Al-Kaida hat sich in den Jemen zurückgezogen, auch der sogenannte Islamische Staat breitet sich dort aus: Terroristen profitieren von schwachen staatlichen Strukturen. Stoppen könnten sie wohl nur Frieden und Stabilität. Doch davon sind Länder wie der Jemen weit entfernt.

Es gibt derzeit so viele Krisen auf der Welt, dass manche davon schnell aus dem Blick geraten. Zum Beispiel der Jemen: Seit 2015 tobt in dem Land im Südwesten der Arabischen Halbinsel ein Bürgerkrieg, viele Staaten mischen dabei mit.

Das hat nicht nur eine schwerwiegende humanitäre Krise zur Folge – rund 18 Millionen Jemeniten sind inzwischen auf Hilfe angewiesen, mehr als 10.000 Menschen sind ums Leben gekommen.

Der Bürgerkrieg kann auch für Europa Folgen haben: Denn da es in vielen Teilen des Landes keine funktionierende Staatsgewalt mehr gibt, finden Terroristen dort Rückzugsräume.

Operationsgebiet von Al-Kaida

Der Bundesnachrichtendienst (BND) bezeichnet den Jemen als wichtigstes Operationsgebiet von AQAH, dem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel. Mehrere Städte im Jemen sind unter der Kontrolle der Terroristen.

Frisch im Amt und offenbar tatenhungrig ordnete US-Präsident Donald Trump deshalb Ende Januar einen Angriff auf Al-Kaida-Quartiere in der Provinz Jakla an. Die US-Regierung wollte so an Informationen über möglicherweise geplante Anschläge gelangen.

Der Schlag gegen die Terroristen war für Trump allerdings ein Erfolg mit bitterem Beigeschmack: Auch mehrere Dutzend Zivilisten sowie ein US-Soldat kamen dabei ums Leben.

Vor Kurzem wurden die Amerikaner aber wieder aktiv: Allein in der vergangenen Woche habe man mehr als 20 Luftangriffe auf Stellungen des Netzwerks geflogen, berichtete das US-Verteidigungsministerium am Montag.

Profiteure des Bürgerkriegs

Warum hat sich Al-Kaida gerade in den Jemen zurückgezogen? Die Terroristen profitieren dort vom Vakuum in einem zerfallenden Staat.

Die schiitischen Huthi-Rebellen kontrollieren die Hauptstadt Sanaa und den Nordwesten des Landes, gegen sie kämpfen die Anhänger des früheren Übergangspräsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi.

Zu dieser sogenannten Hadi-Koalition gehört aber auch das Nachbarland Saudi-Arabien, das – mit Unterstützung der USA – gegen die Huthi-Rebellen vorgeht.

Die Berliner Jemen-Expertin Mareike Transfeld berichtet in einem Beitrag für die Stiftung Wissenschaft und Politik davon, dass sich in manchen Gegenden auch Bündnisse zwischen der Hadi-Koalition und dem Al-Kaida-Ableger AQAH gebildet haben. "Insgesamt profitiert AQAH damit von der saudischen Militärintervention", schreibt sie.

Besonders widersprüchlich sei die Position der USA: Einerseits hätten sie sich klar auf die Seite der Hadi-Koalition gestellt, andererseits bekämpften sie Al-Kaida.

Aufruf zu Attacken in anderen Ländern

"Der Krieg hat Bedingungen geschaffen, in denen sich kriminelle und terroristische Organisationen wie Al-Kaida und der IS im Jemen entfalten können", warnten die EU-Außenminister in einer Erklärung nach ihrem Treffen in Luxemburg am Montag.

Wächst im Jemen also eine neue Generation von Terroristen heran? Immerhin haben sich auch die Kouachi-Brüder in dortigen Al-Kaida-Camps trainieren lassen, bevor sie im Januar 2015 den Anschlag auf die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" verübten.

Der BND berichtet auf seiner Homepage, dass AQAH über seine englischsprachige Online-Zeitschrift zu Anschlägen aufrufe: "Mit gezielten Anleitungen zur selbstständigen Durchführung von Anschlägen versucht AQAH Einzeltäter zu Attacken in ihren Herkunftsländern zu motivieren."

Auch der IS breitet sich aus

Auch der sogenannte Islamische Staat festigt laut BND im Jemen seine Präsenz, da er derzeit vor allem in seinem ursprünglichen Einflussgebiet im Irak unter Druck gerät.

Die Nahost-Zeitung "Arab News" berichtet, dass die saudische Regierung den IS im Vergleich mit Al-Kaida als die größere Gefahr ansehe.

Allerdings sorgen die Terroristen inzwischen auch in anderen Ländern für Angst und Schrecken.

In Pakistan verübte der IS Mitte Februar einen Anschlag auf einen Schrein der Sufi-Minderheit. Mehr als 80 Menschen starben dabei. Am vergangenen Wochenende kamen bei einem weiteren Massaker an einem Sufi-Schrein wieder mehr als 20 Menschen ums Leben.

Nur politische Lösung könnte Stabilität bringen

Experten sind sich einig, dass für die Bekämpfung des Terrorismus eine stabile politische Situation in den Ländern unerlässlich ist. "Der einzige Weg, eine Verschlimmerung zu verhindern, ist eine friedliche Lösung für den Konflikt, der schon viel zu lange dauert", twitterte der UN-Sondergesandte Ismail Ould Cheikh Ahmed vor einigen Tagen zur Situation im Jemen.

Die EU-Außenminister stellten sich am Montag hinter Ahmeds diplomatische Bemühungen. Allerdings klangen die Appelle an die Konfliktparteien eher hilflos – von einer friedlichen Lösung am Verhandlungstisch sind Konflikte wie der im Jemen weit entfernt.