"Irgendwann ist auch der längste Geduldsfaden zu Ende": Der Hamburger AfD-Fraktionschef Jörn Kruse tritt aus der Partei aus. Die Zusammenarbeit mit Rechtsradikalen sei für ihn "untolerierbar".

Jörn Kruse, einer von zwei Vorsitzenden der AfD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, äußerte sich schon häufiger kritisch über den Kurs der Partei. Jetzt hat er angekündigt, zum 1. Oktober den Fraktionsvorsitz niederzulegen und Anfang November aus der Partei auszutreten. Das geht laut der Presseagentur dpa aus einer E-Mail hervor, die Kruse am Donnerstag an die Fraktionsmitglieder schrieb.

"Die zunehmende Zusammenarbeit von Teilen der AfD, insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern, mit Rechten und Rechtsradikalen ist für mich vollständig untolerierbar. Irgendwann ist auch der längste Geduldsfaden zu Ende", heißt es darin.

Kruse, Jahrgang 1948, ist Wirtschaftswissenschaftler und trat unter dem Eurokritiker Bernd Lucke der AfD bei. "Ich habe mich schon oft über meine Partei geärgert", sagte Kruse kürzlich in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE, "aber mit der Demonstration in Chemnitz wurde für mich eine rote Linie überschritten. Die AfD steht seit Chemnitz an einem Scheideweg."

Hamburgs AfD-Landeschef Dirk Nockemann und Co-Fraktionschef Alexander Wolf wiesen die Gründe für Kruses Austritt zurück. "Wir bedauern die Entscheidung, aber wir teilen seine Aussagen über einen angeblichen 'Rechtsruck' der AfD in keiner Weise", erklärten sie.

Der Bürgerschaft will Kruse angeblich weiter angehören, allerdings nur noch als fraktionsloser Abgeordneter.

Die AfD ist seit der Bürgerschaftswahl 2015 im Landesparlament der Hansestadt vertreten. Damals erreichte sie 6,1 Prozent. Anfangs hatte sie acht Abgeordnete, verlor aber bereits 2016 einen Sitz durch den Fraktionsaustritt eines anderen Abgeordneten.

Im Video: Wie rechts ist die AfD?   © SPIEGEL ONLINE