Rund 4,4 Millionen Menschen waren in Hessen zur Wahl aufgerufen. Die ersten Hochrechnungen zeigen: CDU und SPD verlieren heftig, die Grünen und die AfD sind der große Wahlgewinner. Laut den ersten Zahlen sind am Ende sechs Parteien im Landtag in Wiesbaden.

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Live-Ticker zur Hessen-Wahl in Kürze

20:15 Uhr: Hochrechnungen: Schwarz-Grün muss um Mehrheit bangen

Die schwarz-grüne Regierungskoalition muss den derzeitigen Hochrechnungen zufolge um ihre Mehrheit zittern. Laut Berechnungen des ZDF von 20.00 Uhr fehlt CDU und Grünen eine Stimme zur absoluten Mehrheit im Landtag. Die Parteien kämen zusammen auf 62 von 124 Sitzen, nötig wären aber 63.

Die ARD geht hingegen in einer Hochrechnung von 19.57 Uhr von einer Stimme Mehrheit für Schwarz-Grün aus. Beide Parteien kämen demnach zusammen auf 61 von 121 Sitzen. In den Zahlen sind jeweils Überhangs- und Ausgleichsmandate eingerechnet.

Eine klare Mehrheit sehen ARD und ZDF derzeit nur für eine Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP. Die CDU kommt auf 27,2 (ZDF) und 27,4 Prozent (ARD). Grüne und SPD liegen sehr nah beieinander.

Das ZDF sieht sie jeweils bei 19,6 Prozent, die ARD bei 19,6 Prozent (SPD) und 19,5 Prozent (Grüne). Die Linke kommt auf 6,0 bis 6,4 Prozent, die FDP erhält 7,8 Prozent der Stimmen. Die AfD schafft mit 12,8 bis 13,0 Prozent erstmals den Einzug in den Landtag.

19:48 Uhr: Bouffier sieht nach Hessen-Wahl "Weckruf" für Berlin

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sieht im Ergebnis der Landtagswahl einen "Weckruf" für Berlin. "Die Botschaft, die man von Hessen natürlich nach Berlin geben kann und muss: Die Menschen möchten weniger Streit, sie möchten sachorientierte Arbeit", sagte er im Hessischen Rundfunk.

Und weiter: "Die große Koalition hat ja sogar einiges durchaus Ordentliches auf den Weg gebracht. Das ist aber kaum durchgedrungen - der Streit hat alles überlagert. Die Botschaft für Berlin ist völlig klar: ordentlich regieren."

Die Aussage von Bouffier kann auch als Seitenhieb auf Kanzlerin Angela Merkel gedeutet werden - vor allem weil er als einer ihrer Vertrauten gilt.

Zuvor hatte sich die SPD ähnlich über die Ursachen des Wahldebakels geäußert.

19:42 Uhr: FDP-Spitzenkandidat Rock: Liberale offen für Jamaika-Koalition

Ähnlich wie zuvor Christian Lindner (19:19 Uhr) hat sich nun auch der FDP-Spitzenkandidat Rene Rock geäußert. Er ist prinzipiell offen für ein Jamaika-Regierungsbündnis mit CDU und Grünen. "Ja, wir würden sondieren und wollen gucken, ob wir es hinbekommen", sagte er im ZDF.

Eine solche Koalition sei in Hessen einfacher zu bilden als im Bund. "Wir würden uns natürlich freuen, unsere Politik umsetzen zu können", sagte Rock.

19:41 Uhr: Grünen-Spitzenkandidat Al-Wazir offen für Gespräche mit CDU

Die hessischen Grünen haben sich grundsätzlich offen für eine erneute schwarz-grüne Koalition gezeigt. Natürlich werde man, wenn es rechnerisch möglich sei, miteinander sprechen, sagte Grünen-Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir in der ARD.

Das gelte für alle demokratischen Parteien. "Das ist unser historisch bestes Ergebnis, so grün war Hessen noch nie", ergänzte Al-Wazir.

19:19 Uhr: Lindner signalisiert Bereitschaft zu Koalitionsgesprächen in Hessen

Nach aktuellem Stand wird die Findung einer Mehrheit nicht leicht in Hessen. Schwarz-Grün hat je nach Hochrechnung wenn überhaupt nur eine hauchdünne Mehrheit, andere Zweierbündnisse sind ausgeschlossen.

