• Kann Angela Merkel den Konflikt um die Ukraine beruhigen? Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagt Ja - und schlägt die frühere Bundeskanzlerin als Vermittlerin vor.
  • Merkel war 2015 schon am Zustandekommen des Minsker Abkommens zwischen Russland und der Ukraine beteiligt.

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Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch hat Altkanzlerin Angela Merkel als Vermittlerin im Ukraine-Konflikt vorgeschlagen. "Sie hat die Autorität bei beiden Konfliktparteien, die nötig ist, um die Situation zu beruhigen", sagte Bartsch den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Die Bundesregierung von Kanzler Olaf Scholz (SPD) habe nicht die Vermittlerrolle, die seine Vorgängerin Merkel (CDU) als Bundeskanzlerin insbesondere beim Minsker Abkommen 2015 innegehabt habe. "Die Bundesregierung wäre gut beraten, gemeinsam mit Frankreich Merkel als mögliche Friedensvermittlerin zwischen Russland und der Ukraine vorzuschlagen", sagte Bartsch.

Dietmar Bartsch: "Sie hat exzellente Kenntnisse"

Am Dienstagmittag bekräftige Bartsch seinen Vorschlag nach einer Sitzung der Linksfraktion im Bundestag. Diplomatie statt Kriegsvorbereitung müsse der Grundsatz sein, sagte er. "Sie hat exzellente Kenntnisse, was Russland, was die Ukraine betrifft, sie spricht die Sprache."

Auf Gegenliebe ist die Idee bisher aber nicht gestoßen: Weder die amtierende Bundesregierung noch die Ex-Kanzlerin hätten auf seinen Vorstoß reagiert, sagte Bartsch.

Ein schwieriges, aber respektvolles Verhältnis

Merkel wird ein wechselhaftes Verhältnis zu Wladimir Putin nachgesagt. Der russische Präsident und die frühere deutsche Kanzlerin lagen politisch häufig über Kreuz. Als Putin bei einem Besuch Merkels 2007 seinen Hund an ihr schnuppern ließ, wurde das Gemeinheit gewertet: Merkel hat Angst vor Hunden.

Trotzdem entwickelten die beiden über die Jahre offenbar gegenseitigen Respekt. Merkel spricht zudem Russisch und Putin Deutsch - beide können sich also in ihren Muttersprachen unterhalten.

Friedensplan für Ostukraine vermittelt

Merkel und der damalige französische Präsident François Hollande hatten 2015 in der belarussischen Hauptstadt Minsk bei den Verhandlungen zu einem Friedensplan für den Osten der Ukraine vermittelt. Teile der ukrainischen Regionen entlang der russischen Grenze werden seit fast acht Jahren von prorussischen Separatisten kontrolliert. Kiew und Moskau werfen sich gegenseitig Verstöße gegen das Abkommen vor.

Angesichts des Aufmarschs von mehr als 100.000 russischen Soldaten an der Grenze zur Ukraine wird befürchtet, dass der Kreml einen Einmarsch in das Nachbarland plant. Moskau bestreitet das seit Wochen vehement. Am Dienstag meldete die russische Regierung zudem einen Rückzug einiger Soldaten. (dpa/fab)