Hillary Clinton wird sich um das Amt des amerikanischen Präsidenten bewerben. Die Popularität und Erfahrung der ehemaligen First Lady sprechen für sich – aber reicht allein das aus? Womit punktet Clinton und was könnte ihren Einzug ins Weiße Haus behindern?

Was war nicht alles gemunkelt worden in den vergangenen Jahren: Tritt sie irgendwann an oder lässt sie es am Ende doch bleiben? Jetzt hat Hillary Clinton alle Spekulationen beendet. "I’m running for president", ließ sie Amerika am Wochenende wissen. Damit hat die Ehefrau von Ex-US-Präsident Bill Clinton es offiziell gemacht: Sie steigt ein in das Rennen um die Präsidentschaftswahl 2016 in den Vereinigten Staaten.

Nur wenige Gesichter dürften in der amerikanischen Politik ähnlich bekannt sein wie das von Clinton. Seit Jahrzehnten ist sie in Medien und Gesellschaft präsent. Allein schon deshalb sehen viele Kommentatoren die 67-Jährige bereits jetzt als große Favoritin. Aber hat sie tatsächlich das Zeug zur Präsidentin? Ein Überblick über die Pros und Contras ihrer Kandidatur.

Clintons politische Erfahrung: Fluch oder Segen?

Hillary Clinton kann auf eine Karriere blicken, wie sie sich viele Politiker wünschen würden. Sie ist Anwältin und Jura-Professorin, ehemalige Senatorin im Kongress, ehemalige First Lady und auch noch ehemalige Außenministerin an der Seite von Präsident Barack Obama.

Clinton hat es dabei stets geschafft, alle echten und vermeintlichen Affären und Skandale abzuschütteln. Man denke nur an das Techtelmechtel ihres Mannes mit der Praktikantin Monica Lewinsky. Gleiches gilt jedoch auch für die Politik. "Clinton hat eine nicht ganz unproblematische Vergangenheit in der eigenen Partei mit ihrer Zustimmung zum Irak-Krieg", erklärt Hubert Zapf, Professor für Amerikanistik an der Universität Augsburg. Jahre später entschuldigte sie sich für ihr Urteil, das sie 2002 als Senatorin traf. Ihrem politischen Aufstieg tat die Entscheidung jedenfalls keinen Abbruch.

Doch gerade wegen ihrer jahrzehntelangen Erfahrung muss Clinton auch auf der Hut sein: Konservative Kritiker werfen ihr vor, außenpolitisch zu wenig getan zu haben, unter keinem Friedensvertrag stehe ihre Unterschrift. Ihre politischen Gegner dürften zudem versuchen, die Professorin als volksfremd zu zeichnen. Als jemand, der die inneren Zirkel der Washingtoner Politik besser kennt als die Bedürfnisse der Menschen im Land. "Im Wahlkampf geht es immer auch darum, sich vom Washingtoner Establishment abzusetzen", sagt Michael Hochgeschwender, Professor am Amerika-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Als Ex-First-Lady im Schatten von Bill Clinton?

Die Clinton-Familie ist ähnlich den Kennedys eine der bekanntesten der USA. Doch das – und insbesondere die Präsidentschaft von Bill Clinton – kann nicht nur ein Segen sein: "Der Name Clinton ist auch eine Belastung", sagt Hochgeschwender. Viele Republikaner erinnern sich noch gut an die Gräben, die sich zwischen Präsident Bill und den Republikanern auftaten. Doch andererseits: "Viele Republikaner hassen heute Obama noch mehr."

Und dann ist da natürlich noch die Rolle als ehemalige First Lady. Haftet ihr dieses Bild an oder werden die Menschen in ihr auch die Präsidentschaftsanwärterin sehen? Hochgeschwender weiß, was Clinton zugute kommt: "Sie war nie eine klassische Präsidentschaftsgattin, die sich nicht um Politik kümmert." Als erste Ehefrau eines Präsidenten überhaupt sei sie von ihrem Mann für ein politisches Amt beauftragt worden: In den 1990er Jahren kümmerte sie sich um die Reform des Gesundheitssystems, die jedoch am Ende scheiterte.

Auch Amerika-Forscher Zapf ist überzeugt: "Ihre Rolle als ehemalige First Lady könnte am Anfang noch für Spekulationen in den Medien sorgen. Aber diese Erfahrung ist ein großer Vorteil für Clinton: Sie kennt sich in Washington ganz genau aus und weiß, wie die Republikaner reagieren." Anders als bei ihrer Niederlage gegen Barack Obama in den Vorwahlen 2008, wird sich ihr Mann diesmal auch eher im Hintergrund halten. Zumindest ein Thema greift Hillary von ihm auf, mit er schon in den 1990er Jahren punkten konnte und das sie nun auch betonen will: soziale Gerechtigkeit.

Das politische Erbe Obamas – eine Belastung?

Keine Frage, die Beziehung zwischen Republikanern und Demokraten ist zerrüttet wie nie. Könnte der Hass auf Obama am Ende auch Clintons Kandidatur gefährden? Immerhin gehören beide zur demokratischen Partei. Experten sehen darin kaum ein Problem. "US-Kandidaten führen in erster Linie nicht Partei-, sondern Personenwahlkämpfe", sagt Hochgeschwender. Wichtiger sei es da schon, sich von seinen Vorgängern abzugrenzen. Und auch Zapf glaubt: "Je näher der Wahltermin rückt, desto wichtiger werden Clintons persönliche Auftritte und desto genauer wird auch auf ihre Fehler geschaut."

Welcher Republikaner könnte Clinton herausfordern?

Innerhalb der Demokraten dürfte Clinton ein Sieg bei den Vorwahlen nur schwer zu nehmen sein. Aber was macht die Konkurrenz bei den Republikanern? Das größte Potenzial hat laut Hochgeschwender dort Jeb Bush, der Bruder des ehemaligen Präsidenten: Er gilt als Mann des Mainstreams und "hat ein Gespür für die nötigen Reformen in der eigenen Partei". Fraglich bleibt nur, ob er sich in den Vorwahlen auch gegen radikalere Kandidaten aus der eigenen Partei durchsetzen kann.

Gelingt ihm das, würde auch Clinton vor einer weiteren Herausforderung stehen. Denn Bush könnte bei einer wichtigen Minderheit erfolgreich um Stimmen werben: den Latinos. Der Kandidat spricht selbst Spanisch und ist mit einer Latina verheiratet. Für Clinton heißt das: Sie muss vermehrt die spanischsprachigen Teile der Bevölkerung umgarnen, um dieses Feld nicht den Republikanern zu überlassen.

Fazit: Hillary Clintons politische Karriere ist nicht ohne Makel, auch der Name ihrer Familie nicht unbelastet. Doch wägt man alle Aspekte ihrer Kandidatur ab, dann überwiegen die Chancen. Denn ihre politische Erfahrung und Bekanntheit in den USA sind nur schwer zu toppen. Gelingt es Clinton, sich als volksnah zu präsentieren und die richtigen Themen anzugehen, könnte sie tatsächlich Amerikas nächste Präsidentin werden.