Das heißt, dass die FDP Zünglein an der Waage sein könnte. Die FDP ist nach den Worten von Parteichef Christian Lindner grundsätzlich auch zu Koalitionsgesprächen in Hessen bereit.

"Wir stehen immer zur Verfügung, wenn es darum geht, Regierungsbeteiligungen einzugehen", sagte er im ZDF auf die Frage, ob die FDP zu Jamaika-Gesprächen mit CDU und Grünen bereit sei. "Die einzige Voraussetzung ist, es muss ein partnerschaftliches Miteinander sein und es müssen Inhalte möglich sein." Dazu zählten etwa eine Stärkung der Bildungspolitik und der wirtschaftlichen Freiheit sowie ein Ausbau der Infrastruktur in Hessen.

In der ARD fügte er hinzu: "Uns ist heilig, was wir vor Wahlen sagen." Es müsse einen Unterschied machen, ob die FDP in einer Regierung ist oder nicht.

Im ZDF sagte er weiter: "Falls wir in Hessen gefragt werden sollten, falls wir benötigt werden sollten, führen wir Gespräche, allerdings nach dem Modell Schleswig-Holstein, nicht in der Methode Merkel im Jahr 2017." Lindner spielte damit auf den Ausstieg der FDP aus den Jamaika-Sondierungen in Berlin im November 2017 an. Nötig sei ein partnerschaftliches Verhältnis.

19:01 Uhr: FDP-Vize Kubicki: Merkels "Chaostruppe hat fertig"

FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki sieht nach der Landtagswahl in Hessen das Ende der großen Koalition auf Bundesebene näherrücken. "Dass CDU und SPD jeweils um die zehn Prozent verloren haben, hat vor allem mit der miserablen Performance in Berlin zu tun", sagte Kubicki.

Die Zentrifugalkräfte innerhalb der Berliner Koalition würden jetzt nur noch sehr schwer kontrollierbar. "Der hessische Wähler hat deutlich gemacht, dass Angela Merkels Chaostruppe fertig hat."

18:59 Uhr: AfD-Chef Meuthen: "Haben unsere Wahlziele allesamt erreicht"

Neben den Grünen ist die AfD der große Gewinner bei der Hessen-Wahl. Die Partei sitzt jetzt in allen 16 Parlamenten sowie im Bundestag. Nach aktuellen Zahlen kommt die AfD auf über 12 Prozent und ist damit viertstärkste Partei.

Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen hat sich dementsprechend auch zufrieden gezeigt. "Wir haben unsere Wahlziele allesamt erreicht", sagte er mit Blick auf den Einzug seiner Partei in den nunmehr 16. Landtag.

Der Frage nach einer Koalition mit der CDU in Hessen erteilte er eine Absage. "Wir sehen im Moment auch keine Grundlage für eine solche Zusammenarbeit", sagte Meuthen. "Wir machen das, was wir in den anderen Landtagen und im Bundestag auch schon machen: nämlich gute, konstruktive Oppositionsarbeit."

Zuvor hatte Bouffier bereits angekündigt, keine Gespräche mit der AfD über eine Zusammenarbeit führen zu wollen.

18:55 Uhr: Ministerpräsident Bouffier sieht sich nach Wahl weiter im Amt

Hessens CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier geht davon aus, dass er nach der Landtagswahl im Amt bleiben wird. "Wir werden erneut den Anspruch erheben, die Landesregierung in Hessen anzuführen. Wir sind klar stärkste Fraktion", sagte Bouffier. Er kündigte Gespräche mit den anderen Parteien für die nächsten Tage an, nur für die Linke und die AfD werde es keine Einladung geben.

Zugleich räumte Bouffier Verluste für die CDU ein: "Wir haben schmerzliche Verluste erlitten, das macht uns demütig, das nehmen wir ernst." Der Wahlkampf sei stark überlagert worden vom Erscheinungsbild der großen Koalition in Berlin. Die Menschen wünschten sich von ihr weniger Streit und mehr Sachorientierung.

Es seien aber auch zwei zentrale Wahlziele erreicht. Die CDU habe die stärkste Fraktion werden und zugleich sicherstellen wollen, dass gegen sie keine Regierungsbildung möglich sei. Nach dem Stand gegen 18.30 Uhr sei beides gelungen, sagte Bouffier.

