Husni Mubarak, Ägyptens ehemaliger Präsident, könnte frei kommen. Ein Gericht in Kairo hat ein Ende der Haft des 85-Jährigen angeordnet. Sein Anwalt rechnet mit einer baldigen Freilassung. Ungeachtet dessen fordern die Aufstände in dem Land am Nil weitere Tote.

Ein Gericht in Kairo hat in einem Korruptionsverfahren gegen Ex-Präsident Husni Mubarak ein Ende der Haft angeordnet. Damit steigen die Chancen, dass der ehemalige ägyptische Langzeitherrscher demnächst freigelassen wird. Sein Anwalt, Farid al-Dib, sagte am Montag einem ägyptischen Fernsehsender, er rechne damit, dass sein Mandant bald freikommt.

Aus Justizkreisen hieß es, das Strafgericht habe das Verfahren gegen Mubarak wegen der illegalen Verwendung öffentlicher Mittel bei Bauprojekten durch die Mubarak-Familie an die Staatsanwaltschaft zurückgegeben. Zur Begründung hieß es, die Anklage solle noch auf vier weitere Beteiligte ausgedehnt werden. Das bedeute, dass die in diesem Verfahren verhängte Untersuchungshaft für Mubarak aufgehoben werden müsse.

Der Langzeitherrscher war im Februar 2011 nach tagelangen Massenprotesten zum Rücktritt gezwungen worden. Ein Jurist, der mit dem Fall vertraut ist, sagte der Nachrichtenwebsite "youm7", sollte Mubarak im sogenannten Al-Ahram-Prozess demnächst auch noch von der Haft verschont werden, könnte der 85-Jährige tatsächlich freikommen.

In dem Hauptverfahren wegen der Beteiligung an der Tötung von mehr als 800 Demonstranten ist die maximale Dauer der Untersuchungshaft für Mubarak bereits abgelaufen. Bislang wurde er in keinem Verfahren rechtskräftig verurteilt.

Machtkampf in Ägypten spitzt sich zu

Indes geht der Machtkampf zwischen den Islamisten und dem Sicherheitsapparat in Ägypten weiter und hat binnen weniger Stunden weitere 60 Opfer gefordert. Extremisten töteten in der ägyptischen Stadt Rafah am Montag 25 Polizisten. Am Vorabend waren nach Angaben der Behörden und der entmachteten Muslimbruderschaft mindestens 36 Gefangene umgekommen, als während eines Gefangenentransports von Kairo nach Al-Kaljubija eine Meuterei ausbrach.

Nach Angaben eines ägyptischen Sicherheitsbeamten wurden am Morgen zwei Fahrzeuge der Ordnungspolizei von Unbekannten westlich von Rafah mit Panzerfäusten aus einem Hinterhalt angegriffen. Die Angreifer hätten fast alle Soldaten in den beiden Fahrzeugen getötet. Nur zwei Soldaten hätten schwer verletzt überlebt und seien in ein Militärkrankenhaus gebracht worden.

36 Gefangene sterben in Polizeigewahrsam

Auch steht das Land durch den Tod von 36 Anhängern der Muslimbruderschaft in Polizeigewahrsam unter Schock. Der Vorfall sorgte auch bei Gegnern der entmachteten Islamisten für großes Entsetzen. Der ehemalige Präsidentschaftskandidat Hamdien Sabahi forderte auf Twitter, eine Untersuchungskommission müsse klären, wie die Untersuchungshäftlinge vor dem Gefängnis Abu Sabal getötet werden konnten. Der Kommission sollten Juristen und Menschenrechtler angehören.

Die staatlichen Medien hatten zuvor berichtet, 36 Untersuchungshäftlinge aus den Reihen der Muslimbrüder hätten am Sonntagabend versucht zu fliehen, während sie von der Sicherheitsdirektion in Kairo in das Gefängnis verlegt werden sollten. Um ihre Flucht zu verhindern, hätten die sie begleitenden Polizisten Tränengas eingesetzt. Die Gefangenen seien in einem Transportfahrzeug erstickt.

Der Nachrichtensender Al-Dschasira meldete, die Gefangenen hätten während ihres Fluchtversuchs einen Polizeioffizier als Geisel genommen. Die Muslimbruderschaft erklärte, die Polizisten hätten die Gefangenen, die zuvor mehrere Tage in zwei Polizeistationen im Kairoer Stadtteil Nasr-City vernommen und misshandelt worden seien, erschossen.

Der immer noch anhaltende Machtkampf entbrannte nach der gewaltsamen Räumung von Protestlagern der Anhänger Mohammed Mursis. Der islamistische Ex-Präsident war am 3. Juli durch die Armee abgesetzt worden. Zuvor hatten Millionen Demonstranten seinen Rücktritt gefordert. (dpa/mgb)