Die Terrormiliz Islamischer Staat hat offenbar ein Erdöl-Problem. Einem Medienbericht zufolge verdient der IS weit weniger mit Erdöl als gedacht. Zudem bahnt sich ein neues Bündnis gegen die Islamisten an: Obama soll mit dem Iran eine Zusammenarbeit planen.

Bei der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) läuft das Geschäft mit Erdöl schlecht. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" vom Freitag unter Berufung auf eine vertrauliche Analyse des BND. Die Einnahmen betragen demnach weniger als hundert Millionen Dollar im Jahr.

Ölproduktion im Niedergang

Wie die "SZ" berichtet, war in der Vergangenheit teilweise unter Verweis auf amerikanische Sicherheitskreise von Öl-Einnahmen des IS in Höhe von einer Milliarde Dollar jährlich berichtet worden.

Einige Experten gingen sogar von Jahreserlösen in Höhe von zwei bis drei Milliarden Dollar jährlich aus. Der BND hält laut "SZ", WDR und NDR die Spekulationen über derart hohe Einnahmen für "weit übertrieben" und geht von Einnahmen des IS aus dem Ölgeschäft von weniger als hundert Millionen Dollar im Jahr aus.

Die Ölproduktion sei im Niedergang, Ölexporte würden auch durch die Luftschläge der von den USA geführten Koalition zunehmend erschwert, es fehle an Experten zum Betreiben der Anlagen in Syrien und im Irak. Den größten Teil der noch vorhandenen Ölförderung verbrauche der IS in den von ihm kontrollierten Gebieten weitgehend selbst. Eine ausreichende Versorgung der Zivilbevölkerung könne der IS derzeit nicht leisten.

IS weiterhin reichste Terrorgruppe

Dennoch gilt nach den Berichten der drei Medien der IS weiterhin als reichste Terrorgruppe der Welt. Ihr Vermögen werde von einigen Nachrichtendiensten auf weit über eine Milliarde Dollar geschätzt. Die Gelder stammten unter anderem aus Erpressung, Kunstraub, Entführungen und Schmuggelgeschäften. Früher sei angeblich Erdöl die Haupteinnahmequelle gewesen. Heute seien es angeblich die Steuern. Auch kontrolliere der IS mittlerweile einen Großteil des Weizenhandels im Irak.

Gemeinsame Sache mit dem Iran?

Zudem wurde bekannt, dass US-Präsident Barack Obama offenbar gemeinsam mit dem Iran gegen die Terrormiliz Islamischer Staat vorgehen will.

Obama hat nach einem Bericht des "Wall Street Journal" dem Iran Interesse an einer möglichen Zusammenarbeit im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) signalisiert. Er habe bereits Mitte Oktober einen geheimen Brief an den obersten Führer in Teheran, Ajatollah Ali Chamenei, geschrieben, berichtet die Zeitung am Donnerstag.

Voraussetzung einer Zusammenarbeit sei allerdings eine Einigung bei den gegenwärtigen Verhandlungen im Atomstreit mit Teheran. Die Zeitung beruft sich auf namentlich nicht genannte Quellen.

In Washington gibt es zwar seit längerem Spekulationen, dass Iran und die USA ihre Kräfte im Kampf gegen die IS bündeln könnten. Hintergrund: Die meisten Iraner sind Schiiten, die Terrormilizen gehören der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam an.

Gespräche hinter den Kulissen

Die Bekämpfung der Terrormiliz - die in Nahost ein großes Kalifat aufbauen will - gehört auch zu den strategischen Zielen Teherans. Die USA bombardieren seit Wochen IS-Stellungen in Syrien und im Irak.

Das Weiße Haus wollte am Donnerstag zu dem Bericht Stellung zunächst nicht Stellung nehmen. Regierungssprecher Josh Earnest sagte, er könne nichts zu "privaten Korrespondenzen" des Präsidenten sagen.

Earnest betonte allerdings, die USA würden im Kampf gegen die Terrormilizen nicht militärisch mit dem Iran zusammenarbeiten. Man gebe auch keine Geheimdiensterkenntnisse weiter.

Allerdings räumte Earnest ein, dass es hinter den Kulissen Gespräche gegeben habe. (far/dpa)