18:45 Uhr: Schäfer-Gümbel räumt bittere Niederlage für SPD ein

Nach den herben Verlusten für die SPD bei der hessischen Landtagswahl hat sich Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel enttäuscht gezeigt und die Bundespolitik in die Mitverantwortung genommen. "Das ist eine bittere Niederlage, und da gibt's auch nichts dran herumzudeuteln", sagte er. Die SPD habe die Kompetenz für Themen wie Wohnen und Schulen zugeschrieben bekommen, aber dennoch das Rennen verloren.

"Das Ergebnis zeigt sehr eindeutig, dass die Möglichkeiten begrenzt sind, gegen einen übermächtigen Bundestrend mit den eigenen Themen im Land zu gewinnen", erklärte er. "Wir haben nicht nur keinen Rückenwind aus Berlin erhalten, sondern wir hatten regelmäßig Sturmböen im Gesicht."

18:44 Uhr: Kramp-Karrenbauer räumt schmerzhafte Verluste in Hessen ein

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hat schmerzhafte Verluste ihrer Partei eingeräumt. Allerdings sei das große Wahlziel, Rot-Rot-Grün zu verhindern, erreicht worden.

Es sei außerdem gelungen, "die erfolgreiche Arbeit der schwarz-grünen Regierung unter Führung von Ministerpräsident Volker Bouffier fortsetzen zu können", sagte sie in einer ersten Reaktion auf den Wahlausgang.

18:39 Uhr: Grünen-Chef Habeck: Sind immer bereit, Verantwortung zu übernehmen

Der Grünen-Bundesvorsitzende Robert Habeck sieht seine Partei nach der Wahl in Hessen weiterhin in der Verantwortung für die Politik im Land. "Wir sind immer bereit, Verantwortung zu übernehmen", sagte er. "Ob Zweiter oder Dritter, das ist nicht die entscheidende Frage."

Aus Habecks Sicht zeigt die Wahl auch, dass es eine Tendenz weg von mehr Stimmen für rechtere Parteien gebe. "Wir freuen uns, dass in den letzten Monaten ein Trend gedreht wurde, dass man meinte, Wahlen immer nur am rechten Rand gewinnen zu können.", sagte Habeck.

18:34 Uhr: Hessische SPD-Generalsekretärin von Wahlergebnis "entsetzt"

Die hessische SPD hat sich von ihren Verlusten bei der Landtagswahl schwer enttäuscht gezeigt. Sie sei "entsetzt", sagte Generalsekretärin Nancy Faeser. "Mit diesem Ergebnis haben wir so nicht gerechnet", sagte sie.

Grund sei die Bundespolitik. Es habe nicht nur Gegenwind aus Berlin gegeben, sondern es seien "ganze Sturmböen gekommen". Das Ergebnis sei eine Art Misstrauensvotum gegen die SPD.

Der Landesverband sei zwar im Wahlkampf anfangs mit seinen Themen Wohnraum, Mobilität und Bildung durchgekommen, am Ende habe er sich aber gegen den negativen Trend aus Berlin nicht durchsetzen können. "Ich glaube, dass die SPD in einer tiefen Vertrauens- und Glaubenskrise ist", sagte Faeser.

18:27 Uhr: SPD-Generalsekretär Klingbeil räumt Wahlniederlage ein

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hat die schwere Niederlage seiner Partei bei der Landtagswahl in Hessen eingestanden. "Es war ein schlechtes Ergebnis", sagte er. Nach aktuellen Hochrechnungen hat die SPD knapp 20 Prozent der Stimmen bekommen.

Zwar habe die SPD in Hessen einen Wahlkampf geführt, "der sich wirklich sehen lassen kann". Dass die beiden Koalitionsparteien in Berlin, Union und SPD, schlecht abgeschnitten haben, sei aber ein Zeichen, dass vieles anders werden müsse. Über personelle Konsequenzen wollte Klingbeil nicht spekulieren, allerdings seien intensive Gespräche über die Zukunft nötig. Seine Partei gebe kein "gutes Erscheinungsbild" ab.

18:21 Uhr: Rudolph macht große Koalition für SPD-Ergebnis verantwortlich

Die SPD ist hingegen der größte Verlierer - mit Verlusten mit über zehn Prozent und dem möglichen Verlust von Platz zwei.

Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im hessischen Landtag, Günter Rudolph, hat die große Koalition in Berlin für das schlechte Abschneiden der SPD in Hessen verantwortlich gemacht. "Die große Koalition hat sich mit sich selbst beschäftigt, statt Probleme zu lösen", sagte er im hr-Fernsehen. "Da war ein Orkan aus Berlin, der auf uns nieder gegangen ist."

18:20 Uhr: Grünen-Chefin Baerbock: "So grün war Hessen noch nie"

Der große Gewinner sind die Grünen. Ohne sie ist eine Mehrheit nicht erreichbar - und zudem haben sie über acht Prozent dazu gewonnen.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock hat sich dementsprechend auch begeistert über das gute Abschneiden ihrer Partei bei der hessischen Landtagswahl gezeigt. "So grün war Hessen noch nie", sagte sie. "Die Klimakrise ist mitten in Deutschland angekommen." Die Grünen hätten gerade auch in Hessen gezeigt, dass sie Antworten lieferten und nicht Probleme herbeiredeten. Als Beispiel nannte sie die gute Anbindung von Bus und Bahn im ländlichen Raum.

18:17 Uhr: Kanzleramtschef Braun räumt schwieriges Ergebnis ein

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) hat nach dem Ausgang der Hessen-Wahl eingeräumt, dass die CDU ein "schwieriges Ergebnis" eingefahren hat. Wenn man so viel Prozent verliere - rund zehn Punkte - dann könne man nicht darum herum reden, sagte Braun, der aus Hessen kommt, nach der ersten Prognose.

Allerdings deute sich an, dass Volker Bouffier weiter Ministerpräsident bleiben könne. Der CDU hätten sicherlich die Streitereien der vergangenen Wochen und Monate geschadet.

18:16 Uhr: Erste Hochrechnung ist da

Nach ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF bleibt die CDU von Ministerpräsident Volker Bouffier mit 27,4 bis 27,9 Prozent zwar stärkste Kraft. Es ist aber das schlechteste Ergebnis seit 1966. Die SPD fällt mit 19,8 bis 19,9 Prozent auf einen historischen Tiefststand, die Grünen gewinnen kräftig hinzu und haben mit 19,5 bis 19,7 Prozent sogar noch Chancen auf Rang zwei hinter der CDU.

Die AfD kommt auf 12,1 bis 12,8 Prozent, die FDP auf 7,2 bis 7,5 und die Linke auf 6,6 Prozent.

18:07 Uhr: Lange Wahlnacht erwartet

CDU und SPD verlieren starkt, die Grünen gewinnen und kämpfen um den zweiten Platz. Doch der Wahlabend dürfte lang werden, denn nach der ersten ARD-Prognose hat die amtierende Schwarz-Grüne Koalition in Wiesbaden nur eine hauchdünne Mehrheit.

Laut ZDF ist sogar lediglich eine Jamaika-Koalition möglich. Das heißt aber: Der amtierende Ministerpräsident Volker Bouffier hat gute Chancen im Amt zu bleiben. Denn weder eine Ampel noch eine rot-rot-grüne Koalition hätten eine Mehrheit.

18 Uhr: Die erste Prognose zur Hessen-Wahl

CDU und SPD haben bei der Landtagswahl in Hessen am Sonntag schwere Verluste erlitten. Nach den Prognosen von ARD und ZDF bleibt die CDU von Ministerpräsident Volker Bouffier zwar stärkste Kraft, fährt aber ihr schlechtestes Ergebnis seit 1966 ein. Die SPD stürzt auf einen historischen Tiefststand. Große Gewinner sind die Grünen und die AfD.

Nach den 18-Uhr-Zahlen von ARD und ZDF kommt die seit 1999 regierende CDU auf 27 bis 28 Prozent (2013: 38,3 Prozent) - schlechter abgeschnitten hatte die Partei in Hessen zuletzt 1966 mit 26,4 Prozent.

Spannend ist das Rennen um Platz zwei: Die SPD rutscht ab auf 20 Prozent (2013: 30,7). Die Grünen von Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir machen einen Sprung auf 19,5 bis 20 Prozent (2013: 11,1). Die AfD verdreifacht ihr Ergebnis von vor fünf Jahren nahezu auf 12 bis 13 Prozent (2013: 4,1). Die FDP erreicht 7 bis 7,5 Prozent (2013: 5,0), die Linke 6,5 Prozent und erzielt ihr bisher bestes Ergebnis in Hessen (2013: 5,2).

