"Kanzler der Einheit": Helmut Kohls Leben zwischen Erfolg und Skandal

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Am 3. April wäre der "Kanzler der Einheit" 90 Jahre alt geworden: Helmut Kohl. Der CDU-Politiker, der 2017 verstarb, hat Großes für Deutschland geleistet. Er gestaltete die deutsche Wiedervereinigung mit und war an der Einführung des Euro beteiligt, sorgte mit der Parteispendenaffäre aber auch für negative Schlagzeilen. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Helmut Josef Michael Kohl wurde am 3. April 1930 in Ludwigshafen am Rhein geboren. Er hatte zwei ältere Geschwister. Den Zweiten Weltkrieg bekam er als Kind und Jugendlicher zu spüren - einer seiner Brüder kam im Krieg ums Leben. Schon bevor er sein Abitur machte, trat Kohl der CDU bei und war 1947 Mitbegründer der Jungen Union in Ludwigshafen.
Als er das Abitur in der Tasche hatte, fing er im Alter von 20 Jahren zu studieren an: Rechts-, Sozial- und Staatswissenschaften, zudem noch Geschichte. Er studierte sowohl an der Universität Frankfurt/Main als auch an der Uni Heidelberg. Seine politische Karriere verfolgte er als Student weiter
1954 schaffte es Kohl auf den Posten des stellvertretenden Landesvorsitzenden der Jungen Union Rheinland-Pfalz. Ein Jahr darauf war er bereits Mitglied des Landesvorstandes der CDU im Bundesland. Aber auch als Student war Kohl ehrgeizig.
Nach sechs Jahren Studium wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Heidelberg, an der er zwei Jahre darauf promovierte. Sein Thema: "Die politische Entwicklung in der Pfalz und das Wiedererstehen der Parteien nach 1945". Kohl erhielt seinen Doktortitel in Geschichte.
1959 gelang dem Politiker ein weiterer Coup: Er wurde Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Ludwigshafen. Nebenbei arbeitete Kohl als Referent des "Industrieverbandes Chemie" – und das ganze zehn Jahre lang.
Mit Hannelore Renner fand Kohl seine große Liebe. Der Politiker und die Diplomdolmetscherin gaben sich 1960 das Jawort. Später machten sie ihr Glück perfekt. Das Paar bekam zwei Söhne: Walter und Peter.
Seine politische Karriere erhielt 1969 einen großen Aufschwung, als Kohl Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz wurde. Das Bild zeigt ihn bei seiner Vereidigung. Er galt als junger Wilder in seiner Partei und stand für einen Aufbruch. Offenbar war es genau das, was die Wähler wollten: Nach der ersten Legislaturperiode schaffte Kohl die absolute Mehrheit in seinem Land.
Doch das reichte dem ehrgeizigen Politiker nicht. 1971 – im Alter von 41 Jahren – kandidierte Kohl schließlich für den CDU-Parteivorsitz. Zunächst musste er einen Misserfolg verkraften. Denn Kohl unterlag Rainer Barzel (r.). Doch die CDU konnte sich mit Barzel an der Spitze nicht durchsetzen: Zunächst regierte Willy Brandt, dann Helmut Schmidt.
1973 übernahm Kohl, hier neben Peter Altmeier (l.), schließlich den Vorstandsposten der CDU. Bis er schließlich Bundeskanzler wurde, sollte es noch einige Jahre dauern. Zuvor strukturierte Kohl seine Partei neu: Die CDU wurde zur Mitglieder-Partei, der auch mehr Frauen beitraten.
1976 schrammte Kohl knapp am Ziel vorbei. Als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl holte er zwar 48,6 Prozent der Stimmen, jedoch gelang es der FDP und SPD gemeinsam, zehn Sitze mehr zu ergattern. Kohl kam daraufhin als Oppositioneller nach Bonn.
Dort hatte er vor allem mit der Schwesterpartei CSU zu kämpfen. Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß übte heftige Kritik an Kohl. Nicht nur das: Strauß wollte die Zusammenarbeit von CDU und CSU beenden. So weit kam es jedoch nicht und Strauß überließ 1980 Kohl die Kanzlerkandidatur. Aber auch diese Wahl sollte Kohl verlieren.
Die Zeit in der Opposition nutzte Kohl, um Kontakte zu knüpfen, vor allem zu Abgeordneten. Er half einzelnen Kreis- und Landesverbänden mit Geldspenden: innerparteiliche Bestechung? Da die Konten geheim waren, verstieß Kohl mit seinem Handeln gegen das Gesetz, da die Spenden so verschleiert wurden.
Als das ans Licht geriet, sah sich Kohl einem großen Skandal konfrontiert. Dass Kohl dennoch weiter mit "schwarzen Kassen" arbeitete, wurde erst 15 Jahre später bekannt. Nachdem FDP und SPD in eine Krise geraten waren, schlossen sich CDU/CSU und FDP zusammen. Durch ein konstruktives Misstrauensvotum wurde Kohl am 1. Oktober 1982 neuer Bundeskanzler.
Unter Kohl als Kanzler erlebte die Wirtschaft einen Aufschwung. Doch vor allem seine Sozialpolitik geriet immer wieder in die Kritik. Dennoch schaffte es Kohl, weiterhin Bundeskanzler zu bleiben. Er stärkte die Beziehungen Deutschlands, wie hier 1985 mit der britischen Premierministerin Margaret Thatcher (l.) und dem US-amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan (r.).
Ein einschneidendes Ereignis geschah zu Kohls Kanzlerzeit am 9. November 1989: Der Fall der deutschen Mauer. Kohl setzte sich daraufhin für die Wiedervereinigung Deutschlands ein und verhandelte mit den USA und der UdSSR – mit Erfolg!
1990 und 1994 wurde die Regierung von CDU/CSU und SPD bestätigt. Kohl knackte damit einen Rekord: Keiner regierte bis dato so lange als Kanzler wie er. Doch: Seine Versprechen an die DDR-Bürger konnte Kohl nicht halten. Die Arbeitslosigkeit stieg, vor allem, weil einige DDR-Unternehmen an westliche Betriebe verkauft wurden.
Kohl setzte sich vor allem für ein starkes Europa ein. Er plädierte für eine gemeinsame Währung, den Euro.
Viele Wähler blieben aber unzufrieden und wünschten sich frischen Wind.
Den brachte 1998 Gerhard Schröder (l.) von der SPD, gegen den Kohl die Wahl zum neuen Bundeskanzler verlor. Der CDU-Politiker war somit von 1982 bis 1998 Bundeskanzler: 16 Jahre lang. Nach der Wahl kündigte er an, nicht erneut für den Vorsitz seiner Partei zu kandidieren. Dennoch verschwand Kohl nach seiner Zeit als Kanzler nicht in der Versenkung.
Der "Kanzler der Einheit" reiste weiter durch Deutschland, zudem wurden ihm zahlreiche Orden verliehen. So erhielt er das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik mit Lorbeerkranz und wurde zum Ehrenbürger Europas ernannt. Auch Ehrenbürger Frankfurts (Bild) und anderer Städte wurde er.