Der zweitälteste Sohn der britischen Königin war ein Freund des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein - und hat sich nun erstmals dazu geäußert. Prinz Andrews Urteil über sich selbst: "Enttäuschend."

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Prinz Andrew bereut eigenen Angaben zufolge den Aufenthalt bei dem mittlerweile verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. In einem am Freitag veröffentlichten Auszug aus einem BBC-Interview sagte der 59-Jährige, sein Verweilen bei Epstein sei "für ein Mitglied der Königlichen Familie nicht geziemend" und "enttäuschend".

Der US-Multimillionär Epstein hatte sich Anfang August in einem Gefängnis in Manhattan das Leben genommen. Dem bereits als Sexualstraftäter verurteilten Immobilienmogul wurde vorgeworfen, minderjährige Mädchen zur Prostitution gezwungen zu haben.

Prinz Andrew war einer von vielen prominenten Freunden Epsteins und steht deswegen in der Kritik. Immer wieder waren Aufnahmen aufgetaucht, die Andrew mit Epstein oder in dessen Anwesen in New York zeigten - selbst nachdem der Multimillionär bereits eine erste Gefängnisstrafe wegen der Vorwürfe abgesessen hatte.

Bereits im Sommer hatte sich der zweitälteste Sohn von Königin Elizabeth II. zu einer Erklärung genötigt gefühlt und beteuert, von den Machenschaften Epsteins nichts gewusst zu haben: "Ich habe Mr. Epstein 1999 kennengelernt", sagte Andrew. "Während der Zeit, als ich mit ihm bekannt war, sah ich ihn unregelmäßig und wahrscheinlich nicht mehr als ein- oder zweimal im Jahr. Ich war in einer Reihe seiner Anwesen zu Gast."

In dem BBC-Interview, das am Abend ausgestrahlt werden soll, äußerte er sich nun erstmals über den Missbrauchsskandal um Epstein. Demzufolge sagte Andrew, er trete sich täglich selbst dafür, dass er auch nach der Verurteilung noch bei Epstein gewesen sei. Vielmehr bemühe sich die Königliche Familie, die höchsten Standards und Bräuche aufrechtzuerhalten. Er habe enttäuscht, so einfach sei das.

Der Prinz wiederholte, er habe keine Erinnerung an ein Treffen mit einer Frau, die sage, sie sei im Alter von 17 Jahren mehrmals zu Sex mit ihm gezwungen worden. Andrew hatte bereits mehrmals beteuert, diese Behauptung sei unwahr.

Bei den Ermittlungsbehörden ist der Fall Epstein auch nach dem Tod des Unternehmers nicht abgeschlossen. Die französische Polizei hatte zuletzt einen internationalen Zeugenaufruf gestartet. Die Ermittler suchen nach Zeugen und Opfern sexueller Belästigung oder sexuellen Missbrauchs.

Epstein soll zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut haben. Opfer und Komplizen sollen Berichten zufolge auch aus Frankreich stammen. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete Ende August Vorermittlungen ein. In diesem Zusammenhang wurden auch Epsteins Wohnung und eine Modelagentur in Paris durchsucht.  © SPIEGEL ONLINE