Den Prognosen zufolge ergibt sich folgende Sitzverteilung: CDU 33 bis 36, SPD 23 bis 27, Grüne 23 bis 27, AfD 14 bis 18, FDP 9 und die Linke 8 bis 9. Wahlberechtigt waren 4,38 Millionen Männer und Frauen, darunter 62 000 Erstwähler.

Bouffier kann nach aktuellem Stand weiterregieren. Das wäre sowohl mit der SPD als auch den Grünen möglich - in beiden Fällen ist die Mehrheit aber hauchdünn.

17 Uhr: Weg zu einer hessischen Regierung kann lang werden

Nach der hessischen Landtagswahl haben die Parteien keinen Zeitdruck, um ein Regierungsbündnis zu schmieden. Die Wahlperiode des bisherigen Landtags endet erst am 17. Januar 2019, einen Tag später tritt laut Landesverfassung der neue Landtag zu seiner ersten Sitzung zusammen.

Üblicherweise wählen die Abgeordneten dann den Ministerpräsidenten. Können sie das wegen fehlender Mehrheiten nicht, führt die bisherige Landesregierung "die laufenden Geschäfte" weiter, wie die Verfassung bestimmt. Die Regierung wäre damit nur noch geschäftsführend im Amt.

Auch nach der vorherigen Landtagswahl 2013 hatte die Regierungsbildung in Hessen gedauert. Gewählt wurde am 22. September. Anschließend führten die Parteien wochenlang in verschiedenen Konstellationen Sondierungsgespräche, um inhaltliche Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede herauszuarbeiten.

Erst zwei Monate nach der Wahl fiel die Entscheidung von CDU und Grünen, miteinander einen Koalitionsvertrag auszuhandeln. Die Einigung stand dann rund einen Monat später fest. Parteitage segneten anschließend die Vereinbarung ab, bevor Volker Bouffier (CDU) und Tarek Al-Wazir (Grüne) einen Tag vor Heiligabend 2013 den Koalitionsvertrag unterzeichneten. Damit hatte die Regierungsbildung drei Monate gedauert.

16 Uhr: Wahlbeteiligung geringer als vor vier Jahren

Bei der hessischen Landtagswahl hat sich bis zum Nachmittag eine etwas niedrigere Wahlbeteiligung als vor fünf Jahren abgezeichnet, damals fand der Urnengang aber auch parallel zur Bundestagswahl statt.

Die Landeswahlleitung in Wiesbaden sprach am Sonntag von 38,8 Prozent bis um 14.00 Uhr. Das hätten Abfragen in den fünf kreisfreien Städten Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden, Offenbach und Kassel ergeben. 2013 hatte der Wert zu der Uhrzeit demnach bei 40,0 Prozent gelegen. Bei der Landtagswahl 2009 waren um 14.00 Uhr nur 29,7 Prozent und damit deutlich weniger als nun gezählt worden.

15:30 Uhr: Hessen-Wahl so eng wie selten

Beim Ablauf der Wahl gebe es bislang keine Probleme, sagte Landeswahlleiter Wilhelm Kanther am Sonntag. "Die Sache ist voll im Gange." Die Wahllokale sind noch bis 18.00 Uhr geöffnet.

Es wird mit einem engen Wahlausgang gerechnet. Ob die seit 2013 regierende schwarz-grüne Koalition unter Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ihre Arbeit fortsetzen kann, ist ungewiss. In den Umfragen vor der mit Spannung erwarteten Wahl zeichneten sich herbe Verluste für CDU und SPD ab. Die Grünen legten dagegen deutlich in der Wählergunst zu.

15 Uhr: Scholz geht von Fortdauer der großen Koalition nach Hessen-Wahl aus

Immer wieder war zuletzt von einer Richtungswahl in Hessen die Rede. Sollten Union und SPD wie schon in Bayern wieder hohe Verluste hinnehmen müssen, dürfte die Große Koalition in Berlin noch schwerere Zeiten erwarten.

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) geht aber davon aus, dass die große Koalition im Bund auch bei einem schlechten Wahlergebnis in Hessen hält.

Nach der Bundestagswahl 2017 habe die SPD eine bewusste Entscheidung getroffen, sagte Scholz am Sonntag auf einer Veranstaltung der Wochenzeitung "Die Zeit" in Hamburg. Das Ziel sei es, gut zu regieren. "Wir dürfen nicht taktisch daherkommen. Alles, was wir machen, muss geradlinig sein", sagte Scholz an die Adresse seiner Partei. Zugleich müssten die Sozialdemokraten Perspektiven entwickeln, die über die große Koalition hinausreichten.

