Nach einem andauernden Raketen- und Mörserangriff der Hamas mit über 100 Geschossen reagierte Israel mit Luftangriffen auf strategische Stellungen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu spricht vom härtesten Schlag seit dem Gaza-Krieg 2014 und droht mit noch schwereren Maßnahmen. Angaben der Hamas, wonach sich die Gegner auf einen Waffenstillstand geeinigt hätten, hat Israel bislang nicht bestätigt.

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Ein neuer heftiger Schlagabtausch zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas nährt die Sorge vor einem neuen Krieg. Militante Palästinenser griffen Israel am Samstag mit 100 Raketen und Mörsergranaten an, wie die israelische Armee mitteilte.

Israels Luftwaffe bombardierte gleichzeitig Dutzende Hamas-Ziele. Bei einem Angriff auf ein Hamas-Gebäude in Gaza wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in dem Küstengebiet zwei Jugendliche getötet und 14 weitere Menschen verletzt.

Netanjahu droht

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte am Samstagabend mit einer Verschärfung der Angriffe im Gazastreifen, sollten Raketenangriffe militanter Palästinenser auf Israel andauern. Bei einer Beratung mit dem Verteidigungsminister Avigdor Lieberman und der Armeespitze habe man sich "für einen entschlossenen Einsatz gegen den Hamas-Terror entschlossen".

Die israelische Armee habe der Hamas mit massiven Luftangriffen den "härtesten Schlag" seit dem Gaza-Krieg versetzt. "Wir werden die Intensität der Angriffe wenn nötig verstärken", sagte Netanjahu.

Hamas verkündet Waffenstillstand

In der israelischen Grenzstadt Sderot wurden am Samstag nach Medienberichten ein Haus und eine Synagoge getroffen. Drei Menschen erlitten nach Armeeangaben Verletzungen.

Am Samstagabend verkündete die Hamas eine Waffenruhe. Hamas-Sprecher Fausi Barhum teilte mit, ägyptische Bemühungen um eine Beruhigung der Lage hätten Erfolg gehabt.

Ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wollte sich dazu nicht äußern.

Am Sonntag hieß es von der israelischen Armee, militante Palästinenser hätten in der Nacht zum Sonntag vier Geschosse auf israelisches Gebiet abgefeuert. Eines davon sei von der Raketenabwehr abgefangen worden. Seither habe es keine Angriffe mehr gegeben.

Zwei tote Jugendliche

Bereits am Freitag war bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der israelischen Armee an der Gaza-Grenze ein palästinensischer Jugendlicher getötet worden. Ein 20-Jähriger erlag den Angaben zufolge am Samstag seinen Verletzungen.

Bei dem Luftangriff auf ein Hamas-Gebäude im Westen der Stadt Gaza wurden am Samstag 15-Jähriger und ein 16-Jähriger getötet. Sie seien von Granatsplittern tödlich verletzt worden, hieß es. Augenzeugen zufolge hielten sie sich in der Nähe des Gebäudes auf. Nach Angaben der israelischen Armee nutzte die Hamas das Hochhaus und einen Tunnel darunter zum Training für Häuserkampf. Bewohner seien vor dem Angriff gewarnt worden.

Angriff auf Hamas-Hauptquartier

Hamas-Sprecher Fausi Barhum sagte, man wolle mit den Angriffen auf Israel eine "klare Botschaft senden" und "den Feind dazu zwingen, die Eskalation zu stoppen".

Israel hatte bereits in der Nacht Hamas-Ziele angegriffen, darunter zwei Angriffstunnel. Tagsüber sei das Hauptquartier eines Hamas-Bataillons in Beit Lahia im Norden des Gazastreifens komplett zerstört worden, ebenso wie ein logistisches Zentrum mit Helium-Vorräten, sagte Armeesprecher Jonathan Conricus.

Israels Botschaft an Hamas

Er sprach von "Vergeltung der israelischen Armee gegen die Hamas". Seit Monaten verübe die radikalislamische Palästinenserorganisation Terrorangriffe auf Israel. Der Armeesprecher nannte die Angriffe mit Brand-Drachen, Attacken am Grenzzaun sowie die Angriffe mit Raketen und Mörsergranaten. Zuletzt habe die Gewalt zugenommen, sagte Conricus.

"Unsere Botschaft an die Hamas ist: Wir können und werden die Intensität unserer Angriffe steigern", sagte der Sprecher. "Die Hamas drängt die Bevölkerung des Gazastreifens immer weiter an den Rand des Abgrunds."

Tote bei Protesten

Seit dem 30. März haben israelische Soldaten bei teils gewaltsamen Protesten an der Gaza-Grenze nach palästinensischen Angaben rund 140 Menschen getötet. Viele davon waren Hamas-Mitglieder. Die Palästinenser fordern ein Ende der vor mehr als zehn Jahren verhängten Gaza-Blockade und ein Rückkehrrecht in das israelische Staatsgebiet. Sie beziehen sich dabei auf Flucht und Vertreibung Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948. (mc/dpa)

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