In Italien wird die Kritik an den außergewöhnlichen Trauermaßnahmen nach dem Tod von Silvio Berlusconi lauter. Neben dem Staatsbegräbnis für den im Alter von 86 Jahren gestorbenen Politiker an diesem Mittwoch (15.00 Uhr) hat die Regierung für drei Tage ihre Arbeit weitgehend niedergelegt. Im Parlament wurden Sitzungen und Abstimmung gar für rund eine Woche abgesagt. "Was für eine Übertreibung, völlig deplatziert", sagte dazu die frühere Ministerin und EU-Kommissarin Emma Bonino in der Zeitung "La Repubblica".

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Kritiker erinnerten daran, dass selbst nach den brutalen Bombenattentaten der Mafia 1992 gegen die Juristen Giovanni Falcone und Paolo Borsellino oder dem Mord an Ex-Ministerpräsident Aldo Moro durch Terroristen 1978 die Parlamente einberufen worden waren. Von einer "Trauer, die spaltet", titelte die Zeitung "La Stampa".

Dass die Regierung den Mittwoch als nationalen Trauertag samt Halbmastbeflaggung an öffentlichen Gebäuden ausrief, ist ein Novum nach dem Tod eines früheren Ministerpräsidenten. Üblicherweise geschieht dies nach schweren Katastrophen mit vielen Opfern. Von vielen Anhängern, Weggefährten und Koalitionspartnern wurde Berlusconi als einer der wichtigsten Männer des Landes der vergangenen Jahrzehnte gelobt. Seine Gegner sehen das anders. "Wir werden uns an keiner Heiligsprechung beteiligen", sagte Chiara Gribaudo, die stellvertretende Parteichefin der Sozialdemokraten.

Der ehemalige Ministerpräsident, Bauunternehmer und Medienzar war am Montag im Krankenhaus gestorben. Zur Trauerfeier im prächtigen Dom in Mailand wurden etwa 2000 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft erwartet. Aus dem Ausland hatten sich kaum hochkarätige Politiker angemeldet, abgesehen von Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban, Emir Tamim bin Hamad Al Thani aus Katar und dem irakischen Präsidenten Abdul Latif Raschid. Die meisten EU-Staaten werden von ihren Botschaftern vertreten.

Vor der Kathedrale wurden für Tausende Trauernde und Anhänger zwei Großbildschirme aufgebaut. Ein Großaufgebot der Polizei sollte für eine reibungslose Veranstaltung sorgen.  © dpa

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