Auf die Frage, ob die SPD die Koalition bei einem Rücktritt von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) platzen lassen würde, antwortete Vizekanzler Scholz: "Ich bin nicht der Sprecher von Frau Merkel, aber ich möchte Ihnen mitteilen, dass Frau Merkel der Öffentlichkeit gesagt hat, sie sei für die ganze Legislaturperiode gewählt."

Sicherlich werde es nach dem Ergebnis der Hessenwahl Diskussionen geben. Er hoffe aber, dass die GroKo-Partner dazulernten. Mit Blick auf die AfD und Populisten in Europa warnte Scholz davor, über jedes Stöckchen zu springen.

14:30 Uhr: Alles Wichtige zur Hessen-Wahl auf einen Blick

ZAHLEN UND FAKTEN: Hessen hat rund 6,24 Millionen Einwohner, davon sind etwa 4,38 Millionen Männer und Frauen wahlberechtigt. Knapp 62 000 junge Menschen dürfen zum ersten Mal überhaupt bei einer Landtagswahl ihre Kreuzchen machen. Es treten 23 Parteien an, auf den Landeslisten stehen die Namen von 691 Bewerbern. In den 55 Wahlkreisen gibt es 413 Direktkandidaten.

WAHLRECHT: Die Wähler in Hessen dürfen zwei Kreuze machen. Mit der Erststimme oder Wahlkreisstimme wählen sie einen Direktkandidaten in ihrem Wahlkreis, mit der Zweitstimme oder Landesstimme eine Partei. Die Zweitstimme ist entscheidend für die Zusammensetzung des neuen Landtags und die Kräfteverhältnisse.

PARLAMENT: Der Landesverfassung zufolge gehören dem Landtag in der Regel 110 Abgeordnete an. Erringt eine Partei aber mehr Direktmandate in den 55 Wahlkreisen, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis zustehen würden, kommt es zu Überhang- und Ausgleichsmandaten - sprich: Auch für die anderen Parteien ziehen noch weitere Kandidaten in den Landtag ein, bis das Verhältnis wieder einigermaßen stimmt.

BISHERIGE SITZVERTEILUNG: Stärkste Kraft in Hessen bei der Landtagswahl 2013 wurde die CDU. Sie holte 38,3 Prozent der Stimmen, was ihr 47 Sitze brachte. Dahinter lag die SPD mit 30,7 Prozent und 37 Sitzen. Auf Platz drei schafften es die Grünen mit 11,1 Prozent und 14 Sitzen. Auf je 6 Sitze kamen Linke (5,2 Prozent) und FDP (5,0 Prozent). Die AfD verfehlte damals mit 4,1 Prozent den Einzug in den Landtag.

REGIERUNG: Hessen hat sich schon öfters als Politiklabor erwiesen - unvergessen bis heute ist der Auftritt des Grünen Joschka Fischer in Turnschuhen bei seiner Vereidigung 1985 als Umweltminister. Damals war dies die erste rot-grüne Landesregierung. 2008 scheiterte SPD-Chefin Andrea Ypsilanti, die den Landtag nun verlässt, mit dem Versuch, eine rot-grüne Minderheitsregierung unter Tolerierung durch die Linke zu schmieden. Derzeit regiert eine schwarz-grüne Koalition unter Führung von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) - das erste Bündnis dieser Art in einem deutschen Flächenland.

UMFRAGEN: CDU und SPD müssen allen Umfragen zufolge mit deutlichen Verlusten im Vergleich zur Wahl 2013 rechnen, die Grünen dürfen auf kräftige Zugewinne hoffen. Drei Tage vor der Wahl sagte das ZDF-"Politbarometer" den Christdemokraten 28 Prozent voraus. SPD und Grüne in Hessen lagen gleichauf bei 20 Prozent. Die AfD sah die Forschungsgruppe Wahlen bei 12 Prozent und damit erstmals im hessischen Landtag. Linke und FDP lagen bei 8 Prozent.

