• Der Koalitionsvertrag steht, nun beginnt die Besetzung der Bundesministerien.
  • Karl Lauterbach sah lange Zeit wie der designierte Gesundheitsminister aus.
  • Ambitionen hätte der SPD-Politiker - aber steht seine Partei auch hinter ihm?

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Er will definitiv und können würde er wohl auch - aber darf er überhaupt? Seit klar war, dass die SPD die neue Kanzlerpartei wird, sah Karl Lauterbach wie der designierte Bundesgesundheitsminister aus. Nun hat der 58-Jährige sein Interesse an dem Posten noch einmal hinterlegt.

"Ich bin seit langer Zeit in diesem Bereich tätig, also wäre es eine Überraschung, wenn ich das grundsätzlich nicht machen wollte", sagte er am Mittwochabend in der Sendung "RTL Direkt". Lauterbach bewertete es zudem als positiv, dass das Gesundheitsressort in den Ampel-Verhandlungen der SPD zugeordnet wurde. "Wir sind eine sozialdemokratische Partei, da ist das ein wichtiger Bereich für uns."

Gesundheitsminister? Karl Lauterbach bringt fachliche Qualifikation mit

Wie umfangreich gebildet Lauterbach im Gesundheitsbereich ist, zeigt ein Blick in seinen Lebenslauf: Er ist promovierter Mediziner und hat seit 2010 auch die Approbation als Arzt in Deutschland. Zusätzlich erlangte er in den Neunziger Jahren an der renommierten Harvard School of Public Health sowohl einen Master of Public Health mit Schwerpunkten Epidemiologie und Health Policy and Management als auch einen Master of Science in Health Policy and Management. 1996 wurde er Gründungsdirektor des Instituts für Gesundheitsökonomie, Medizin und Gesellschaft der Universität zu Köln.

Kurzum: Qua Bildung ist Lauterbach gewiss eine gute Wahl für den Posten als Gesundheitsminister. Er hat sich allerdings durch seine enorme mediale Präsenz als Mahner und Warner während der Corona-Pandemie nicht nur in der Welt der Impfgegner und Corona-Leugner Feinde gemacht. Auch der künftige Bundeskanzler Olaf Scholz gilt nicht unbedingt als Lauterbach-Fan.

Er werde sich in den nächsten Tagen "sehr intensiv an die Arbeit machen, eine hervorragende Besetzung der sozialdemokratischen Ressorts zustande zu bringen", hatte Scholz am Mittwoch gesagt. Dabei geht es allerdings nicht nur um die Person Karl Lauterbach und dessen fachliche Eignung. Es geht auch um eine Ankündigung der SPD aus Wahlkampfzeiten: Unter ihm als Kanzler werde das Kabinett paritätisch besetzt sein, hatte Scholz angekündigt.

Die Besetzung der SPD-Ministerien wird kompliziert

Dieses Versprechen führt nun zu einer komplexen Personalsuche. Gesetzt in der SPD sind bisher Scholz, sein Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt sowie Hubertus Heil, der Arbeitsminister bleiben könnte. Das Regierungsteam der FDP besteht aus drei Männern und einer Frau: Christian Lindner, (Finanzen), Marco Buschmann (Justiz), Volker Wissing (Verkehr) und Bettina Stark-Watzinger (Bildung). Dazu kommen die Grünen-Parteichefs Annalena Baerbock (Außen) und Robert Habeck (Wirtschaft und Klima).

Für die weitere Besetzung heißt das: Wie viel Freiheiten Scholz bei der Personalsuche hat, hängt auch von den Grünen ab. Die dürfen noch die Ministerien Familie, Umwelt sowie Landwirtschaft besetzen. Da entweder Cem Özdemir oder Toni Hofreiter dabei zum Zug kommen dürften, kann es sein, dass die SPD für ihre ausstehenden Posten noch maximal einen Mann nominieren kann. Die Sozialdemokraten übernehmen neben dem Kanzleramt und dem Gesundheitsministerium auch die Ressorts Inneres und Heimat, Verteidigung, Arbeit und Soziales sowie wirtschaftliche Zusammenarbeit. Hinzu kommt ein neu zugeschnittenes Bauministerium.

Ministerstatus also: Es ist kompliziert. Das weiß auch Lauterbach. Um nicht allzu forsch zu wirken, fügte er seiner Bewerbung um das Gesundheitsministerium deshalb sicherheitshalber noch einen Nachsatz hinzu: "Aber es gibt andere, die das können, es geht hier nicht um mich."

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