In der Alten- und Krankenpflege sind 35.000 Stellen unbesetzt. Um den Druck in diesem Bereich zu lindern, fordern die Grünen nun, das Bleiberecht in Deutschland damit zu verknüpfen: Wer in der Pflege arbeitet, soll bleiben dürfen.

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Die Grünen fordern ein Bleiberecht für Flüchtlinge, die in der Pflege arbeiten. "Wir brauchen eine reguläre Aufenthaltsgenehmigung für Pflege- und die Helferberufe als Einstieg in ein Einwanderungsgesetz", sagte der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck der Deutschen Presse-Agentur.

In Pflegeheimen und Krankenhäusern fehlten Zehntausende Fachkräfte, zugleich schiebe Deutschland auch Flüchtlinge ab, die in diesem Bereich eine Ausbildung machten. "Die Bundesregierung muss die Gesetzeslage entsprechend ändern", forderte er.

Es brauche mehr als nur eine Duldung für die Zeit der Ausbildung. Damit bekämen Flüchtlinge einen Anreiz, sich zu qualifizieren und einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen. "Gleichzeitig würde es den Druck im Pflegebereich lindern und vielen Pflegebedürftigen sofort helfen."

Gauland: Vorschlag ist "absurd"

AfD-Parteichef Alexander Gauland bezeichnete den Vorschlag Habecks als absurd. "Es gibt mehr als ausreichend Pflegekräfte in Europa, die unseren Pflegenotstand beheben könnten", sagte er.

"Flüchtlinge, die in diesem Bereich in Ausbildung sind, allein deswegen nicht abzuschieben, ist lediglich ein weiteres Hintertürchen, um illegale Migranten in Deutschland zu belassen."

35.000 Stellen in der Pflege unbesetzt

In der Alten- und Krankenpflege rund 35.000 Stellen nicht besetzt sind, darunter rund 25.000 Fachkraft-Stellen. Das ging aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor.

Das Gesundheitsministerium beruft sich in seiner Antwort, über die zunächst die "Berliner Zeitung" berichtete, auf die Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit.

Demnach fehlten 2017 bundesweit rund 15.000 Altenpflegefachkräfte und etwa 8.000 Altenpflegehelfer. Hinzu kommen rund 11.000 offene Stellen bei Krankenpflegefachkräften und rund 1.400 weitere bei Krankenpflegehelfern.

Auf 100 offene Stellen kommen 21 Arbeitslose

Dabei klafft das Verhältnis der offenen Stellen zu den arbeitslosen Kräften teilweise dramatisch auseinander: In der Altenpflege kommen auf 100 zu besetzende Stellen nur 21 arbeitslose Fachkräfte, wie es in der Antwort des Ministeriums heißt. In der Krankenpflege liegt das Verhältnis bei 100 zu 41.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) strebt für die Altenpflege mehr als die im Koalitionsvertrag vereinbarten 8.000 zusätzlichen Fachkraftstellen an. "Mein Ziel ist, dass in jeder der 13.000 stationären Altenpflegeeinrichtungen in Deutschland zusätzliches Personal ankommt", sagte er dem "Spiegel". Das sei im vereinbarten Pflege-Sofortprogramm zu regeln.

Auch für die Kliniken plant Spahn demnach Sofortmaßnahmen: "Jede neue Pflegestelle, die Krankenhäuser einrichten und besetzen, werden die Krankenkassen künftig komplett bezahlen", erklärte der Minister. Bisher fördern sie die Personalkosten für neue Stellen zu 90 Prozent.

Kliniken solle so die Sorge genommen werden, dass mehr Pflege sie zu viel koste, erklärte Spahn.

(jwo / dpa / AFP)


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