OPTIONEN: Nach den Umfragen käme von den vielen politisch denkbaren Bündnissen lediglich eine Regierung aus CDU, Grünen und FDP auf eine sichere Mehrheit im Landtag. Die amtierende schwarz-grüne Koalition steht auf der Kippe. Ein Bündnis aus CDU und SPD, eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP oder Rot-Grün-Rot ist ebenfalls unsicher. Je nach Umfrage könnten aber auch Mehrheiten für diese Konstellationen zumindest rechnerisch zustande kommen. Während sich Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) offen für eine Regierung mit Grünen und FDP zeigte, ließ sich die Ökopartei nur wenig zu Koalitionsfragen entlocken. Das Verhältnis zwischen Grünen und FDP gilt als schwierig.

14 Uhr: Die Spitzenkandidaten für die hessische Landtagswahl

Routinier Volker Bouffier (CDU) will Regierungschef bleiben, sein SPD-Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel im dritten Anlauf Ministerpräsident werden. Eine neue hessische Regierung wird aus mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Partnern bestehen. Wer mit wem? Das ist noch völlig offen. Neben inhaltlichen Fragen kommt es auch auf die Protagonisten an.

VOLKER BOUFFIER (CDU)

Früher als Innenminister galt Volker Bouffier als Scharfmacher. Spätestens mit Beginn der schwarz-grünen Koalition in Hessen ist der Ministerpräsident als Brückenbauer unterwegs. Der CDU-Vize gilt als treuer Unterstützer von Kanzlerin Angela Merkel und ist ein Mann der klaren Sprache. Auf Volksfesten und in Wahlkampfhallen bewegt sich der 66-Jährige genauso selbstverständlich wie auf dem Berliner oder internationalen Parkett. Selbst politische Gegner rechnen dem aus Gießen stammenden Juristen an, dass er sich mit seiner jahrelangen Erfahrung für Hessen und die Belange der Menschen einsetzt. Hart angegangen wurde der CDU-Politiker für seine Rolle als damaliger Innenminister bei der Aufklärung der NSU-Mordserie. Freund und Feind witzeln über seinen Hang zu teils sehr langen Ausführungen. Bouffier ist verheiratet und hat drei Kinder.

THORSTEN SCHÄFER-GÜMBEL (SPD)

Thorsten Schäfer-Gümbel übernahm nach dem Ypsilanti-Debakel der Hessen-SPD 2008 als nahezu unbekannter Politiker Verantwortung. Er führte die Sozialdemokraten nach dem Scheitern eines von den Linken tolerierten Bündnisses mit den Grünen zu neuem Selbstbewusstsein. Der 49-Jährige, der auch SPD-Bundesvize ist, tritt zum dritten Mal an, um Ministerpräsident zu werden, zum zweiten Mal gegen Amtsinhaber Bouffier. Der hessischen Partei- und Fraktionschef wuchs in Gießen auf, nach dem Abitur studierte er Agrar- und Politikwissenschaften. Wäre er nicht in die Politik gegangen, dann wäre er nach eigenen Worten «vielleicht Entwicklungshelfer oder Lastwagenfahrer» geworden. Schäfer-Gümbel wird auch von seinen politischen Kontrahenten für seinen Fleiß geschätzt. Manchen ist er aber nicht bissig genug.

TAREK AL-WAZIR (GRÜNE)

Tarek Al-Wazir gehört mit Abstand zu den besten Rednern im Hessischen Landtag: Rhetorisch geschliffen, nicht selten mit ironischen Seitenhieben und Wortwitz versehen und fast immer im Angriffsmodus vertritt der 47-Jährige seine Position. Politische Freunde loben sein großes Detailwissen, Kontrahenten bezeichnen es gerne auch als Unfehlbarkeitsanspruch oder arrogantes Belehren. Der Wirtschafts- und Verkehrsminister ist nach Umfragen Hessens beliebtester Politiker und harmoniert - trotz vieler Gegensätze - gut mit Regierungschef Volker Bouffier. Der Mann mit der runden Brille und dem inzwischen ergrauten Bürstenhaarschnitt ist Sohn eines jemenitischen Ex-Diplomaten und einer friedensbewegten Offenbacher Lehrerin. Mit 14 Jahren zog er für zwei Jahre zu seinem Vater in die jemenitische Hauptstadt Sanaa. Dort lernte er seine Frau kennen, mit der er zwei Söhne hat.

