Der ehemalige Weltfußballer George Weah hat in der Stichwahl um das Amt des Präsidenten seiner Heimat Liberia gute Chancen. Im ersten Wahlgang im Oktober lag der 51-Jährige deutlich vorne.

Die Stichwahl um das Präsidentenamt im westafrikanischen Liberia zwischen dem früheren Weltfußballer George Weah und dem bisherigen Vizepräsidenten Joseph Boakai findet am 26. Dezember statt.

Im ersten Wahldurchgang lag Weah mit 38,4 Prozent der Stimmen klar vor dem Boakai, für den knapp 29 Prozent gestimmt hatten.

Erster demokratischer Machtwechsel seit Jahrzehnten

Die 72-jährige mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Amtsinhaberin Ellen Johnson-Sirleaf trat nach zwei Amtszeiten ab. Liberia steht damit vor dem ersten demokratischen Machtwechsel seit Jahrzehnten.

Kandidat George Weah gilt als Afrikas "Fußballer des Jahrhunderts" und als einer der besten Spieler, die Afrika je hervorgebracht hat. Er wird in seiner Heimat Liberia als Volksheld verehrt.

Seine größten Erfolge feierte Weah in den 1990er Jahren bei AS Monaco, Paris Saint-Germain und AC Mailand.

Die Stichwahl verzögerte sich, da unter anderem Charles Brumskine von der Liberty Party, der bei der ersten Runde Dritter wurde, mit Wahlbetrugsvorwürfen vor Gericht zog. Internationale Vermittler hatten sich seitdem um eine Beilegung der Krise bemüht.

Bündnis mit Jewel Tayor

Weah schloss ein politisches Bündnis mit der Senatorin Jewel Taylor als Vizekandidatin. Die 54-Jährige ist die 2006 geschiedene Ehefrau des in Großbritannien zu 50 Jahren Haft verurteilten Ex-Diktators und Kriegsverbrechers Charles Taylor.

Weahs Nähe zu Taylor schürte Ängste, dass ehemalige Warlords aus dem 14 Jahre andauernden Bürgerkrieg zurück an die Macht gelangen könnten.

Für Kritik sorgte auch Jewel Taylors Versuch von 2012, ein Gesetz einzubringen, das homosexuelle Aktivitäten zu einem Verbrechen ersten Grades erklärt, worauf die Todesstrafe stehen kann.

Vom Weltfußballer zum Präsidenten?

Weah selbst wuchs im Slum Clara Town der Hauptstadt Monrovia auf. Talent-Scouts wurden auf ihn aufmerksam und brachten ihn zu europäischen Topvereinen.

1995 wurde er vom Weltfußballverband Fifa als bisher einziger Afrikaner zum Weltfußballer des Jahres gekürt.

Bereits 2005 trat er zur Wahl des Präsidenten an, scheiterte damals aber in der Stichwahl an Ellen Johnson-Sirleaf.

Ein geschundenes Land

Nach dem blutigen Bürgerkrieg von 1989 bis 2003 und der Ebola-Epidemie 2014 bis 2015 herrscht in dem westafrikanischen Land große Armut.

Im Human-Development-Index der Vereinten Nationen steht das Land auf Platz 177 von 188.

Wer auch die Wahl gewinnt: Es bleiben wenig Mittel, der armen Bevölkerung des Landes zu helfen.

Der Staatshaushalt Liberias umfasst nur etwa 420 Millionen Euro bei einem Land, das etwas größer als Österreich ist und knapp fünf Millionen Einwohner hat.

(Mit Material der dpa)
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