Katalonien: Unabhängigkeitsreferendum droht zu eskalieren

In Spaniens autonomer Region Katalonien findet ungeachtet aller Proteste der Zentralregierung ein Referendum zur Unabhängigkeit statt. Madrid schickt starke Polizeikräfte in die Region, um die Wahl zu unterbinden, es gibt erste Verletzte.

Tausende Menschen wollen an den Wahlen teilnehmen, es gibt lange Schlangen und Wartezeiten vor den Wahllokalen.
Die Wahllokale versuchen sich mit improvisierten Barrikaden gegen die Polizei zu schützen, die das Referendum mit aller Macht stoppen will.
Es ist soweit: Nach Monaten des Streits und der gerichtlichen Auseinandersetzungen halten die Katalanen ihr umstrittenes Unabhängigkeitsreferendum ab.
Obgleich die Schar derjenigen, die für eine Unabhängigkeit Katalaniens sind, in den letzten Monaten vor allem aufgrund der harschen Reaktionen der Zentralregierung in Madrid gewachsen ist, gilt ein "Ja" keineswegs als gesichert. Das beweisen zum Beispiel die großen antiseparatistischen Demonstrationen in Barcelona.
Die Fahne der Separatisten erinnert an die kubanische Flagge, nur in den Farben Kataloniens. Kubas Unabhängigkeitskampf ist tatsächlich für viele Separatist ein Vorbild.
Menschen warten im Regen vor der "de Treball"-Schule in Barcelona auf ihre Stimmabgabe. Einige übernachteten in den Wahllokalen, um einer drohenden Schließung zuvorzukommen.
Um das gerichtlich verbotene Unabhängigkeitsreferendum zu unterbinden, verstärkte Madrid sein Polizeiaufgebot mit nichtkatalanischen Einsatzkräften in den vergangenen Tagen massiv. Wahllokale wurden besetzt, Wahlurnen und Stimmzettel konfisziert.
Nichtsdestotrotz strömten viele Menschen auf die Straßen, in die Wahllokale und bekundeten ihren Willen, das Referendum ungeachtet der Polizeipräsenz durchzuführen.
Menschen singen katalanische Lieder während sie darauf warten, in der "de Treball"-Schule in Barcelona ihre Stimme beim Referendum abzugeben. Die vier Finger sind ein Zeichen für die vier (roten) Balken der Estelada-Flagge, der Flagge Kataloniens und somit Symbol der Unabhängigkeitsbewegung.
Einheiten der spanischen Nationalpolizei hindern in Barcelona Menschen teils auch mit Gewalt daran, die von der katalanischen Regierung zum Wahllokal bestimmte Orte zu erreichen.
Menschen stehen mit erhobenen Händen Einheiten der spanischen Nationalpolizei gegenüber. Sie bekunden damit ihren Willen, friedlich bleiben - aber auch abstimmen zu wollen.
Dennoch kommt es zu Zusammenstößen in der Nähe der Wahllokale. Rund 300 Menschen sollen dabei verletzt worden sein (Stand: 15:00 Uhr), darunter manche auch schwer.
Die spanische Nationalpolizei schießt mit Gummigeschossen auf diejenigen Bürger, die sich widersetzen und versuchen, die Wahllokale zu erreichen.
Die Justiz ist auf der Seite der Polizei - doch gerade die Härte der Einsatzkräfte treibt viele Menschen in das separatistische Lager und auf die Straße.
Das Sportzentrum in Girona, wo der katalanische Ministerpräsident Carles Puigdemont seine Stimme eigentlich abgeben wollte, wird von Spezialkräften gestürmt.
Der katalanische Ministerpräsident und Initiator des Referendums, Carles Puigdemont, hält am Wahltag eine Blume in die Höhe. Er musste in einem anderen Wahllokal abstimmen.
Besonders die Wahlbezirke der prominenten Befürworter der Unabhängigkeitskampagne liegen im Fokus der Zentralregierung. Am 09. Juni 2017 erst hatte Puigdemont das Referendum verkündet.
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