rahmen dieser Ausbildungshilfe, die zum Teil mehrere Monate lang dauert, nutzen chinesische Teilnehmer den Zugang zu Dienststellen und Personal der Bundeswehr intensiv zur Informationsbeschaffung", warnen die Abwehrexperten.

Der MAD ist mit dem Schutz der Streitkräfte vor Spionage, der Abwehr von Extremisten in der Bundeswehr und Sicherheitsüberprüfungen von Soldaten und Zivilbeschäftigten beauftragt. Die Zahl der Fälle von Extremismusverdacht hatte das Verteidigungsministerium bereits veröffentlicht. Es gab einen deutlichen Rückgang, den größten Anteil hatte weiter Rechtsextremismus. Der MAD hat in den Jahren 2021 und 2022 sieben Personen aus dem militärischen Bereich als Rechtsextremisten eingestuft ("Kategorie rot"). Zudem wurden im vergangenen Jahr bei 24 Verdächtigen (2021: 22) Erkenntnisse festgestellt, die den Verdacht der fehlenden Verfassungstreue begründen ("Kategorie gelb").

Zusätzliches Personal für den Nachrichtendienst

Für seine Aufgaben hat der MAD zusätzliches Personal bekommen. Seit dem 1. Januar 2023 verfügt der MAD laut Bericht über 1917 Dienstposten (2022: 1.824 Dienstposten; 2021: 1.632 Dienstposten). Als "nicht zielführend" habe sich die frühere Zusammenlegung der Inlandsaufgaben Spionage- und Extremismusabwehr in einer Abteilung erwiesen, heißt es in dem Bericht. Logische Folge sei, dass die Trennung in zwei eigenständige Abteilungen wieder erforderlich wurde.

Der MAD stellt nun fest, mit Blick auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sei "die Stärkung der Spionageabwehr und Bekämpfung von Spionage und möglicher Sabotage dringlicher als je zuvor". (dpa/dh)

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