Joschka Fischer wird 70 - das sind die einprägendsten Zitate des grünen Kämpfers

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"Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch": Mit verbalen Attacken hielt sich Joschka Fischer in seiner politischen Karriere nicht wirklich zurück. Nun wird der Haudrauf der Grünen, der "letzte Rock'n'Roller der deutschen Politik" 70. Zeit rhetorische Bilanz zu ziehen.

In die Geschichte eingegangen ist ein Zwischenruf im Bundestag: "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch", rief er am 18. Oktober 1984 dem Bundestagsvizepräsidenten Richard Stücklen ( hier im Bild 2.v.l.) zu. Dieser hatte zuvor den Abgeordneten Jürgen Reents von der Sitzung ausgeschlossen, weil er Bundeskanzler Helmut Kohl als "von Flick freigekauft" bezeichnet hatte.
Über das Bundeskabinett sagte er 1985: "Es gibt doch eine ganze Latte politischer Halbleichen bis Leichen, die hier auf Kabinettsposten herummodern."
1983 sagte er in einem Interview mit dem Frankfurter Magazin "Pflasterstrand" über den Deutschen Bundestag: "Eine unglaubliche Alkoholiker-Versammlung, die teilweise ganz ordinär nach Schnaps stinkt."
Über eine mögliche deutschen Wiedervereinigung bezog er in der "Welt" 1989 wie folgt Stellung: "Die Forderung nach der Wiedervereinigung halte ich für eine gefährliche Illusion. Wir sollten das Wiedervereinigungsgebot aus der Präambel des Grundgesetzes streichen."
Und auch über den ehemaligen Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann hatte er eine einschlägige Meinung: "Zimmermann ist als Löwe gesprungen und als Bettvorleger gelandet", sagte Fischer 1984.
Zu Alt-Kanzler Helmut Kohl sagte Fischer 1995 einmal: "Sie sind Geschichte, im guten und im schlechten Sinne, das haben Sie immer gewollt. Aber in Zukunft werden Sie nicht mehr sein - drei Zentner fleischgewordene Vergangenheit."
Kohl schien es Fischer wohl richtig angetan zu haben. Zu dessen Ankündigung im Jahre 1997, er wolle die Arbeitslosenzahlen bis zum Jahr 2000 halbieren, sagte Fischer: "Eher werden Sie sich halbieren als die Arbeitslosigkeit."
Lange vor Rot-Grün heckte Fischer mit dem späteren Kanzler Gerhard Schröder (hier links im Bild) Regierungspläne aus. "Deutschland ist in dieser Zeit ein anderes Land geworden", sagte er später über die rot-grünen Jahre.
Fischer lebt in seiner fünften Ehe mit der Filmproduzentin Minu Barati. Auf die Frage, wieso er immer gleich geheiratet hat, sagt der Ex-Politiker der "Süddeutschen Zeitung": "Egal, das war ich, das hat zu mir gepasst."
Über sein Verhältnis zu den Grünen sagte er in einem Interview mit der "Tageszeitung" 2002: "Ich liebe meine Frau, nicht meine Partei. Aber gerade jetzt merke ich, wie sehr ich an unserem gemeinsamen Laden hänge, vor allem emotional."
"Alles ist möglich, selbst dämliche Fragen wie Ihre", sagte Fischer im Jahr 1998 zum Spiegel-TV-Reporter Claas Thomsen auf dessen Frage vor dem Hanse Marathon: "Ist es auch möglich, dass Sie aufgeben?"
Über seinen Abschied von der Politik sagte Fischer auf einer Pressekonferenz am 27. Juni 2006: "Ich komme nicht wieder: Die Tür ist zu. Der Schlüssel ist umgedreht und weggeworfen".
Ob er froh über die Art seines Ausstiegs aus der Politik sei, antwortete er in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung": "Froh ist der falsche Begriff. Ich wollte es so - und es ist gelungen."
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