Gustl Mollath soll während seiner Zeit in der Psychiatrie gedemütigt und erniedrigt worden sein. Diese schweren Vorwürfe erhebt der 56-Jährige in einem "stern"-Interview. Mollath, der erst vor einer Woche aus der Klinik entlassen wurde, rechnet in dem Gespräch mit dem Sozialsystem in Deutschland ab: "Bei mir hat der deutsche Rechtsstaat versagt."

In seinen sieben Jahren in einer Psychiatrie sei Gustl Mollath willkürlich Demütigung und Erniedrigung widerfahren. Auch Zwangsmedikation habe ihm gedroht. Bei anderen Patienten sei es wegen der verabreichten Medikamentencocktails schon zu heftigen Brechanfällen gekommen, sagt Mollath. "Da werden Menschen folterähnlichen Umständen ausgeliefert", sagt der 56-Jährige in der Donnerstagsausgabe des "stern" über die Maßnahmen in der Klinik.

Selbst seine plötzliche Freilassung aus der Psychiatrie habe er als Tortur empfunden. Unvorbereitet sei er plötzlich wieder auf sich selbst gestellt gewesen, ohne Übernachtungsmöglichkeit oder einen gültigen Ausweis. "Ich hab mehrmals drum gebeten", beklagt er. "Dieser ach so treusorgende Sozialstaat, dieses ach so fürsorgliche Krankenhaussystem hilft mir nicht."

"Werde dafür sorgen, dass Wahrheit herauskommt"

In seiner neuen Freiheit freue er sich auf einen normalen Alltag, in dem er auch wieder selbst kochen kann. Daneben steht auch die Vorbereitung auf den Wiederaufnahmeprozess an, für den er sich in Dutzende Kisten voller Unterlagen einarbeiten muss. Mollath sieht sich selbst als Ofer der Justiz: "Bei mir hat der deutsche Rechtsstaat versagt."

Bereits 2003 und 2006 stand Mollath vor Gericht. Ihm wurde vorgeworfen, seine damalige Ehefrau geschlagen und Reifen zerstochen zu haben. Nach dem Freispruch wegen Schuldunfähigkeit wurde er in die Psychiatrie eingewiesen. Mollath gibt zu, dass es eine Handgreiflichkeit zwischen ihm und seiner damaligen Frau gegeben hat. Er streitet jedoch ab, seine frühere Partnerin angegriffen zu haben: "Sie selbst hat sich so verhalten, dass sie diesen Körperkontakt gesucht hat." Das Verfahren wird derzeit neu aufgerollt. Mollath zeigt sich optimistisch: "Ich werde dafür sorgen, dass die Wahrheit herauskommt." (com/szu)