Bundesinnenminister Horst Seehofer wird am heutigen Dienstag die Kriminalstatistik für Deutschland präsentieren. Einiges davon wurde bereits im Vorfeld bekannt. Und demnach gibt es gute Nachrichten, die jedoch im Widerspruch zu dem stehen, was viele in der Bevölkerung als Realität empfinden.

Weniger Straftaten, viele Verdächtige aus dem Ausland: Zum ersten Mal stellt Horst Seehofer (CSU) als Bundesinnenminister am Dienstag die bundesweite Kriminalstatistik der Polizei vor.

Gleichzeitig präsentiert er die Zahlen zur politisch motivierten Kriminalität im vergangenen Jahr.

Deutschland ist sicherer, als viele Bürger glauben

Die Kriminalstatistik soll Aufschluss über die Verbrechen in Deutschland geben. Der Bund der Kriminalbeamten hält die Sicherheit für höher als von vielen Menschen befürchtet. Auch ein Kriminologe sieht einen positiven Trend.

Schon Ende April war durch einen Bericht der "Welt" bekanntgeworden, dass die Zahl der Straftaten im Jahr 2017 um fast zehn Prozent zurückgegangen ist. Und: Etwa jeder zwölfte Tatverdächtige im vergangenen Jahr war demnach ein Flüchtling.

Die gefühlte Sicherheit in Deutschland steht dabei nach Ansicht des BDK-Vorsitzenden André Schulz im Widerspruch zur Statistik. Demnach ist die Zahl der Straftaten gesunken.

"Das ist tatsächlich ein Phänomen, ein Paradoxon", sagte Schulz vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) der Deutschen Presse-Agentur. Seit Jahren schon sei zu beobachten, "dass das in keinem Verhältnis steht".

Warnung vor Stigmatisierung von Zuwanderern

Mit Blick auf den Anteil von Zuwanderern unter den Straftätern sagte Schulz: "Wir können nicht anhand der Herkunft oder Ethnie oder Religion Auskünfte darüber geben, ob jemand wahrscheinlicher straffällig wird als jemand anders. Das ist unzulässig, trifft auch nicht zu und ist durch keine Forschung bestätigt worden."

Schulz zufolge gehören die meisten straffälligen Zuwanderer zu Gruppen, die kriminologisch ohnehin immer anfällig seien: etwa junge Männer, die nicht an der Gesellschaft teilhaben, weil sie keinen Beruf oder keine Familie haben.

Bei der Betrachtung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) muss dem Direktor des Kriminologischen Instituts Niedersachsen, Thomas Bliesener, zufolge auch die schwankende Anzeigebereitschaft von Betroffenen berücksichtigt werden.

Im Gesamtbild mit weiteren Quellen sei aber ein Trend zu weniger Kriminalität zu erkennen.

"Wir hatten aufgrund des Zuzugs von Flüchtlingen ein kleines Zwischenhoch", sagte Bliesener der "Berliner Zeitung" (Dienstag) mit Blick auf die erhobenen Zahlen.

"Aber wir bewegen uns bei den Straftaten auf einem Niveau, das deutlich unter dem liegt, was wir Anfang der Nullerjahre gehabt haben. Deshalb sind wir relativ sicher, dass die PKS nicht nur ein statistisches Artefakt ist, sondern dass die Kriminalität tatsächlich zurückgeht."

Kritik an der statistischen Methode

Anders sieht es der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow.

"Die Statistik hat nur eingeschränkten Aussagewert über die wirkliche Kriminalitätsbelastung in Deutschland", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Dienstag).

Die Gewerkschaft fordert einen jährlichen Sicherheitsbericht, der auch Straftaten, die nicht angezeigt werden, sowie Vandalismus-Schäden und Bagatelldelikte erfasst.

Auch Wohnungseinbrüche müssten "ein Kernthema der Politik" bleiben, sagte Malchow. Die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen sei im vergangenen Jahr bereits um fast ein Viertel gestiegen.  © dpa