Hongkong: Gewalt zwischen Demonstranten und der Polizei eskaliert

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Hongkong kommt nicht zur Ruhe. Nach schweren Ausschreitungen am Vortag kommt es erneut zu heftigen Zusammenstößen. (Mit Material der dpa)

Hongkong kommt nicht zur Ruhe. Nach dem gewaltsamen Montag sind auch am Dienstag die Proteste und Ausschreitungen weitergegangen. Vom frühen Morgen an blockierten Demonstranten Straßen.
Tausende Hongkonger ziehen durch die Straßen, um gegen die Regierung und Polizeigewalt zu protestieren. Vielerorts kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei.
Am Montag hatte ein Polizist einem Demonstranten in den Bauch geschossen. Der Zustand des 21-Jährigen soll sich laut Krankenhausbehörde inzwischen gebessert haben.
Insgesamt wurden 99 Menschen bei den Protesten allein am Montag verletzt, wie die Behörden mitteilten. Die Polizei nahm 287 Menschen fest.
Die Prosteste in Hongkong dauern mittlerweile seit mehr als fünf Monaten an. Schauplätze der Kämpfe zwischen Demonstranten und der Polizei sind immer wieder die Einkaufszentren in verschiedenen Stadtteilen.
Ein Obdachloser wird von medizinischen Helfern behandelt, nachdem er während einer Demonstration Tränengas ausgesetzt war.
Die Polizei kontrolliert Kunden eines McDonalds-Restaurants in einem der Einkaufszentren.
Ein Journalist flüchtet vor dem Tränengas im Tsuen Wan Bezirk.
Die Hongkonger protestieren unter anderem gegen den wachsenden Einfluss Chinas auf die ehemalige Kronkolonie. Seit der Rückgabe an China 1997 wird Hongkong nach dem dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert.
Wegen der eskalierenden Gewalt forderten die USA die Hongkonger Regierung und die Demonstranten sowie die übrigen Bürger eindringlich zum Dialog auf.
Eine Sprecherin des US-Außenministeriums forderte die chinesische Regierung auf, "Anstrengungen [zu] unternehmen, die Sorgen auszuräumen, die den Protesten zugrunde lägen ".
Hongkong müsse, so die Sprecherin weiter, ein hohes Maß an Autonomie gewährt werden und die Bürger sollten Meinungsfreiheit und die Freiheit der friedlichen Versammlung genießen können.
Regierungschefin Carrie Lam nennt die Aktionen der Protestierenden allerdings "extrem egoistisch". Sie wies Forderungen zurück, die Schulen am Dienstag wegen der neuen Proteste geschlossen zu halten.
Ursprünglicher Auslöser der Proteste waren Pläne von Regierungschefin Lam für ein Auslieferungsgesetz. Damit hätten bereits Personen, die vom chinesischen Justizsystem verdächtigt werden, an China ausgeliefert werden können.
Das Gesetzt ist längst begraben. Solange jedoch weitere Forderungen der Demonstranten - freie Wahlen, eine unabhängige Untersuchung von Polizeibrutalität, Straffreiheit und auch der Rücktritt von Lam - nicht erfüllt sind, werden die Proteste sicher weitergehen.