Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin gerät im Skandal um die Verstrickung seiner Partei mit pädophilen Aktivisten Anfang der 1980er-Jahre unter Druck. Offenbar hat er selbst ein Programm, das Sex mit Kindern unter Umständen straffrei stellen sollte, unterstützt. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt fordert Trittin bei "Focus Online" auf, seine Spitzenkandidatur ruhen zu lassen.

Die Politologen Franz Walter und Stephan Klecha vom Göttinger Institut für Demokratieforschung wurden von den Grünen selbst mit der Aufklärung der Pädophilie-Verstrickungen während der Frühzeit der Partei beauftragt. In einem Beitrag für die Zeitung "taz" bringen die Wissenschaftler nun auch den Grünen-Spitzenkandidaten bei der diesjährigen Bundestagswahl mit der Affäre in Verbindung.

1981 habe Jürgen Trittin das Kommunalwahlprogramm der Alternativen-Grünen-Initiativen-Liste (AGIL) presserechtlich verantwortet. In dem Programm plädierte die AGIL für eine strafrechtliche Freistellung von sexuellen Handlungen zwischen Kindern und Erwachsenen, die ohne Anwendung und Androhung von Gewalt zustande kamen.

Dobrindt fordert Rückzug von Trittin

"Trittin muss seine Spitzenkandidatur ruhen lassen", fordert nun CSU-Generalsekretär Dobrindt. Der heutige Grünen-Spitzenkandidat sei "Teil des Pädophilie-Kartells bei den Grünen und als Frontmann untragbar." Dann findet er noch deutlichere Worte: "Statt sich selbst zu stellen und die Karten auf den Tisch zu legen, hat er gewartet, bis er enttarnt und überführt wurde."

Zuvor hatte Trittin, der zur betreffenden Zeit Student und Stadtratskandidat in Göttingen war, die Anschuldigungen in der "taz" bestätigt: "Franz Walter beschreibt die Sachlage zutreffend."

Trittin bedauert Fehler

Nicht nur die Grünen seien in ihrer Gründungsphase als Partei dem organisierten Druck von Interessensgruppen ausgesetzt gewesen, die den Missbrauch von Kindern legalisieren wollten. "Dies war in der Göttinger AGIL eher noch ausgeprägter. Es war gerade ihr Selbstverständnis, die Forderungen einzelner Initiativen – in diesem Fall der Homosexuellen Aktion Göttingen – eins-zu-eins zu übernehmen," so Trittin.

Diesen falschen Forderungen sei die AGIL nicht energisch genug entgegengetreten: "Wir haben es nicht mal hinterfragt, als wir unser Programm zur Kommunalwahl 1981 erstellt haben", erklärt der Grünen-Politiker weiter. "Dies ist auch meine Verantwortung. Und dies sind auch meine Fehler, die ich bedauere." Bis diese Haltung korrigiert worden sei, habe es zu lange gedauert: "Es kann keine Straffreiheit für Missbrauch geben."

(lug/cai)