Wagt US-Präsident Barack Obama doch einen Alleingang in der Syrien-Frage? Israel, engster Verbündeter der USA in der Region und gewöhnlich gut informiert, richtet sich auf einen US-Militärschlag ein und ergreift Maßnahmen gegen syrische Vergeltungsschläge. Unterdessen betont Deutschland erneut, sich militärisch nicht engagieren zu wollen.

Israel hat eine Raketenabwehrbatterie vom Typ "Eisenkuppel" bei Tel Aviv in Stellung gebracht, wie eine Militärsprecherin bestätigte. Im Großraum Tel Aviv, zu dem auch viele umliegende kleinere Städte gehören, leben etwa 3,2 Millionen Menschen. Das entspricht mehr als 40 Prozent der Gesamtbevölkerung Israels. Im vergangenen November hatte ein solches Abwehrsystem mehrere aus dem Gazastreifen auf Tel Aviv abgefeuerte Raketen abgefangen.

Israel schließt nicht aus, dass es bei einer militärischen Reaktion des Westens auf den Giftgaseinsatz mit hunderten Toten in Syrien von dort aus unter Beschuss geraten könnte. Sehr wahrscheinlich sei dies aber nicht, sagte ein Sprecher von Regierungschef Benjamin Netanjahu. Weder das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad noch die mit ihm verbündete südlibanesische Schiiten-Miliz Hisbollah seien zurzeit an einem Schlagabtausch mit Israel interessiert.

Russland will UN-Resolution blockieren

Unterdessen will Russland mit seinem Vetorecht im Weltsicherheitsrat eine UN-Resolution für einen Militäreinsatz in Syrien weiter verhindern. "Russland lehnt jeden Beschluss des Weltsicherheitsrates ab, der die Möglichkeit einer Gewaltanwendung vorsieht", sagte Vizeaußenminister Gennadi Gatilow am Freitag der Agentur Itar-Tass. Moskau ist ein enger Partner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und hatte bereits mehrmals ein härteres Vorgehen gegen das Regime verhindert.

Deutschland wird sich nach den Worten von Außenminister Guido Westerwelle an einem internationalen Militärschlag gegen Syrien nicht beteiligen. "Eine solche Beteiligung ist weder nachgefragt worden noch wird sie von uns in Betracht gezogen", sagte der FDP-Politiker der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag). Das Grundgesetz und die Rechtsprechung setzten hier enge Grenzen.

Wegen des mutmaßlichen Einsatzes von Giftgas durch die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad hatte die Bundesregierung seit Beginn der Woche bislang zwar "Konsequenzen" verlangt, sich die verschiedenen Optionen aber offengehalten. Westerwelle erklärte nun weiter: "Wir drängen darauf, dass der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu einer gemeinsamen Haltung findet und dass die Arbeit der UN-Inspektoren möglichst schnell abgeschlossen wird."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte dazu am Donnerstag auch mit US-Präsident Barack Obama telefoniert. Merkel sprach sich nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert dafür aus, den mutmaßlichen Giftgasangriff im UN-Sicherheitsrat zu behandeln, damit dieser "seiner Verantwortung gerecht werden" könne. Beide vereinbarten, sich weiterhin eng über eine mögliche internationale Reaktion abzustimmen. Doch die Zeit läuft Obama davon, will er nicht bald als Papiertiger dastehen. Und aufhalten lassen wird er sich von deutschen Bedenken ohnehin nicht. (jfi/dpa)