Joachim Gauck verzichtet 2017 auf eine zweite Amtszeit als Bundespräsident. Das gab der 76-Jährige am Mittag bei einer Pressekonferenz im Schloss Bellevue in Berlin bekannt.

Bundespräsident Joachim Gauck tritt nicht für eine zweite Amtszeit an. "Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen", sagte der 76-Jährige in Schloss Bellevue in Berlin. "Ich möchte für eine erneute Zeitspanne von fünf Jahren nicht eine Energie und Vitalität voraussetzen, für die ich nicht garantieren kann."

Er sei zugleich "von Herzen dankbar" für die zahlreichen Worte der Ermutigung, auch über den kommenden März hinaus weiter im Amt zu bleiben. Gauck betonte: "Unser Land hat engagierte Bürger, und es hat funktionierende Institutionen. Der Wechsel im Amt des Bundespräsidenten ist in diesem Deutschland daher kein Grund zur Sorge. Er ist vielmehr demokratische Normalität - auch in fordernden, auch in schwierigen Zeiten."

Auf einer China-Reise im März sagte der Bundespräsident bereits, es sei ein schönes Gefühl zu spüren, dass viele Menschen sich eine Fortsetzung seiner Arbeit wünschten. "Dabei muss man aber auch seine eigenen physischen und psychischen Kräfte bedenken."

Dafür stand Joachim Gauck

Bis zuletzt war darüber spekuliert worden, ob er wegen der Auswirkungen der Flüchtlingskrise und angesichts des Erstarkens der rechtspopulistischen AfD aus einem Bewusstsein der Verantwortung heraus noch einmal antreten würde. Gauck betonte aber auch, dass sich Deutschland trotz aller Herausforderungen nicht in einer Staatskrise befinde. "Das Staatsschiff ist nicht im Orkan, aber es gibt Wellen", sagte er im Mai beim Katholikentag in Leipzig.

Bereits in den vergangenen Tagen hatten mehrere Medien darüber berichtet, dass sich Gauck dazu entschieden habe, im kommenden Jahr nicht mehr für das Amt des Bundespräsidenten zur Verfügung zu stehen.

Gauck war in der Endphase der DDR 1989 als Unterstützer der Bürgerrechtsbewegung bekannt geworden. Nach der Wende wurde er als Kandidat für das Bündnis 90 in die letzte DDR-Volkskammer gewählt. Von 1991 bis 2000 war er Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Im März 2012 wurde als gemeinsamer Kandidat von Union, SPD, Grünen und FDP zum Nachfolger des zurückgetretenen Christian Wulff ins höchste Staatsamt gewählt.

Ein Schwerpunkt seiner ersten Amtszeit ist das Bemühen, Deutschlands Rolle in der Welt neu zu definieren und mehr Verantwortungsbewusstsein einzufordern. Auch militärisches Engagement dürfe nicht mit dem Hinweis auf die nationalsozialistische Vergangenheit ausgeschlossen werden, sagte er 2014 auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Auch die Flüchtlingskrise machte er zu seinem Thema.

Wer könnte auf Joachim Gauck folgen?

Als mögliche Nachfolge-Kandidaten Gaucks werden unter anderem Norbert Lammert, Wolfgang Schäuble, Ursula von der Leyen (alle CDU) und Frank-Walter Steinmeier (SPD) gehandelt.

Union, SPD und Grüne hatten zuvor eine zweite Amtszeit Gaucks befürwortet. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich für seine Wiederwahl aus. Zuletzt meinten 70 Prozent der Bundesbürger in einer Umfrage, Gauck solle weitermachen.

"Der Spiegel" berichtete am Wochenende, aus taktischen Gründen könnten CDU und CSU kurz vor der Bundestagswahl keinen gemeinsamen Kandidaten mit SPD oder Grünen präsentieren. Aus der Linken und der SPD wurden Stimmen laut, die einen gemeinsamen rot-rot-grünen Bewerber forderten.

In der Bundesversammlung, die am 12. Februar 2017 einen neuen Präsidenten wählt, hat die Union zwar derzeit mit Abstand die meisten Sitze, aber keine eigene Mehrheit. (dpa/tfr/cai)