Alle gegen alle: In den Streit um Jan Böhmermanns Schmähgedicht über Recep Tayyip Erdogan mischt sich nun auch Bernd Lucke ein. Auf Twitter nennt er den Satiriker eine "feige Drecksau" und verweist damit auf einen Gastbeitrag, in dem er sich hinter den türkischen Präsidenten stellt. Vor kurzem sah das noch etwas anders aus.

Es war ruhig geworden um den einstigen Chef der Alternative für Deutschland (AfD). Nach seinem Ausscheiden aus der AfD hat Bernd Lucke zwar eine neue Partei gegründet, die Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA) - doch anknüpfen an den Erfolg der AfD und deren medialer Aufmerksamkeit konnte er damit bisher nicht.

Doch Lucke weiß gut auf aktuelle Themen aufzuspringen. Und so setzt er im Streit um Jan Böhmermanns Schmähgedicht gegen Erdogan gezielt einen oben drauf und nennt den Satiriker auf Twitter eine "feige Drecksau".

Böhmermann sei "gemein und feige", weil er wisse, dass er 90 Prozent der Leute hinter sich habe.

Ganz gezielt verweist Lucke damit auf einen Gastbeitrag für das Nachrichtenportal "Focus Online", der am Samstag veröffentlicht wurde. Dort tobt sich der ALFA-Vorsitzende verbal über die Causa Böhmermann und den Umgang mit dem türkischen Präsidenten aus.

Erdogan, so Lucke, sei der Buhmann der Nation. "Ihn abzuwatschen, ist leichtes Spiel. Da klatscht das Publikum, weil es den ungeliebten Erdogan erwischt. Da lacht es über die primitiven Vulgaritäten. Nicht weil sie lustig sind, sondern aus Verlegenheit", schreibt Lucke.

Er sei nicht auf Erdogans Seite. Allerdings stellt er sich bezüglich des Umgangs mit selbigen hinter den Präsidenten.

"Gewiss: Erdogan ist alles andere als eine Lichtgestalt der Demokratie, der Pressefreiheit und des Minderheitenschutzes. Keine Frage. Aber das gilt für die meisten Staatslenker unserer Welt. Doch anders als viele korrupte Kleptokraten hat Erdogan sein Land nicht ruiniert. Ganz im Gegenteil: Er hat die Türkei zum Erfolg geführt."

Lucke lobt Erdogan

Lucke wertet Erdogans Wirtschaftspolitik als großen Erfolg. Er lobt den Präsidenten als starke Kraft in der Flüchtlingskrise und kritisiert zugleich den Umgang mit dem Staatsmann.

"In Europa reden wir gerne despektierlich über Erdogan. Aber seine Erfolge müssten wir ihm erst einmal nachmachen. Während die Türkei boomt, kämpft die EU gegen Krisen und Stagnation", schreibt Lucke weiter.

"Böhmermann hat Erdogan mit Dreck und Schweinereien überschüttet. Und deshalb sage auch ich, was man nicht sagen darf: Böhmermann ist eine feige Drecksau", so Lucke zum Schluss des Beitrags.

Noch vor Kurzem äußerte sich Lucke noch ganz anders über den Fall Böhmermann. In einem Interview mit "Mittelbayerische.de" stellte sich der einstige AfD-Chef hinter den Satiriker. "In Deutschland herrscht Pressefreiheit. Ich finde Herrn Böhmermann nicht immer so lustig wie er sich lustig findet, aber er darf sagen, was er will, auch wenn es unterste Schublade ist." (far)