PRISKA HINZ (GRÜNE)

Priska Hinz ist bereits zum zweiten Mal Umweltministerin in Hessen. Die gelernte Erzieherin saß bereits in der 80er Jahren im Hessischen Landtag und übernahm in einer roten-grünen Regierung unter Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) als Nachrückerin 1998 bis 1999 das Ministeramt. Vor ihrer zweiten Amtszeit als Ressortchefin war Hinz von 2005 bis 2014 Bundestagsabgeordnete. Die 59-Jährige mit einem Faible für farbige Brillengestelle verschafft sich im Landtag mit frei gehaltenen Reden und ihrer durchdringenden Stimme gut Gehör. Respekt zollen ihrem Öko-Kurs trotz inhaltlicher Differenzen auch Interessengruppen jenseits der Umweltbewegung wie Bauern, Jäger oder Kali-Produzenten. Hinz ist verheiratet und hat zwei Söhne.

JANINE WISSLER (LINKE)

Janine Wissler tritt im Landesparlament mit rhetorischer Schärfe und klarer Argumentation auf. Auch heftige politische Auseinandersetzungen scheut die Vorsitzende der Linksfraktion nicht, ausfällig oder persönlich beleidigend wird die immer sehr modisch gekleidete 37-Jährige aber nie. Wissler wuchs in Langen nahe Frankfurt auf und hat Politikwissenschaften studiert. Sie engagierte sich im globalisierungskritischen Netzwerk Attac und war eine der Gründerinnen der hessischen Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit (WASG). Ihre politische Heimat sind ultralinke Strömungen in der Partei wie das Netzwerk Marx 21. Wissler ist ledig.

JAN SCHALAUSKE (LINKE)

Mit Jan Schalauske hat die hessische Linke vor vier Jahren an der Parteispitze einen Generationswechsel eingeläutet. Der heute 37-Jährige löste Ulrich Wilken ab, der nach elf Jahren im Amt nicht mehr angetreten war. Schalauske errang bei seiner Wahl 93 Prozent Zustimmung der Delegierten. In den Hessischen Landtag zog der gebürtige Niedersachse vor knapp eineinhalb Jahren als Nachrücker ein. Schalauske studierte Politikwissenschaften in Marburg und trat aus Enttäuschung über die Politik der rot-grünen Bundesregierung in die Partei ein. Im Landtag tritt der verheiratete Vater eines Kindes meist ruhig und sachlich auf.

RENÉ ROCK (FDP)

René Rock wird auch von politischen Gegnern Kompetenz in der Sozialpolitik bescheinigt. Das Steckenpferd des 50-Jährigen, der sein lichtes Haupthaar ähnlich kurz trägt wie seinen Bart, ist die frühkindliche Bildung. Als FDP-Fraktionschef und Spitzenkandidat schlüpfte Rock in große Fußstapfen. Sein Vorgänger Florian Rentsch galt als Strippenzieher und Gesicht der hessischen Liberalen. Rock ist fest in der Kommunalpolitik verwurzelt, er ist Mitglied der Stadtverordnetenversammlung im südhessischen Seligenstadt und FDP-Fraktionschef im Kreistag Offenbach-Land. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter. Sollte es zu einer Regierungsbeteiligung der FDP kommen, will Rock nach eigener Aussage nicht unbedingt ein Ministeramt übernehmen - er kann sich auch vorstellen, weiter in der Fraktion zu arbeiten.

RAINER RAHN (AfD)

Rainer Rahn ist als Gegner des Flughafenausbaus vor mehreren Jahren in der Frankfurter Stadtpolitik gelandet. Seitdem saß er bereits in vier Fraktionen im Stadtparlament Römer. Der 66-Jährige mit den grauen Haaren und dem Oberlippenbart ist promovierter Zahnarzt und hat auch Rechtswissenschaften studiert. Der langjährige Kommunalpolitiker setzte sich für den Posten als AfD-Spitzenkandidat in einer Stichwahl gegen einen Polizisten durch und gilt bei einem Einzug der Partei in den Landtag auch als aussichtsreicher Kandidat für den Posten des Fraktionsvorsitzenden. Die AfD bezeichnet sich in Hessen selbst als bürgerlich-konservativ. In seinen Reden tritt Rahn mit gemäßigtem Vokabular, aber klaren Botschaften gerade in der Flüchtlingspolitik auf. Sein Lieblingsgegner ist Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die große Koalition hält er für eine Katastrophe. Rahn ist verheiratet, Kinder hat er nicht.

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