Seit gestern ist Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Bei der traditionellen Einführungsveranstaltung wurde dem Republikaner das höchste politische Amt der USA übertragen. Den populistischen Ton hielt er in der darauffolgenden Antrittsrede abermals bei. So reagierte die internationale Presse auf die Amtseinführung.

  • Spiegel Online: Die Welt muss sich um sich selbst kümmern

    Aus den Trümmern einer vollkommen zerstörten Nation ist ein Volkstribun aufgestiegen, der den vergessenen Massen endlich wieder zu ihrem Recht verhelfen wird - das ist die Botschaft des frisch eingeschworenen Anführers der Vereinigten Staaten von Amerika. Nicht mehr der freien Welt, das hat er klargemacht, die muss sich jetzt selbst um sich kümmern. Ihm geht es nur noch um Amerika.
  • Politico (USA): "Trump zeichnet dunkles Amerika, das nur er retten kann"

    Präsident Donald Trump hämmerte in einer unverschämt populistischen Eröffnungsrede auf die etablierte Washingtoner Ordnung ein und verkaufte sich als die Stimme der "vergessenen Männer und Frauen" und als Erlöser für ein Land, das er in auffallend dunklen Tönen beschrieb.
  • The Independent (Großbritannien): "Donald Trump hat die Demokratie untergraben, sobald er als Präsident vereidigt war"

    Die Menschen haben Politiker immer als selbstsüchtig angesehen, aber das ist etwas anderes. Trump hat nicht nur einzelne Politiker demontiert, sondern die komplette politische Klasse und das politische System, das ihn dorthin gebracht hat, wo er ist.
  • El País (Spanien): "Trumps Amtsantritt bestätigt den Pessimismus"

    Der Amtsantritt von Trump bestätigt den Pessimismus über den neuen US-Präsidenten (...) Wir wussten bereits, dass Trump nicht wie ein Präsident reden kann. Und wir bezweifeln, dass er in der Lage sein wird, wie einer zu handeln. Jetzt gilt es, innerhalb und außerhalb der USA wachsam zu bleiben.
  • Ouest-France (Frankreich): "Trump schürt Stimmung gegen Deutschland"

    Für Donald Trump zählt die Europäische Union nicht. (...) Er hofft sogar, dass andere Länder dem britischen Beispiel folgen werden. Donald Trump greift auch Deutschland an. Er sieht das Land als hegemonial und entschlossen, sich der Europäischen Union zum Zweck seiner eigenen Größe zu bedienen.Dabei wissen wir, dass Deutschland nicht der einzige europäische Anführer sein will und oft über die Schwäche Frankreichs klagt, das man dort häufig "die Grande Nation" nennt. (...) Aber Donald Trump sät den Zweifel und schürt einen Anti-Germanismus, der hier und da schlummert. Zum ersten Mal seit 1945 stellt ein Präsident der Vereinigten Staaten die Zusammenarbeit zwischen Amerika und der Europäische Union infrage.
  • Der Standard (Österreich): "Populismus pur im Weißen Haus"

    Er watschte nicht nur seinen nunmehrigen Vorgänger Barack Obama ab, sondern gleich die ganze Washingtoner Klasse, die Eliten. Die Politiker seien reich geworden, das Establishment habe sich selbst geschützt, schnaubte der vom Wutbürger zum wütenden Präsidenten gewordene Trump und versprach: Der 20. Jänner werde in die Geschichte eingehen als Tag, an dem die Macht von Washington wieder zurück in die Hände des Volkes gelegt werde. Mit dieser Rede ist Trump sich und seinen Wahlversprechen treu geblieben.
  • De Volkskrant (Niederlande): "Trump hat seinen Kopf in die Schlinge gesteckt"

    In letzter Zeit hat man oft gehört, dass wir abwarten sollen, was Präsident Trump tatsächlich tun wird und dass vielleicht alles nicht so schlimm kommen wird. (…) Aber es ist unwahrscheinlich.Wer Trump schwadronieren hörte, bekam den Eindruck, dass die Welt aus Amerika besteht sowie aus Ländern, die Amerika ausnehmen und kaputtmachen wollen. Ein überschaubares Weltbild, das Trump nun eigenhändig korrigieren wird. Von heute an heißt es, wie Trump sagt, nur noch "America first".
  • La Libre Belgique (Belgien): "Vier sehr lange Jahre für die Europäer"

    Die Amtseinführungs-Rede von Präsident Trump macht deutlich, dass die Vereinigten Staaten unter seiner Herrschaft, wieder auf sich selbst zurückfallen und die Führung der Welt aufgeben werden.
  • Sydney Morning Herald (Australien): "Es kommen Turbulenzen auf uns zu"

    "Trump befehligt nun die größte wirtschaftliche und militärische Macht der Welt. Aber er hörte sich an, als habe er gerade Venezuela übernommen (...) Wie sagen die Flugbegleiter zu den Passagieren: 'Bitte bleiben Sie auf ihren Plätzen. Schnallen Sie sich an. Es kommen Turbulenzen auf uns zu.'"
  • Politiken (Dänemark): "Welt ist mit Trump als Präsident nicht sicherer"

    Die Welt ist gestern nicht sicherer geworden, wenn Donald Trump (...) politischen Widerspruch mit der Wut eines egozentrischen Alleinherrschers begegnet. Die Demokratie ist gestern auch nicht stärker geworden, falls Trump die USA wie erwartet führen wird, wie er bislang seine Geschäfte geführt hat: alleinherrschend, unwidersprochen und nepotistisch.Donald Trump ist das Symbol eines neuen Anfangs, dessen Ende viele fürchten. Während Barack Obama auf einer Welle der Begeisterung regiert hat, wurde Donald Trump gestern von einer Welle der Wut ins Amt gehoben.
  • Lidove noviny (Tschechien): "Trump gibt sich als paternalistischer Beschützer"

    Die Probleme, die Donald Trump hervorhebt, sind real. Doch er bleibt bei seiner negativen Abgrenzung gegenüber dem Establishment, gegenüber Washington selbst und gegenüber dem Ausland, das US-Amerikaner angeblich nur bestiehlt. Als vor 156 Jahren Abraham Lincoln als erster republikanischer US-Präsident seine Antrittsrede vortrug, da versprach er "Groll gegen niemanden" und "Nächstenliebe für alle".Auch Trump sagte: "Wir teilen ein Herz, eine Heimat." Doch sein Appell an die Einheit klang nicht liebevoll, sondern paternalistisch und beschützend - ganz als ob dieser Vater und Beschützer des amerikanischen Volkes nur Trump selbst wäre. Willkommen in einer neuen Ära!
  • Times (USA): Trump kann als Präsident erfolgreich sein

    "Diese Präsidentschaft kann Erfolg haben, aber nur, wenn Trump seine öffentliche Rhetorik mit Flexibilität und einem gewissen Maß an Bescheidenheit verbindet."
  • Magyar Idök (Ungarn): Es kommt auf die Ergebnisse an

    "Dutzende Millionen Menschen, die gegen die bestehenden Verhältnisse revoltiert und ihr Vertrauen in Trump gesetzt haben, wollen jetzt Ergebnisse sehen."

(juv)