Joschka Fischer warnt in der "Welt am Sonntag" vor neuem Nationalismus. In der AfD seien laut Ex-Bundesaußenminister "viele Nazis". Er fordert eine politische Auseinandersetzung mit der Partei.

Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hat eine harte politische Auseinandersetzung mit der AfD gefordert. "Nicht jeder, der die AfD wählt, ist ein Nazi. Aber leider ist es so, dass es in dieser Partei viele Nazis gibt. Oder wie wollen wir Herrn Höcke oder Jens Maier oder manch andere dort bezeichnen?", fragte Fischer in der "Welt am Sonntag".

Er warnte vor neuem Nationalismus. Es gebe offenkundig viele Menschen in Deutschland, die diese AfD wählten, ohne die Meinungen des radikalen Personals zu teilen, sagte Fischer. Diese sagten, dass die Flüchtlingskrise für sie eine Zäsur gewesen sei.

"Der alte Nationalismus war aggressiv, er wollte die Welt erobern, beherrschen und hat dies auch getan", sagte Fischer. "Der neue Nationalismus ist von Angst getrieben. Das macht ihn nicht sympathischer. Aber es ordnet ihn entsprechend ein."

Fischer hätte wie Merkel entschieden

Fischer sagte, er hätte in der Flüchtlingskrise wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) entschieden. Ihr Fehler sei aber gewesen, den Eindruck von Kontrollverlust entstehen zu lassen.

"Deutsche Leitkultur ist für mich, was im Grundgesetz steht. Punkt", sagte Fischer weiter. "Wer hierher kommt, kommt in den Geltungsbereich des Grundgesetzes. Und wer hier leben will, muss sich daran halten."

In Deutschland seien Männer und Frauen einander gleichgestellt - "und das gilt. Wir erziehen unsere Kinder nach diesem Grundsatz. Das muss man klar sagen. Jedem gegenüber, der bei uns leben will, ganz gleich, woher er kommt", betonte Fischer.

Vor wenigen Tagen hatte sich Fischer bei einer Rede in Hamburg über die Zukunft Europas geäußert. Seiner Ansicht nach hat Europa nur gemeinsam eine Chance, in einer sich wandelnden Welt zu bestehen.

"Wir werden uns sehr viel mehr um unsere eigene Sicherheit und unsere Interessen kümmern müssen", erklärte Fischer am Freitagabend beim Matthiae-Mahl in Hamburg.

Fischer: Erfolg der EU im Interesse Deutschlands

Die westliche Führungsmacht USA könne und wolle diese Rolle nicht mehr ausfüllen; die Macht verlagere sich von West nach Ost. Nationalstaaten europäischer Prägung könnten nicht mithalten mit den Größenordnungen der USA, Chinas und Indiens.

"Wir können uns ein weiteres verlorenes Jahrzehnt nicht leisten", sagte Fischer. "Der Stillstand muss überwunden werden." Der Erfolg der Europäischen Union sei auch im obersten nationalen Interesse Deutschlands.

Im sei für die Zukunft nicht bange. "Aber scheitert Europa und werden wir abgehängt, dann sehe ich schwarz", sagte Fischer. "Das 21. Jahrhundert wird für uns keine zweite Chance bereithalten." (dpa/ms)